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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

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Gruppierung und Ansätze zur Staffelung

bildet die Ehe nur einen lockeren Verband gegenüber den Altersbünden der
Geschlechter und der Sippenzugehörigkeit. Dazu tritt aber noch ein weiteres,
Schon als Knabe verläßt der Marind den Kreis von Mutter und Geschwistern
und das väterliche Dorf und muß mehrere Jahre abgesondert im Jünglingshaus
 zubringen. Dort findet er seine Altersgenossen, Spielgefährten
und Kameraden, so daß er nach kurzer Zeit nicht das geringste Verlangen
mehr empfindet, zur Mutter oder zu den Geschwistern zurückzukehren.
Überdies werden ihm Adoptiveltern zugeteilt, die sich fortan um das Wohl
des Knaben bekümmern und ihm fast ebenso nahe stehen wie die leiblichen
Eltern. Fortan erhält der Knabe Nahrung und Schmuck von den Pflegeeltern,
 denen er in den Pflanzungen, auf der Jagd und beim Fischfang behilflich
 sein muß,
Bei den Mädchen verfährt man ebenso. Doch werden sie nicht zusammengesperrt
 und isoliert wie die Knaben, sondern bleiben in der Hütte der Mutter
bis zur Heirat.
Bei jedem Übertritt des Knabens oder Mädchens in die nächst höhere
Altersstufe werden innerhalb der Familiensippe Feste gefeiert. Man kann
sagen, daß die leiblichen Eltern mit den Adoptiveltern in der Sorge um die
Kinder geradezu wetteifern.
Die Ehe ist auch hier wesentlich auf einer funktionellen Ergänzung der
herkömmlichen Verrichtungen und Arbeiten der beiden Geschlechter aufgebaut:
 während der Frau das Bereiten von Sago und Backen von Sagokuchen
 zufällt, das Flechten von Matten, Körben und Taschen, die Herstellung
 von Fischnetzen und Fischreusen, namentlich durch die älteren
Weiber, ist die Beschaffung animalischer Nahrung, Herstellung von Schmuck,
Geräten und Waffen immer Sache des Mannes. Die Jagd insbesondere wird
aur von den Männern geübt, während der Fischfang, wie auch die Tätigkeit
 in den Pflanzungen auf beide Geschlechter verteilt ist. Doch besorgen
auch hierbei die Männer die schwereren Arbeiten des Umbrechens des
Bodens, des Fällens der Sagopalme usw. Die Dorfschweine werden ausschließlich
 von der Frau besorgt. Die Arbeit ist somit unter beide Geschlechter
 ziemlich gleichmäßig verteilt und das Verhältnis zwischen Mann und
Frau in herkömmlicher Weise geregelt. Vor Übergriffen durch den Mann
ist die Frau nicht allein durch die öffentliche Meinung, sondern namentlich
durch den Rückhalt an ihrer Sippe und schließlich durch ihre eigene
Arbeitsleistung gesichert. Eine Frau ist dem Manne in wirtschaftlicher
Hinsicht unentbehrlich, weil die Beschaffung der vegetabilischen Nahrung,
die durchwegs die erste Stellung einnimmt, fast ausschließlich ihre Sache
ist. Dies drückt sich in mancherlei mutterrechtlichen Zügen aus.
Die Eheschließung ist an eine Heiratsordnung gebunden, die sich auf
5 exogame Totemgenossenschaften gründet, deren jede wieder aus
mehreren sehr locker aneinander gefügten Sippen besteht. Gemeinsame
Mythen und mystische Spekulationen halten die Totemgenossenschaft
zusammen.
Dank dieser Heiratsordnungen kommen für einen Knaben oder ein
Mädchen nur sehr wenige Partner in Betracht, über die sich die Eltern sehr
            
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