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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Nilotische Hirten-Bauer-Mischlinge des nordöstlichen Afrika 237
befindlichen Mädchen, die zur Vermehrung der wichtigsten Wertträger, des
Rindviehes, beitragen.
Die Vereinbarungen über die Höhe des Kaufpreises werden unter den
beteiligten Familien geheim geführt.‘ Die Zustimmung des Mädchens ist
insofern. wesentlich, als sie nicht zu einer unerwünschten Heirat gezwungen
werden kann. In der Regel gehen ihr jedoch verhältnismäßig intime Beziehungen
 voraus. Doch finden auch Verlobungen unter den Kindern oder
selbst noch zu erwartenden Kindern statt. Daraufhin wird oft eine Färse
oder ein Stier oder eine Kuh verborgt, die später in den Kaufbetrag eingerechnet
 werden soll. Die Verbote, innerhalb der Verwandtschaft zu heiraten,
werden streng eingehalten, Der für das Mädchen erzielte Kaufpreis wird
unter die Verwandtschaft verteilt, und zwar in folgender Weise: zwei Färsen
und ein Bulle an den Bruder der Braut von der gleichen Mutter, oder in
Ermangelung eines solchen an einen Stiefbruder oder den Vater; eine Färse
an den Mutterbruder, eine Kuh an die entfernteren männlichen Verwandten,
Die Kuh gehört dem ältesten, deren Kälber, die geboren werden, kommen
an die jüngeren zur Verteilung. Später, wenn ein Kind in der jungen Ehe
geboren wird, muß der Gatte der Mutter noch eine weitere Färse an seine
Schwiegermutter mit einer Ration Milch liefern, und einen Bullen zum
Schlachten an die Großmutter seiner Frau mütterlicherseits, sowie eine Färse
{in letzterer Zeit ist auch ein Bulle gestattet) an die Tante seiner Frau väterlicherseits,
 die dieses Tier für ihren Sohn oder zu erwartenden Sohn aufhebt.
Die Prinzipien der Verteilung bleiben immer die gleichen, unabhängig von
der Höhe der Gesamtsumme. Im westlichen Gebiet der Lango, wo das Rindvieh
 ausgestorben ist, wird der Kaufbetrag in Ziegen geleistet, deren Zahl
zwischen 45 und 80 schwankt; auch hier findet eine ähnliche Verteilung
statt. Manchmal bilden noch Speere, Hacken und sogar Hühner einen Teil
der Heiratsausstattung.
Eine Zahl von Familien, vielleicht von zugewanderten, beschäftigt sich
in traditioneller Weise mit gewissen Handwerken. Dazu gehören die Schmiede
und Trommelbauer. Bei den Schmieden handelt es sich um Lohnarbeiter,
denen man die Eisenbarren in Form von Schaufelblättern zu bringen hat.
Denn der Lango-Schmied kann nicht das Eisen aus dem Erz herausschmelzen;
er ist nur imstande, eine gewisse Verfeinerung vorzunehmen. Eine besondere
Art von Schmieden beschäftigt sich mit der Herstellung von Ringen aus
Eisen oder Messing, wofür die importierten Bronzedrähte verwendet werden.
Dies weist darauf hin, daß bei der starken Spezialisierung dieser Handwerker
 die sogenannten primitiven Geldformen in Gestalt von Spaten,
Speerspitzen, Messern in roher Form, ursprünglich eine Barrenform darstellen,
 die erst einer verfeinerten Behandlung harren. Eben wegen des
Barren-Charakters waren sie zum Handel besonders geeignet. Es wurden
somit „„Halbfabrikate‘“ getauscht, die schließlich ein jeder noch nach seinem
Belieben durch seinen Handwerker in die von ihm gewünschte Form umschmieden
 lassen konnte. Für die Gewinner des Metalls aus den Erzen war
es bequemer, nur eine traditionelle Form herzustellen und in den Handel zu
bringen.
            
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