Page Banner

Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Nilotische Hirten-Bauer-Mischlinge des nordöstlichen Afrika 235

schädigt. Wurden mehr Kälber als nur eines geboren, so pflegt man das
zweite dem Hüter zu überlassen. Diese Sitte leitet sich wahrscheinlich daher
ab, daß man das Vieh, oder wenigstens einen Teil davon, auf diese Weise
gegen Überfälle versichern wollte. Sie mag aber auch zur Vermeidung von
zu starker Inzucht und auch zwecks Wechsel des Weidefutters vorgenommen
worden sein. Die Hürde wird sorgfältig auf entsprechendem Boden angelegt,
wo das Wasser in der Regenzeit verlaufen kann und nicht nach dem Dorf
zu rinnt. Sie umschließt häufig einen kleinen Hügel mit Bäumen, die Schatten
gewähren und an denen sich das Vieh reiben kann. Die kleinen Kälber werden
nicht im Kral gehalten, sondern in den Wohnhäusern. Die Dorfherde läßt
man des Morgens ungefähr um 8 Uhr auf die Weide unter der Bewachung
kleiner Jungen aus dem Dorf, die ihr Geschäft ausgezeichnet verstehen.
Manchmal beteiligen sich daran auch ältere Männer, namentlich wenn die
Herde sehr groß ist und Löwengefahr besteht. Des Mittags kehren sie zum
Melken der Kühe zurück und verbringen den Nachmittag unter schattigen
Bäumen. Zwischen %6 und 6 Uhr werden sie zurück in den Kral getrieben.

Das Rindvieh wird niemals zum Ziehen verwendet; im Feldbau gebraucht
man nicht den Pflug, sondern die Hacke. Die Kühe dienen nur für die Milchabgabe
 und werden vom Besitzer oder seinen Kindern gemolken. Wenn er
keine Kinder hat, so besorgt das, Melken der Hirte, aber auf keinen Fall
eine Frau. Diese strenge Abschließung von den Frauen dürfte vor allem damit
zu erklären sein, daß die weibliche Bevölkerung als von der Feldbaubevölkerung
 herstammend betrachtet wird und daher der Hirtentradition
fremd gegenübersteht.
Die Milch wird oft nicht frisch getrunken, sondern man läßt sie häufig
noch mit Hilfe einer Wurzel und von Beimischung des Kuhurin dick werden.
Kuhurin wird auch zum Reinigen der verschiedenen Gefäße verwendet.
Die Buttermilch wird getrunken und Butter sowohl als Nahrung wie auch
zum Salben verwendet. Hauptsächlich gibt man sie dem Schwager ab, von
dem die Kühe als Heiratssteuer der Frau gegeben wurden. Der Besitz an
Rindvieh ist das Symbol sozialer und wirtschaftlicher Auszeichnung, namentlich
 wegen seiner Verwendung für den Frauenkauf.
Obgleich man Ziegen und Schafe hält, werden die ersteren doch vorgezogen,
 wie man sagt wegen ihrer besseren Vermehrung, aber auch weil die
Sitte den Frauen verbietet Schafe zu essen. Weder die Schafe noch die Ziegen
werden gemolken, ihre Milch bleibt ausschließlich den Lämmern und Zicken
vorbehalten. Sie werden von kleinen Jungen des Dorfes in einer einzigen
Herde auf die Weide getrieben, kehren nachts jedoch zu den Häusern der
einzelnen Besitzer zurück, um von diesen in ihre Kleinviehhürde gesperrt
zu werden. Man treibt sie nicht weit weg vom Dorf, sondern läßt sie in der
nächsten Nachbarschaft grasen. Wenn Regen hereinbricht, treibt man sie
sofort heim, weil sie sonst leicht zugrunde gehen. Auch unter dem Kleinvieh
gibt es verschiedene Arten. Hühner eines degenerierten Mittelmeertypus
sind sehr klein und dürften verhältnismäßig spät eingeführt worden sein.
Außerdem hält man noch Hunde, von denen einige für die Jagd dressiert sind.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.