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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Die Gesellungsgestaltung der Pflanzenspezialisten
auf einer Seite durch schwere Konflikte und rückläufige Bewegungen auf
anderen Gebieten bedroht. 5
So bringt der technische Fortschritt etwa des Feldbaues Situationen des
sozialen Lebens mit sich, die zu starken Unterschieden in der Lebenshaltung
führen, zu Beschränkungen der persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit,
zu einer „Lebensunsicherheit“, wie sie namentlich auch die nicht wirtschaftlich
 ausgebeutete Sklaverei kennzeichnet, die wir von unseren ethischen
Standpunkten aus verurteilen. Allerdings wäre die F rage aufzuwerfen, die
in diesem Zusammenhang nicht erörtert werden kann, wie weit von einem
allgemein menschlichen Standpunkte aus, der in der Tat alle Kulturen der
Erde zur Grundlage nimmt, ein Maßstab zu finden wäre, der einen relativ
objektiven „Fortschritt“ ermessen ließe. ‘Derartige Erörterungen müssen
indeß einem anderen Orte vorbehalten bleiben.
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß offenbar nachwirkend aus der Zeit
des Wildbeuterlebens auch bei den Feldbauern die Ernte als Nutzungsertrag
 der ganzen Gemeinde betrachtet wird. Dasselbe gilt vielfach
auch für den Jagd- und Fangertrag von Vogelstellern oder Fischern, wie bei
den Maori. Die größeren Gemeinden, die sich gleichsam wie neue Zellen
den anderen anfügen und von gemeinsamen Oberhäuptern geleitet werden,
verfahren nach dem gleichen Prinzip. Auf diese Weise scheinen die Gemeinwesen
 mit streng durchgeführter Abgaben- und Verteilungswirtschaft entstanden
 zu sein, als deren klassisches Beispiel der alte Inkastaat von Peru
gelten kann.
Man hat es dabei also nicht mit besonderen Erfindungen zu tun, sondern
vielmehr mit dem konservativen Befolgen eines uralten Prinzips, beziehungsweise
 mit dessen Anwendung auf Agglomerationen von Gemeinden.
Doch darf man dabei nie vergessen, daß diesem „kommunistischen“ Prinzip
der Nahrungsversorgung einerseits eine starke Betonung des sonstigen Eigentums
 und insbesondere der persönlichen Selbständigkeit gegenüber zu stehen
pflegt, wie das für die Maori gilt.
Der Feldbau verbindet sich fast stets auch mit der Pflege von Tieren.
Während wir bei den Wildbeutern nie ein anderes Halten als von Lieblingstieren.
 finden, besitzen die Feldbauern regelmäßig Haustiere, jedoch stets
nur kleinere Tiere, wie Ziege, Schaf, Lama, Schwein, Hund, Hühner
und Truthühner. Wie weit sich diese Tiere zu den heute vorfindlichen Feldbauervölkern
 erst in den letzten Jahrhunderten verbreitet haben, bedarf
insbesondere für die Südsee und Afrika noch sorgfältiger Einzeluntersuchungen.
 Das präcolumbische Amerika kennt bekanntlich außer dem Hund als
Haustier nur das Lama in Peru und den Truthahn. Ziege oder Schaf, manchmal
 auch beide, sind die wichtigsten Haustiere der Feldbauern in Afrika,
das Schwein im südöstlichen Asien und der Südsee, All dies Kleinvieh
wird indessen gewöhnlich nicht herdenweise gehalten, sondern zu wenigen
Stücken.
Das Halten von Großtieren, insbesondere des Rindes, ist wohl von den
eigentlichen Hirtenvölkern ausgegangen und auf dem Wege der Infiltration
zu den Feldbauern gelangt, wie das etwa für China gilt. Allerdings dürfte

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