Die Mischkultur der Toradjas von Zentral-Celebes 155
Außerdem fürchtete man bösen Zauber. Auf diese Weise kam ein jeder
dazu, zu denken und zu handeln wie die andern, und darum bestand eine
zroße Abneigung gegen alles, an das man nicht seit undenklichen Zeiten
gewöhnt war.
Unter diesen Umständen war natürlich jeder wirtschaftliche Fortschritt
unmöglich. Jede Familie der Gemeinde besaß ihr Eigentum, auf das jedoch
die anderen Mitglieder im Falle einer Krisis oder eines Sippenfestes Anspruch
erhoben. In einem solchen Fall mußten die Familien, welche die besten
Erfolge mit ihrem Vieh hatten, die größte Zahl davon stellen. Wenn ein
Mitglied einer Gemeinde sich in Schulden befand, so mußten die reichsten
Angehörigen ihm aus den Klauen seiner Gläubiger helfen. Hatte einer große
Mengen einer Ware aufgehäuft, z. B. von Salz, so kamen so viele andere
und verlangten davon, daß die Vorräte bald erschöpft waren. Wenn eine
Person eine besondere Ware oder ein Gerät erworben hatte, so mußte das
so oft verliehen werden, daß er selbst nur wenig Gelegenheit hatte, es zu
benutzen. Derartige Ansinnen wies man nur selten zurück, da ein jeder
fürchtete, entweder isoliert zu werden oder das nächste Mal von einem anderen
eine Zurückweisung zu erhalten, außerdem aber aus Eitelkeit gern bereit
war, weil er Stolz empfand, von den anderen gepriesen und besungen zu
werden.
Unter den geschilderten Umständen machten sich in einer Gemeinde wie
der der Poso keine neuen Bedürfnisse fühlbar. Auch der Besitz von
Reichtümern war unter diesen Umständen von geringer Bedeutung.
Die hauptsächlichsten Güter bestanden in Stücken von weißen. Baumwollzeweben,
die in den Reisschuppen aufgespeichert wurden, die als Schatzhäuser
dienten. Man machte von ihnen nur Gebrauch, wenn eine Buße zu
bezahlen war, oder wenn der Besitzer oder einer seiner nächsten Verwandten
starb. Im letzteren Fall wurde eine Zahl dieser Gewebe mit ihm bestattet.
Keinerlei Geld war im Umlauf, und man hätte auch keine Verwendung dafür
gehabt. Die Silbermünzen, die in den Besitz der Poso gelangten, wurden
als Kinderschmuck verwendet.
Damals dachte niemand daran, Kokosnußpflanzungen anzulegen, außer
in der unmittelbaren Nachbarschaft der Häuser. Dies geschah nicht nur,
weil man nicht anders daran gewöhnt war und weil man nicht mehr Kokosnüsse
brauchte, sondern‘ auch deshalb, weil bei feindlichen Angriffen das
erste, was die Gegner taten, War, die Kokospalmen niederzuschlagen.
Derartige Gemeinden mußten natürlich auf dem gleichen Niveau verbleiben.
Einerseits tat ein jeder, was er wollte, andererseits aber war er dadurch
beschränkt, daß er nicht mißliebig bei den anderen auffallen durfte.
{n diese feste Traditionsgebundenheit ihrer Geistigkeit und sozialen Verfassung
kam erst durch die Europäer, und zwar von verschiedenen Seiten
her, Erschütterungen. Nur einige besonders wichtige seien hier herausgegriffen,
weil sie gleichzeitig auch die Festigkeit der alten Traditionen
beleuchten und die Veränderungen kennzeichnen, die in allen ähnlichen
Situationen mit der Einführung von bestimmten Neuerungen verbunden
sind. so daß ihnen deshalb allgemeine soziologische Bedeutung zukommt.