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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Würfelungs- und Berührungseinflüsse unter den sibirischen Goldi 227

auch freundlich behandelt wird. Die Heirat kann sofort rückgängig gemacht
werden, wenn die Mutter mit dem Verhalten ihres Schwiegersohnes nicht
zufrieden ist. Unter den Mandschus findet keine formelle Entführung statt,
doch wird der Braut, bevor sie das Haus betritt, der Schleier entrissen. Ähnliche
 Zeremonien bestehen bei den nördlichen Tungusen von Transbaikalien.
Faßt man die Sitten und Bräuche zusammen, so findet man, daß die
Goldi in einigen mit den Mandschus, in anderen mit den nördlichen Tungusen
übereinstimmen. Primitivere Formen scheinen sich bei den Goldi besser
erhalten. zu haben als bei den Mandschus. Die Sitte der Entführung findet
ihre Analogie besonders unter den Giliaken, Die Art, wie der Brautpreis
bestimmt wird, die Ausstattung, das Zusammenbringen der Paare, Tabus
und Verbote, Geburtsriten usw. zeigen keine erheblichen Unterschiede unter
den hier in Rede stehenden Völkern.
Weit verbreitet unter den Goldi ist auch die Blutrache, die indessen unter
den nördlichen Tungusen nicht vorzukommen scheint, während sie bei den
Mandschus nur schwach verbreitet ist, vielleicht als Folge autoritärer Einflüsse.

Verschiedene Tätigkeiten werden bei den Goldi genossenschaftlich vorgenommen.
 und beruhen auf Gegenseitigkeit. Dazu gehört vor allem der
Hausbau und alles, was mit der Beschaffung und Aufspeicherung der Nahrung
 zusammenhängt. Vor allem ist dafür auch entscheidend, daß gewisse
Tätigkeiten innerhalb kurzer Zeit durchzuführen sind. Dazu gehört die
Errichtung von Häusern des chinesischen. Typs, die wegen der klimatischen
Verhältnisse rasch fertig gestellt werden müssen. Ähnliches gilt für den
Forellenfang, dessen Technik eine große Zahl von Fischern erfordert, die
innerhalb von wenigen Tagen die vorbeikommenden Fischzüge abzufangen
haben. Die Aufspeicherung der Nahrungsmittel ist gleichfalls durch die
Schwankungen der Jahreszeit bedingt.
In ihren schamanistischen und religiösen Auffassungen unterscheiden sich
die Goldi nicht wesentlich von den anderen beiden hier zum Vergleiche herangezogenen.
 Stämmen, obgleich auch hier gewisse Unterschiede zu verzeichnen
 sind. Die zeremonielle Jagd auf den Bären und sein Verspeisen ist unter
den Goldi stärker ausgebildet als unter anderen tungusischen. Gruppen und
vielleicht am geringsten unter den Mandschus, wo er indessen auch eine
nicht unbedeutende Rolle spielt. Am meisten ist der Bärenkult unter den
Giliaken, Ainu und Oldscha ausgebildet. Daneben wird noch dem Tiger
besondere Aufmerksamkeit zugewendet, der indessen besonders bei den
Mandschus eine große Rolle spielt. Ein ausgebildetes System von Geisterglauben.
 haben die Manschus von den. Chinesen übernommen; von diesen
ist auch einiges zu den Goldi gedrungen, weniger zu den nördlichen Tungusen
der Mandschurei. In Bezug auf den Schamanismus und den mit diesem verbundenen
 Geisterglauben finden sich Analogien mit den Tungusen und
Mandschus. Die Funktionen des Schamanen und seine Berufung durch
Geister gleicht in den Hauptzügen den Sitten der Tungusen. Die Mandschus
halten eine Art von Wettbewerb und Prüfung der Kandidaten ab, die sich
bei den Goldi nicht findet und auch unter den nördlichen Tungusen unbe-15*

            
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