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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Die Gesellschaft der alten Maori Neu-Seelands

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waren auch nicht ethnisch oder kulturell, so weit man sehen kann, anderer
Herkunft als ihre Herren. Die Beziehungen zwischen ihnen und ihren Herren
waren die besten, sie verrichteten Handarbeiten, waren gut genährt und untergebracht.
 Allerdings gab es für sie keinen anderen Schutz als den ihres Herrn,
dessen Zorn sie ausgesetzt waren, Außerdem bestand für sie die Gefahr, für
Menschenopfer verwendet und bei einem Fest verzehrt zu werden. . Sie
konnten niemals Land besitzen, da dieses dem Stamm gehörte.
Das wichtigste soziale Band bildete die Verwandtschaft. Mitunter waren
in einem Hause die Familien mehrerer Brüder vereinigt oder auch von
Kindern und Kindeskindern, Eine solche Gruppe hieß whanau. Es war eine
Großfamilie, die sich mit der slavischen derevnia vergleichen läßt. Der
Zusammenhang unter ihr war stark. Die Anzahl der in ihr vereinigten Personen
 wechselte außerordentlich; die größte bekannt gewordene Zahl
von Köpfen einer solchen whanau beträgt 92. In einem solchen Fall nahm
zie wahrscheinlich einen ganzen Dorfabschnitt ein; gewöhnlich war sie
jedoch nur in ein oder zwei Hütten untergebracht. Sie bildete die soziale
und wirtschaftliche Einheit. Außer gemeinsamen Beschäftigungen im Wohnhaus
 unter der Leitung ihres Oberhauptes gingen die einzelnen verschiedenen
Tätigkeiten nach, Im Süßkartoffel- (kumara-) Feld der Gemeinde hatte sie
ein oder mehrere Parzellen, die von ihr gemeinsam bestellt wurden. Auch
die Aalreusen und Kanus besaß sie gemeinsam. Die Fischerei und Fangrechte
übten die einzelnen als Angehörige ihrer Großfamilie aus. Die wechselseitige
Hilfeleistung unter den mit ihrem ganzen Leben verbundenen Leuten -ermöglichte
 eine erfolgreiche Tätigkeit. Andererseits war die Großfamilie
unabhängig und auf sich selbst gestellt. Sie hing von ihrem Oberhaupt ab,
der sie nach Beratung mit den anderen leitete. Nur in Angelegenheiten, die
das Dorf oder den Stamm betrafen, war sie nicht mehr allein zuständig.
Wuchs die Großfamilie infolge ihrer natürlichen Vermehrung an und
stieg ihre Bedeutung, so wurde sie als hapu, als „Sippe“ angesehen und dementsprechend
 bezeichnet. Das ging jedoch in formeller Weise vor sich. Einige
einflußreiche Personen schlugen vor, daß etwa die Leute, die als Ngati-Kahu,
 die sich nach ihrem Vorfahren Kahu benannten, nunmehr als hapu
bezeichnet werden sollen. Dies setzt jedoch voraus, daß ihr Ahne als Persönlichkeit
 von Ruf angesehen wurde. Mitunter wurde auch eine Frau als Ahnin
einer solchen Sippe anerkannt.
Eine Sippe war keine exogame Gruppe. Im Gegenteil wurden die Ehen
mit Vorliebe innerhalb derselben geschlossen, sofern. die Partner nicht nahe
miteinander verwandt waren. Doch bestanden in der Beziehung keine festen
Vorschriften. Die Zugehörigkeit zur Sippe wurde sowohl nach väterlicher
wie nach mütterlicher Abstammung ermittelt. Gehörten die Eltern verschiedenen
 Sippen an, so wurden die Kinder beiden zugerechnet; gehörten
sie zu gleichen, so erwarben die Kinder eine doppelte Qualifikation für ihre
Mitgliedschaft in der Sippe. Eine Sippe umfaßte gewöhnlich mehrere Hundert
Mitglieder.
In der Regel lebten in einem Dorf nur die Mitglieder einer einzigen Sippe;
war es sehr groß, so mochten sich mehrere darin befinden. In einem solchen.
            
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