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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

152.

Bevorzugte Sippen und Beginn einer Staffelung

gruppe einen höheren Rang erreicht. In einem solchen Fall mag eine neue
Gruppierung entstehen, die sich nun auf vielleicht 10 Dörfer erstreckt, die
aber wieder zerfällt, sobald dieser Mann höchsten Ranges stirbt. Dann werden
die im Rang verhältnismäßig höchst stehenden wieder selbständig und eine
neue Gruppierung bildet sich. Überdies steigt ein Mann im Suque-Rang,
je älter er wird. Ein Mann höchsten Ranges ist meistens so betagt, daß er
nicht mehr die Kraft hat, die ihm unterstehenden Gruppen zu einer Einheit
zusammenzuschweißen. Diese Gradstaffelung ist indessen in den einzelnen
Landschaften und Inseln stets etwas anders, wie die Untersuchungen von
Deac. [29] zeigen. Im einzelnen Dorfe bildet die Suque aber für die im
Männerhaus versammelte Gruppe. das Bleibende. Sie wird insbesondere
durch die Gemeinsamkeit der Interessen an der Ausübung des Ahnenkultes,
auf den sich die Suque stützt, zusammengehalten.
Trotz der geheimen Gesellschaften gibt es traditionelle Feindschaften
zwischen den Bewohnern der Küste und des Inlandes, oder, zwischen einzelnen
 Talschaften, in Maleküla herrscht ein traditioneller Krieg zwischen
den Bewohnern der kleinen Inseln und denen der Hauptinsel, in Ambrym
steht die Bevölkerung jedes Küstenzipfels der des anderen feindselig gegenüber,
 desgleichen in Gaua, Dies sind Gegensätze, die weder auf kultureller
noch rasslicher Basis beruhen, sondern eher mit der relativen Abgeschlossenheit
 der betreffenden Gebiete zusammenhängen (Speiser [23] 335ff).
Auch hier, wie bei vielen anderen Völkern, werden bestimmte Handwerke
nur von gewissen Familien betrieben, in denen sich die Fertigkeit vererbt.
Dennoch vermag ein jeder für den Gebrauch des Alltags handwerklich herzustellen,
 was er benötigt: einen Korb zu flechten, eine Keule zu schnitzen,
einen Holzpfeil zu verfertigen, ein einfaches Haus zu bauen, Allein die Produkte
 solcher Arbeit lassen sich in der Regel als das Werk von Dilettanten
erkennen, sie reichen in. der Eleganz der Herstellung nicht an die Erzeugnisse
 der Spezialisten heran. Der sogenannte Verfall von Kunstfertigkeiten
hängt vielfach mit dem Aussterben von Spezialistenfamilien zusammen.
Der Kanubau auf den Torresinseln, die Weberei auf Ureparapara ist so
verschwunden; bald wird es mit der Töpferei auf Santo ebenso gehen.
Das Erlöschen einer Spezialität kann daher nicht immer ohne weiteres im
Sinne. eines „Kulturverfalles‘‘ gedeutet werden,
Die Werke der Spezialisten wie Töpfe, Federgeld, Muschelperlen,
Prunkmatten, Tanzmasken usw. sind auch an die Kenntnis der magischen
Hilfsmittel gebunden, der Gesänge, Zeremonien, die zum Gelingen des
Werkes verhalfen, und ohne die auf der Arbeit kein Segen ruht. Die Kenntnis
 des Handwerks ist für die Familie eine nicht geringe Erwerbsquelle, doch
aie von der Bedeutung, daß der Handwerker sich allein auf den Ertrag seiner
handwerklichen Tätigkeit verläßt. Bei der Ausführung größerer Arbeiten ist
er eigentlich nur der verantwortliche Leiter. Er ist Baumeister beim Hausbau
und beim Bootsbau und legt nur bei feineren Arbeiten Hand an. Sein bezonderes
 Geheimnis besteht in den Kunstgriffen und mana-kräftigen Mitteln
(s. T. [R. L.] „„Mana‘“). So entstand hier diese, dort jene handwerkliche Tätigkeit,
 die ihre Produkte nach anderen Gegenden vertrieb. Am wenigsten
            
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