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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

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Die Gesellungsgestaltung der Pflanzenspezialisten

schiede, bei denen nicht allein die Art der Verteilung der Arbeit zwischen
den Geschlechtern eine Rolle spielt, sondern auch das Verhältnis der einzelnen
 politischen Einheit zu ihren Nachbarn, also die „außenpolitischen“
Situation, von entscheidender Bedeutung ist.
Darin tritt häufig ein Wandel dadurch ein, daß nahe miteinander verwandte
Familien oder. Familiengruppen, die nur einer oder wenigen Sippen angehören,
 sich über ein weiteres Gebiet ausdehnen, in dem sie jeweils Gefolgsleute
 besitzen. Zweifellos liegt in der Heranziehung solcher Gefolgsleute
der Kern zur späteren Staatsbildung. Wenn wir das Material, das uns
auf völkerkundlichem Gebiet zur Verfügung steht, untersuchen, so finden
wir, daß die frühere Auffassung, als würde der Staatsbildung immer „Unterwerfung‘“
 zugrunde liegen, sich keineswegs aufrecht erhalten lassen kann.
Es sind Vorgänge ganz anderer und viel komplizierterer Natur, bei denen
eine gewisse technische und geistige Überlegenheit, aber auch wirtschaftliche
 Ausnutzung eine viel wichtigere Rolle spielte, als die Anwendung von
brutaler Gewalt, so wie man sich dies früher dachte. Man darf sich überhaupt
die Staatsbildung nicht als einen so einfachen und einlinigen Vorgang vorstellen..
 Offenbar gab es verschiedene Wege, von denen der eine über den
Feldbau, der andere über das Hirtentum führte, und hier die zellenartigen
Anhäufungen von miteinander durch Verwandtschaft verbundenen Einheiten
bedingte, bei den Hirten dagegen vielfach zu großzügigen, aber mehr flüchtigen
netzartigen Einordnungen von auf weitere Räume verteilten Gebieten
führte.
Schon. hier muß betont werden, daß erst aus dem Zusammentreffen von
Hirten und Feldbauern durch Zerschlagen der Sippenverbände ein Familienindividualismus
 entstand, der zu einer rationalisierten Macht führte, die
sich auf ein abhängiges Beamtentum stützte. Den Weg dazu bildeten zweifelios
 Kämpfe und Raubunternehmungen, hauptsächlich der Großviehhirten.
Auf diesem Umwege also hat wohl die Anwendung von Gewalt auch ihre
Rolle bei Staatsbildung gespielt.
Innerhalb des Feldbauertums treffen wir wiederum auf verschiedene
Formen und Wege, bei denen die oben gekennzeichneten Ausgangspunkte
der Würfelung heterogener Völker und der Sippenagglomeration
innerhalb der gleichen somatisch kulturellen Gruppe zunächst entscheidend
sind.
Im folgenden Prozeß aber macht sich wieder je nach den besonderen Konstellationen
 sowohl unter den Schichtungen, zu denen Würfelungen
Anlaß geben, wie unter den Staffelungen, die namentlich durch die
Monopolisierung von Besitz, Tauschwerten oder Fertigkeiten, durch die
eine Sippe unter mehreren zusammenlebenden entsteht, eine starke
Tendenz zu einer „Rehomogenisierung“, zum Wiederausgleich, geltend,
wie z. B. unter den Maori. Das Bestehen von geheimen Gesellschaften,
wie z. B. auf einem Teil der Banks-Inseln und der Neuen Hebriden, weist
darauf hin, daß eine besondere Schicht von Trägern besonderer Überlieferungen
 sich von den anderen abs chloß, um dem kulturellen Ausgleich
Widerstand zu leisten. Die geheimen Gesellschaften mit ihrem kirchenähn-
            
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