Naßkultur und geschichtete Gesellschaft auf Palau
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Hauses hatten die niedrigen zuerst zu gehen, die höchsten zuletzt (aus Angst
vor meuchlerischen Überfällen). Auf Berührung einer Häuptlingsfrau stand
Todesstrafe, auch bei Beschimpfung (Krämer [26] 294f£).
Die einzelnen Häuser, Dorfschaften und Gaue erfreuten sich gewisser
Sonderrechte, die darauf hinaus laufen, daß von irgendwelchen historischen
Ereignissen her oder aus anderen Gründen besondere Verhaltungsweisen,
insbesondere bei Festen und dgl., der einen gegen die anderen traditionell
geworden waren. Im Gau Ngarärd z. B. fiel dem Dorf Ngabüked als Besonderheit
der Fang und Verkauf von Dugong (Seekuh) zu. Wegen einer historischen
Begebenheit durften die Leute eines Gehöftes einem anderen bei
Besuchen Boote wegnehmen (Krämer [19] 52). Die jungen Leute des Dorfes
Ulimang saßen bei einem Fest in Melekeiok erhöht, und eine Frau des I.
Hauses von Udes setzte sich zu ihnen; dabei erhielt der Häuptling des Hauses
V von Ulimang ein Geldstück. Melekeiok stellte auch Mädchen (mongol)
für die Dorfhalle (62). Die Leute des Dorfes Keklau hatten das Recht, in
dem Dorfe Ngardolökok Halsschmuck wegzunehmen, und bliesen daher,
wenn sie sich bei einem Besuche dem Dorfe näherten, die Tritonsmuschel.
Die Sitte wurde damit gerechtfertigt, daß Keklau-Leute yon dort herstammen.
Dieselbe Sitte galt bei a Ngeaur. Ebenso waren zwei weitere Orte von demselben
hier angeführten Stammort abgezweigt und unterhielten freundschaftlichen
Verkehr mit ihm. Ngardolökok übte auch Asylrecht aus, wenn
Angehörige seiner Tochterdörfer in Kämpfe verwickelt waren. Mit
diesen sogenannten Vorrechten gingen besondere Tätigkeiten der betreffenden
Dörfer Hand in Hand. So wurden in dem Dorfe Ngeöng von‘ Ngabüked
Töpfe hergestellt. In Galap war ebenfalls die Töpferei bekannt, während
als Vorrecht auch hier Fang und Verkauf des Dugong bestand. Die Besonderheit
von Keklau lag im Haifischfang, doch war auch Fang und Verkauf
des Dugong hier üblich. In Meleke&iok wurde Haifischfang, Fang und Verkauf
des Dugong betrieben und Armbänder hergestellt. Als Besonderheit war hier
die Stellung von Mädchen (mongol) für die Dorfhalle von Imeungs üblich,
zum Dank dafür, daß bei einer großen Hungersnot dieses Dorf den Leuten
von Melekgiok Lebensmittel gesandt hatten. Andererseits stellten die Dörfer
Ngebüreg und Ngiväl Mädchen für die Dorfhalle von Melek&iok und ersteres
schickte noch Geschenke an Brotfrucht. Die Leute von Melek&iok durften
Dugong-Armbänder tragen (92). Im Gau Ngaragümelbai verfertigte man die
besten Kanus von Palau, während als besondere Vorrechte das Flechten
von Matten und das Blasen der Tritonmuschel galt. Im Dorf Gorgor wurde
von den Häuptlingen ebenfalls das Dugong-Armband getragen, Bei den
großen Festen fielen den Häuptlingen gewisse Funktionen zu. Sie mußten
sich ferner von dem Häuptling von a Irai zum großen Taubenessen der
Jahreszeit einladen lassen. Sie besaßen das Recht, fremde Boote, die bei
der Insel Malägal passierten, zu durchsuchen und Taro und Fische ihnen
zu entnehmen. Bei den großen Tänzen durfte das Dorf Gore6or Tritonsmuscheln
blasen und neuerdings Kanonen abschießen (Krämer [19] 87, 205).
Aus diesen Angaben geht die enge soziale Verflochtenheit der einzelnen
Gaue und Dörfer hervor, aber auch gleichzeitig die Besonderheit jedes ein-