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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Die Marind-anim, Baumpflanzer des südlichen Neu-Guinea 139

dadurch hier bald anschwellen, dort abbröckeln. Dank dem agglomerativen
Charakter können das aber diese politischen Gebilde jederzeit ohne inneren
Schaden erleiden. Die Siedlung wird reicher an Familien oder verliert andere,
ohne daß die Organisation der Gemeinde selbst dadurch betroffen wird.
Wenn heute diese oder jene Gemeinde besonders stark und erfolgreich erscheint,
 so ist es kein Zeichen einer besonderen Organisation, sondern nur
der Erfolg einer Persönlichkeit oder das Ergebnis des Zusammenschlusses
oder einer Angliederung mehrerer Familien, einer glücklichen Konstellation
des Augenblicks, die sich auch bald wieder verändern kann.
Das Bild, das wir von einer Gemeinde zu einem bestimmten Zeitpunkt
erhalten, spiegelt stets nur den Querschnitt durch den stark pulsierenden
Rhythmus eines ständig sich verändernden Lebens wieder. Die Tumleo-Leute,
die Bewohner einer kleinen Insel an der Nordküste von Neu-Guinea, waren
früher zahlreich, wurden jedoch durch Seuchen bis auf eine Zahl von 300
Seelen dezimiert. Die Einschleppung von Lungen- und Geschlechtskrankheiten
 hat auf den westlichen Inseln und in Neu-Mecklenburg zu einem erheblichen
 Bevölkerungsrückgang geführt. Das heutige Dorf Tjimundo am Töpfer-Fluß,
 dem untersten südlichen Nebenfluß des Augusta-Stromes, hat, wie
;ch feststellte, eine große Geschichte von Wanderungen und Kämpfen hinter
sich, in deren Verlauf es teils durch Kämpfe, teils durch Seuchen schwere
Einbußen erhtt.

b) Die Marind-anim, Baumpflanzer des südlichen Neu-Guinea.
Männer pflanzen Kokos- und Sagopalmen, gehen auf Jagd und zum Fischfang;
 die Frauen bearbeiten den Sago, treiben Kleinfischfang und handwerkliche
 Arbeiten, füttern die Schweine und kochen. Die’ Kinder werden von der
Familie durch Adoption losgelöst, die Geschlechter voneinander getrennt erzogen.
 Auch im Leben der Erwachsenen herrscht strenge Absonderung der Geschlechter.
 Jedes Geschlecht ist für sich in stabile Altersbünde gestaffelt. Grundlage
 für die Heiratsordnung bildet die exogame totemistische Sippe. Die. Ehe
ist hauptsächlich auf einer funktionellen Ergänzung der herkömmlichen wirtschaftlichen
 Verrichtungen aufgebaut. Liebesorgien bei der Hochzeit. Praktische
Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern je innerhalb ihrer Sphäre.
Die Siedlung wird durch die Sippenorganisation beherrscht. Kein Häuptlingtum,
 aber hohes Ansehen des Alters. In Verbindung mit religiösen Geheimkulten
spielen die Kopfjagden eine große Rolle, die aber gleichzeitig als Tausch- und
Freundschaftsbeziehungen in Erscheinung treten.
Unter den Marind-anim des südlichen Neu-Guinea bildet die Hauptgrundlage
 der Ernährung Sago und Kokosnuß. In zweiter Linie kommt erst
die Banane, Yams und Taro in Betracht, die jedoch nur auf kleinen Beeten
gezogen werden und in der Regel den Privatbesitz einzelner Personen bilden,
Nebenbei sei erwähnt, daß bei den östlich des Rorassi wohnenden Stämmen
die Dinge anders liegen: hier fehlen. die Sagobestände vollständig, und auf
ausgedehnten Feldern und im gerodeten Wald werden Yams und Taro gepflanzt,
 die den Hauptbestandteil der Nahrung jener Stämme bilden. Hier
scheint es sich um eine spezielle Variante des Pflanzertums zu handeln.
            
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