XVI
Vorwort
Die Auseinandersetzungen des Buches sind keinem vorgefaßten System
dienstbar, sie beabsichtigen nicht, aprioristische Lehrmeinungen zu „beweisen“,
sondern sie wollen aus der Synthese des Lebens und seiner farbenglänzenden
Wirklichkeit einen Beitrag zu dem Phänomen Mensch erringen.
Die Verfügung über eine große Menge. von Tatsachen ist gerade für die
soziologische Forschung wichtig, die sich heute allzu sehr in das Spekulative
verliert. Da das Experiment in allen Dingen der menschlich-gesellschaftlichen
Dimensionalität fehlt, ist die Betrachtung des menschlichen Zusammenlebens
unter ganz andersartigen Bedingungen als bei uns von weittragender
allgemeiner Bedeutung. Denn die Wiederholung, die Ähnlichkeit
der Situation und die daraus sich ergebenden Abläufe enthalten das soziologisch
Bedeutsame. Nur so können wir auch z. B. den an verschiedensten
Orten und unter den sonst ungleichsten Bedingungen auftretenden „Feudalismus‘,
die politischen Krisen, die Abfolge gewisser Verfassungsformen
a. dgl. aus den singulären historischen Ereignissen richtig herauslösen,
Allerdings spricht eines hier gegen das eingeschlagene Verfahren. Die
Menschen gehen mit Zagen und Hemmungen an die Erforschung der eigenen
gesellschaftlichen Vorgänge, da sie hier allzu stark durch Affekte gebunden
sind. Nur daraus ist auch die Flucht in phantastische Konstruktionen erklärbar,
die Wunsch- oder Furchtgebilde schaffen. Sie haben außerdem den
Vorzug, vielfach durch leidenschaftliche Einseitigkeit hinreißend zu wirken,
während die Berücksichtigung der ungeheuren Kompliziertheit des
Lebens weniger an die Affekte als an den Verstand appelliert.
Schließlich müssen noch ganz andere Bedenken erwähnt werden: sie beziehen
sich auf die Schreibung der Eigennamen. Sie variiert bald infolge
der Nationalität der einzelnen Berichterstatter, bald wegen undeutlichen
Hörens oder der Aussprache von Leuten verschiedener Gemeinden. Es konnte
nicht die Aufgabe dieses soziologischen Werkes sein, der „richtigen“ Schreibung
der Namen nachzugehen. Im allgemeinen ist die Schreibung von den
Quellen selbst übernommen worden, wenngleich dies auch hier und da zu
Mißständen führte. Die Gewährsmänner selbst befolgen darin oft kein sichtliches
System, Es tauchte die Frage auf, entweder eine streng phonetische
Schreibweise durchaus zu beobachten oder aber die Grundregeln der deutschen
Schreibung durchzuführen. Das eine wie das andere hätte zu den
allergrößten Komplikationen geführt, weil in der überwiegenden Zahl der
Berichte die „richtige“ Phonetik überhaupt nicht feststeht, und weil die
Wiedergabe der Namen nach der deutschen Schreibung einerseits umständlich,
andererseits wegen des Fehlens mancher in Eingeborenensprachen vorkommenden
Konsonanten und Vokale unmöglich gewesen wäre.
Fast noch schwieriger ist die rechte Wahl der Fachausdrücke. In den
Reiseberichten kegeln die Ausdrücke Familie, Stamm, Sippe ebenso durcheinander
wie Häuptling, Fürst, König, Patriarch u. dgl. Bald spricht man
von Stamm, wenn nur ein Gau gemeint ist, man unterscheidet nicht die vielfach
mit besonderen Namen ausgestatteten Weiler, aus denen eine Dorfsiedlung
zusammengesetzt ist, man spricht von Hackbau, wenn tatsächlich
Grabstockbau gemeint ist, von Wirtschaft, wenn es sich nur um die Form