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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Die Marind-anim, Baumpflanzer des südlichen Neu-Guinea 141
Hauptsiedlung verschiedene Lagerplätze oder Nebensiedlungen, wie z.B.
auch bei den Paradjas usw.
Die Häuser in einem Dorf sind am Strande gewöhnlich reihenweise anzeordnet,
 im Innern liegen sie um einen Dorfplatz oder zerstreut zu kleinen
Sippengruppen in einem Kokoshain. Doch auch in den Küstendörfern
rücken die Angehörigen einer Sippengruppe näher aneinander. Außer den
Frauenhütten besitzt jeder Sippenweiler eine Männerhalle. Abseits
vom Dorf befindet sich gewöhnlich das Jünglingshaus für die ganze
Siedlung. Außerdem gibt es besondere Häuser für Schwangere und Kranke,
Die beiden Geschlechter wohnen im Dorfe getrennt. Es gilt als grober Verstoß
 gegen die gute Sitte, wenn ein Mann eine Frauenhütte betritt, außer
wenn er aus der Hütte seiner Gattin etwas holen muß. Niemals wird ein Mann
in der Weiberhütte länger verbleiben oder dort gar die Nacht verbringen;
der eheliche Verkehr findet ausschließlich im Busch und meistens tagsüber
statt. Noch mehr meidet die Frau die Männerhalle, außer wenn sie ihrem Gatten
etwas zu überreichen hat. Vollends unstatthaft ist es für einen Jüngling,
eine Weiberhütte zu betreten oder auch nur tagsüber ins Dorf zu gehen.
Erst abends, nachdem die Dunkelheit eingetreten ist, begeben sich die
Jünglinge ins Dorf und verbringen die Nacht im Männerhaus (Wirz [25]
L76f£, 189(££).
Innerhalb des Stammes der Marind-anim und auch bei ihren Nachbarn
gibt es weder Häuptlinge noch Anführer irgendwelcher Art. Die Gesellschaft
 wird teils durch den „„totemistischen Sippenverband“, teils durch
Altersbünde in verschiedene Bestandteile zerlegt. Doch kommt-den alten
Männern eine durchaus führende und respektierte Stellung zu, während das
gesellschaftliche Schwergewicht. auf der Seite der jugendlichen Altersklassen
 zu suchen ist. Den Alten gebührt nicht nur die Ehre, sondern sie
zeichnen sich durch ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus, die den Traditionsschatz
 des Stammes an profanem und religiösem Gehalt bewahren.
Allerdings nimmt dieser Respekt ab, wenn der Alte seine Rüstigkeit verliert
and an der Beschaffung seiner Nahrung sich nicht mehr beteiligen kann.
Ein gewisser Grad von Autorität kommt auch den Frauen als Bewahrerinnen
 der alten Sitten und Gebräuche zu. Sie beeinflussen die öffentliche
Meinung in nicht unerheblichem Maß, und einige unter ihnen sind auch in
die Riten der Geheimkulte eingeweiht, so daß sie auch in dieser Hinsicht
den Männern gleichgestellt sind.
Abgesehen von diesen Auszeichnungen nehmen nur die Zauberer und
Medizinmänner eine ausgezeichnete Stellung ein, die jedoch durch die
Persönlichkeit bestimmt wird. Abgesehen davon gibt es einige Leute, die
sich durch Handfertigkeiten auszeichnen, Männer die besonders geschickt
Pfeile, Trommeln und Geräte herstellen, Gesänge, Mythen, Zauberformeln
kennen, Frauen, die hübsche Geflechte, solide Fischnetze handfertigen usw.
Mit der eigenartigen scharf durchgeführten Trennung der Geschlechter
hängt es auch zusammen, daß die Männer mit den Jünglingen im Männerhaus
 in der Regel sippen weise wohnen, die Frauen mit den kleinen Kindern
and unverheirateten Mädchen in den Weiberhütten leben. Infolgedessen
            
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