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Ungeschichtete Kleinviehhirten
sippen bilden. In ähnlicher Weise konnte auch aus einer Sippe ein Stamm
entstehen, während andere Stämme oder Sippen durch Kämpfe zugrunde
gingen.
In früheren Zeiten war das Lager der Nama von einer großen kreisrunden
Dornhecke umgeben, die von einem Eingang im Norden und einem im Süden
durchbrochen wurde. Im Innern der Hecke befanden sich, ähnlich wie das
auch aus Rhodesien bekannt ist, die Hütten des Stammes. Gelegentlich
lagerte ein ganzer Stamm auf solche Weise. Jedenfalls waren am Lager des
5tammeshäuptlings Vertreter aller Sippen anwesend, wenn die Sippen selbst
zich auch wo anders befanden. (Diese Maßregel erinnert an die Organisationsform
des Königshofes bei den Hirtenstämmen von Uganda.) In der Mitte
des weiten Kreises hielt sich das Vieh zur Nacht auf. Besondere Hürden,
Kraals, wurden für die Kälber und Lämmer angelegt, niemals aber für das
Rindvieh oder die Schafe, weder früher noch heute. Diese Tiere befinden
sich in der Nacht immer vor der Hütte ihres Besitzers.
Ihre ganze Geschichte hindurch bildete bei den Nama die Sippe die
stärkste soziale Einheit. Jede Sippe konnte, wenn sie wollte, sich von den
anderen. trennen, aber die Familie mußte auf jeden Fall zur Sippe halten.
Unter diesen Umständen war der Stammeshäuptling nichts anderes als der
erste unter gleichen. Die Leitung der Angelegenheiten des Stammes lag
darum tatsächlich in den Händen der Sippenalten. Heirat unter den
Sippenmitgliedern war streng verboten. Die Sippe beschützte ihre Angehörigen
auf jeden Fall, und aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts sind
zahlreiche Beispiele von Blutrache bekannt, die auch unter Angehörigen von
Sippen des gleichen Stammes geführt wurden.
Die Hottentotten hatten früher Vielweiberei, jedoch nicht in gleicher
Weise wie die Bantu-Feldbauern. Heute sind sie äußerlich monogam, ohne
daß sich jedoch die Grundlagen ihrer Sexualsitten geändert haben. Es kommt
z. B. vor, daß eine Zahl junger Mädchen und Burschen die gleiche Hütte
teilen. Die Jungverheirateten bleiben bei der Familie, bis ein neuer Hausstand
gegründet ist. Die Hausstände werden in einer bestimmten Weise
im Lager gruppiert. Zunächst befinden sich die Brüder einer Familie beieinander;
der Vater hat seine verheirateten Söhne zur Rechten, und zwar
den ältesten an der äußersten Peripherie, den jüngsten zunächst der Hütte,
während zur Linken sich die verheirateten Töchter befinden, die sich noch
nicht zu den Gesippen ihres Gatten begeben haben, oder eine verwitwete
Schwester oder Tochter, die wieder heimgekehrt ist. Entferntere Verwandte
befinden sich ebenfalls zur Linken, insbesondere Knechte, die man nicht
sigentlich Sklaven nennen kann, aus dem Volk der Bergdama. Diese Knechte
können heiraten, wie sie wollen, werden auch weder gekauft noch verkauft,
sie bleiben im Gefolge derselben Familie. Man kann sie am besten als
„Familienknechte‘“ bezeichnen. Sie wurden oft als kleine Kinder
von den Hottentotten, namentlich nach den zahlreichen Kriegen, aufgenommen,
bei denen die Familien der Bergdama zerstreut und die Kinder
hilflos im Veld verlassen sich fanden. Sie wurden als Hirtenknaben verwendet
und rechneten sich selbst zur Familie. Heute findet eine starke Ver-