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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Die Bewässerungswirtschaft anwendenden Gebilde des vorkolumbischen Peru 181

Alles, was über die Norm der üblichen Bedürfnisse hinausging, z. B. der
Gebrauch einer Hängematte, das Tragen von Gold-, Silber- und Mosaikschmuck,
 von feinen Geweben als Kleidung usw., wurde als besondere Gunst
des Königs verliehen.
Die gesamte Bewirtschaftung der Felder war nicht nur überhaupt Pflicht,
sondern die Wahl des Zeitpunktes für die Aussaat, die Bewässerung und die
Ernte wurden genau vorgeschrieben. Zur Arbeit in den Feldern sowie zu
den handwerklichen Verrichtungen waren alle von den fünfjährigen Kindern
an bis zu den Greisen verpflichtet. Handwerker sollten so weit wie möglich
in jedem Dorf vertreten sein. Auch deren Arbeit war sowohl für Männer
wie für Frauen vorgeschrieben.
Die Erzeugnisse wurden in der Weise verteilt, daß jede Familiengruppe
nach ihrer Kopfzahl Saatgut erhielt. An die Zentralverwaltung mußten
Abgaben in natura entrichtet und gewisse Arbeiten geleistet werden, insbesondere
 für den Straßenbau. Alle Abgaben wurden nach Cuzco geschafft,
falls kein unmittelbarer Austausch erfolgte, wie im Falle von Nahrungsmitteln
 und Stoffen, die nach gewissen Speichern in den Provinzen kamen.
Ein großer Teil davon diente zum Unterhalt der Krieger. Jedem Oberhaupt
der Provinzen standen Soldaten zur Verfügung, um die Ordnung aufrecht
zu erhalten (Minn. [28] 14££).
Die Funktionen der oberen Beamten waren nicht erblich, sondern der
Inka besetzte sie mit Persönlichkeiten seiner Verwandtschaft. Doch folgte
oft der Sohn dem Vater nach. Auch entnahm er den Nachfolger für die
Regierung einer Provinz der betreffenden Gegend und nicht einer anderen.
Die unteren Posten der Hierarchie scheinen hauptsächlich auf dem Wahlwege
 besetzt worden zu sein. Das Oberhaupt von 100 Familien wurde von
den 10-Familienvorstehern gewählt, und wahrscheinlich das Oberhaupt von
1000 Familien von den 100 Familienhäuptern. Das Oberhaupt von 10 Familien
 wurde von den 10 Familienvätern gewählt, wie das heute noch in der
Nachbarschaft von Cuzco jährlich der Fall ist. Eine Schranke trennte die
Häupter der 100 Familien von ihren Übergeordneten; die letzteren gehörten
der Adelshierarchie an.
Es scheint hier somit ein ganz ähnliches System bestanden zu haben, wie
wir es z. B. in der polynesischen und mikronesischen Südsee finden, aber
auch unter Hirtenvölkern, das nämlich darin besteht, daß die Angehörigen
der obersten Sippe sich über das ganze Land, das sie beherrschen, verteilen
 und auf diese Weise ihren Einfluß ausüben. Doch fehlte es nicht an
Privatbesitz namentlich von Haus und Hof (Bd. [28] 99ff; Trim. [25a]
587ff). Das gewöhnlich sakral, d.h. durch die Geistesverfassung und Wertskala
 des Adels gebundene Oberhaupt ist zunächst nur diejenige Persönlichkeit,
 in die symbolisch die Beziehungsfäden unter der die Macht ausübenden
 Schicht zusammenlaufen. So wird auch gesagt, daß sich häufig
bei Lebzeiten die Adelsherren selbst nach ihrem Nachfolger umsahen und
diesen hierauf dem Inka präsentierten, der gewöhnlich ihre Wahl bestätigte.
Nach einigen sollen es die Brüder, nach anderen die Söhne gewesen sein,
die zur Nachfolge berufen wurden. Auch scheint es, daß die Kinder der
            
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