Page Banner

Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Die Gesellungsgestaltung der Pflanzenspezialisten

193

die Verwendung von Großtieren, insbesondere der Rinder durch Feldbauern,
insoferne eine Abänderung erlitten haben, als hier, wie schon erwähnt, die
Umstellung zum Ziehen des Pfluges erfolgte. Damit aber wird eine besondere
Phase im akkumulativ technischen Prozeß symbolisiert, die auch von außerordentlichen,
 sie begleitenden sozialen und politischen Veränderungen gekennzeichnet
 wird, die den Übergang zu einem Kulturhorizont bildet, den
die archaischen Beamtenstaaten repräsentieren, die auf der Verbindung von
Ackerbau, Viehzucht und Handwerk beruhen.
Die geographischen Faktoren machen sich bei Feldbauern in einer anderen
Art geltend als bei Wildbeutern, Letztere lassen die Gegend und den Lebensraum
 auf sich einwirken, sie entziehen sich den Gefahren dadurch, daß sie
ihnen ausweichen, daß sie dem Wild, das zu gewissen Zeiten hier oder dort
auftaucht, nachziehen oder dorthin wandern, wo sie Früchte ernten können.
Anders die Feldbauern. Obgleich wir uns von ihrer Seßhaftigkeit namentlich
dort, wo der Grabstockbau betrieben wird, keine übertriebenen Vorstellungen
machen dürfen, sind sie doch viel mehr ortsgebunden als die Wildbeuter.
Aber nicht nur das, sondern sie treten aktiv bei der Wahl des Landes auf.
Ihre Methoden der Nahrungsbeschaffung sind verhältnismäßig mehr erstarrt,
 sie sind spezialisiert und suchen ihrer Spezialisierung gemäß das
dazu gehörige Land aus, ähnlich wie wir das auch bei den Hirten kennen
lernen werden. Solche spezialisierten Methoden haben überall eine große
Beharrungskraft und sind außerordentlich schwer abzuändern. Übergänge
und Änderungen vollziehen sich gewöhnlich nur auf dem Wege von rasslichen
 Mischungen. Erst durch die Veränderung der Familientradition kann
nämlich die kulturelle Beharrungskraft der überlieferten Erziehung in der
nächsten Generation gebrochen werden.
Was die Gesellschaften der Feldbauern von denen der Wildbeuter unterscheidet,
 ist ihre größere Vermehrung, ihre menschenreicheren und darum
zusammengesetzteren Einheiten und die ‚weiter ausgreifende Gesellung
unter diesen Einheiten selbst. Das Anzeichen für die Vergesellung der Einheiten
 bilden, wie wir sahen, Siedlungserscheinungen.
Die Bedeutung der Siedlungsvorgänge macht sich hauptsächlich in
zweierlei Richtung geltend: 1. durch die Würfelung verschiedener Volksoder
 Stammesbestandteile, die in verhältnismäßig naher Nachbarschaft sich
niedergelassen haben, wie das in den verschiedensten Gegenden beobachtet
werden kann: an der Küste von Neu-Guinea, in Südamerika, in den ver*
schiedensten Teilen des westlichen und östlichen Afrika usw.‘ Die auf den
Karten konstruierten scheinbar einheitlichen Gebiete sind irreführend. Tatsächlich
 liegen die Dinge dort überall so, wie heute noch in verschiedenen
Gegenden des südöstlichen Europa oder des Balkans, wo man in naher
Nachbarschaft Dörfer . verschiedener Nationalität antreffen kann. Diese
Würfelungserscheinungen führen aber früher oder später zu einer anthropologischen
 und kulturellen Vermischung.
Der zweite Siedlungsfaktor besteht darin, daß die Angehörigen einer und
derselben Siedlung verschiedenen Sippen angehören, wie wir dies bei
den Marind-anim kennen gelernt haben, oder wie das auch auf Palau der
13 Thurnwald I.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.