Der Einfluß der gestaffelten geheimen Gesellschaften 149
An weiter entlegenen Feldern gibt es besser gebaute Unterkünfte, in denen
der Mann mit den Frauen gemeinsam haust. In den südlichen Inseln und
in Ambrym wechselt man in der Bestellung der Felder jedes Jahr, auf den
anderen Inseln bebaut man das gleiche Stück zwei bis drei Jahre hintereinander.
Beim Wechsel der Felder wählt man mit Vorliebe von früher her
brachliegende Rodungen, auf denen der Urwald noch nicht zu stark geworden
ist, sowohl um leichter roden zu können, als auch. weil der Boden dort
schon von Steinen gereinigt ist.
Das Roden des Waldes wird selten von einer Familie allein besorgt, sondern
immer mit Hilfe von Freunden oder von der ganzen Sippe gemeinsam. Die
Helfer werden für ihre Arbeit durch ein Festessen entschädigt, in letzter
Zeit auch durch Geld. Die wichtigste Entschädigung besteht aber darin,
darf man nicht vergessen, daß bei nächster Gelegenheit der Helfer die
Unterstützung desjenigen in Anspruch nimmt, dem er heute
seine Arbeit zur Verfügung gestellt hat. Die Größe der einzelnen Felder
ist verschieden. Als Durchschnitt mag etwa eine Breite von 30 Meter zu
einer Länge von 60 Meter angesehen werden. Mehrere solcher Einheiten
reihen sich meistens aneinander. Ihre Grenzen werden durch Stöcke markiert,
die man in den Boden rammt. Die Tiefe der Grube, in die der Steckling von
Yams gepflanzt wird, beträgt ungefähr 50cm. Diese wird mit gesiebter
Erde wieder aufgefüllt. die man schließlich über der gefüllten Grube aufhäufelt.
In den Gebieten des Taro-Baues, in West-Santo, in Penteköte und Aroba
in Maevo, auf den Banks-Inseln, in Futuna und Aneitym findet eine Bewässerung
der Felder statt. Dabei stößt man auf die verschiedensten Systeme:
von der direkten Benutzung eines kleinen Bächleins, das durch Stauung
eine Talmulde in einen Sumpf verwandelt, in dem man den Taro pflanzt,
bis zum langen, kunstvoll gebauten Kanal mit systematisch angelegten
Beeten. Eines der größten Bewässerungswerke, bei Wora in Nord-West-Santo,
benützt einen ziemlich wasserreichen Bach, der ein enges Felsental
durchfließt. Da, wo er die Richtung seines Laufes ändert, ist aus großen Felsblöcken
quer durch den Bach ein Damm gezogen, der das Wasser staut.
Oberhalb davon zweigt ein Kanal ab, der immer ungefähr gleich viel Wasser
führt, weil bei Hochwasser der Überschuß, den der Kanal nicht fassen kann,
über den Damm hinweg im alten Bette weiterfließt. Der Kanal zieht sich
die Talwand entlang, ist ungefähr einen halben Meter tief und einen Meter
breit. Im größten Teil seines Laufes hat man ihn in die Talwand eingegraben,
dort aber, wo diese zu steil abfällt, wurde die äußere Seite durch Steine aufgebaut,
deren Zwischenräume mit Lehm und Kies verstopft sind. Stößt
der Kanal auf eine Felswand, so stützen ihn Stangen, vom Talgrund her
aufstrebende, starke, gegabelte Stämme, während Steine und Erde den Kanalboden
abdichten. Wo es nötig war, hat man den Felsen unterwühlt und mit
vieler Mühe große Blöcke weggeräumt. So führt der Kanal mit schwachem
Gefälle auf einer Länge von etwa 500 Meter die Talseite entlang, bis er in
die Pflanzungsfelder einmündet, wo der Niveauunterschied zwischen Bach
und Kanal etwa 5 Meter beträgt. — Wenn die Kanalwände auch sorgsam