Ungeschichtete Rentierhirten
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sind die Tamgak, die von den Tuareg als „Immedideran“ bezeichnet
werden. Die Tuareg lassen sie als von „vornehmer Abkunft“ gelten, sie sind
nicht negroid, reden aber eine Sprache, welche die Tuareg nicht verstehen.
Sie sollen in einem sehr primitiven Zustand leben und weder Häuser oder
Hütten, noch Zelte, sondern nur niedrige Windschirme aus Stein oder Holz
oder ausgespannten Häuten oder Gras errichten und mögen vielleicht mit
den „Leukaethiopiern‘“ des Altertums zusammenzubringen. sein. Eine
Variante bildet das sogenannte „Ziegenvolk‘“, das der Kel Ulli, das heute,
sowie ihre Nachbarn die Tuareg, allerdings auch schon Kamele besitzt (Rodd
"26] 52, 307).
b) Arabische Kleinviehhirten.
Ungeschichtete Sippen, die nur von Schaf- und Ziegenzucht leben, finden
wir auch am Rande der arabischen Wüste. Während die echten „Araber“
mit ihren Kamelen weit in die Steppen und Wüsten hineinziehen, können
sich die „Schwarzen“, die ihren Namen nach dem dunkelhaarigen Vieh
ihrer Herden führen, aus deren Häuten auch ihre dunklen Zelte hergestellt
werden, nicht in die Wüste hineinwagen, Nur wo reichlich Wasser
vorhanden ist und entsprechender Pflanzenwuchs, dürfen sie lagern. Sie
gelten als verwandt mit dem seßhaften Volk der Städte. Sie unternehmen
nicht große Raubzüge wie die Beduinen, sie müssen den letzteren vielmehr
eine Steuer bezahlen für den Schutz, den diese ihnen angedeihen lassen.
Die Kleinviehhirten gehen manchmal zum Feldbau über, legen Häuser und
Weiler an und überlassen ihre Ziegen und Schafe den Sippen der Beduinen.
Letztere können dann auch nicht mehr in die offene Wüste gehen, sondern
müssen sich zwischen den Städten und den kleineren Siedlungen des Randgebietes
aufhalten, und werden auf diese Weise selbst „Schwarze“. Gibt
es keine starke Regierung, die die bevölkerten Gegenden zu schützen vermag,
so daß die Sicherheit von Leben und Eigentum leidet, so werden die Dauerwohnungen
wieder mit dem Feld vertauscht und die Feldbauern gehen
wiederum zum Halten von Kleinviehherden über. Niemals aber können
sie echte Beduinen werden, weil diese sie nicht als gleich anerkennen würden,
Der Ausdruck „Beduine“ hat somit eine engere, aristokratische Bedeutung,
Auf Grund ihres Wohnens werden diejenigen als „Araber“ bezeichnet, die
in Zelten leben, doch sind nicht alle „Araber‘“ „Beduinen“, sondern nur
diejenigen, die als Kamelzüchter den größeren Teil des Jahres im Innern
der Wüste verbringen. Viele der Kleinviehhirten leben auch in Städten oder
Dörfern, die sie während der Regenzeit aber verlassen, um in Zelte zu übersiedeln.
Im Herbst legen sie Felder an und verlassen dann. mit ihren Ziegen
und Schafen die Dörfer. Ende April und im Mai kehren sie, wenn die Ernte
bevorsteht. heim (Musil [28] 444£).
z) Ungeschichtete Rentierhirten, Uriankhaides Jenissei-Beckens,
Sibirien.
Hier sind die Männer Jäger und Sammler, die Frauen Viehzüchterinnen;
somit das umgekehrte Verhältnis der Geschlechter wie sonst beim Hirtentum.
14 Thurnwald I.