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Hirten-Feldbauer-Mischkulturen von Afrika
aber noch ein Dorfschulze, der die verschiedenen Sippenhäupter als
Ratsversammlung um sich vereinigt. Die Dörfer sind von sehr verschiedener
Größe. Neben Weilern von 4 bis 5 Hütten gibt es Ortschaften, die bis zu
100 und mehreren hundert Hütten zählen. Rechnet man auf eine Hütte
drei Personen, so kann man die größten Dörfer im südlichen Kpelle-Land
auf etwa 300 Einwohner veranschlagen. Deutlich kann man wahrnehmen,
wie nach Norden zu die Dörfer größer und stattlicher werden und das Leben
darin einen gefestigteren Charakter zeigt. Dörfer von 1000 bis 3000 Einwohner
sind im Norden des Landes keine Seltenheit. Die Dörfer kann man ihrer
Entstehung nach in drei Typen einteilen. Jedes „Königreich“ hat einen
Hauptort, in dem sich die Residenz des Oberhäuptlings befindet. Diese
wird gewöhnlich mit Recht als die älteste Ortschaft einer solchen Großhäuptlingschaft
angesehen, als der Platz, an dem der Stamm oder die Sippe
auf der Einwanderung in das Land seine erste Niederlassung gründete.
Dieser Mutterort ist in der Regel auch der an Bewohnerzahl größte, obgleich
nicht immer, Es gibt auch Fälle, in denen ein „Königreich‘“ zwei gleichberechtigte
Mutterorte hat. Die Gleichberechtigung kommt dann darin zum
Ausdruck, daß der Oberhäuptling seine Residenz abwechselnd an einem der
beiden Orte nimmt. Von dem Mutterort aus haben sich neue Dörfer gebildet,
am häufigsten in der Weise, daß auf den entfernten Feldern, wie das schon
oben geschildert wurde, kleine Niederlassungen entstanden, in denen man
während der Feldarbeit wohnte. Waren sie günstig gelegen, so wurde daraus
eine Dauersiedlung, die Familie vergrößerte sich, andere schlossen sich ihr
an, und es entstand ein Dorf, das in den meisten Fällen den Namen des Gründers
trägt. Deren Bewohner sind sich bewußt, eine Abzweigung des Mutterortes
zu bilden, dem sie auch politisch unterstehen, Die dritte Gattung
bilden kleine Fernweiler, die noch nicht den Rang eines Dorfes erreicht
haben.
Die Dörfer sind häufig an erhöhten Plätzen besonders in unmittelbarer
Nähe eines Wasserlaufes angelegt, die Häuser unregelmäßig eng aneinander
gebaut, so daß man oft Mühe hat, sich zwischen ihnen zu bewegen. In der
Mitte des Dorfes ist ein kleiner Platz freigelassen, an dessen einer Seite sich
gewöhnlich das Versammlungshaus befindet. Zu dieser engen Bauart nötigte
die früher . allgemein. übliche Befestigung der Ortschaften durch Graben,
Wall und Pallisaden. Heute sind die Befestigungsanlagen größtenteils, wo
sie vorhanden. waren, in Verfall begriffen. Früher führte um die Stadt oft
eine vier- bis fünffache Pallisadenreihe, die aus engstehenden Pfählen mit
oder ohne Lehmbewurf oder aus Pfählen mit verbindendem Flechtwerk
mit Lehmbewurf bestand. Hinter jeder Pallisadenreihe war auf der Innenseite
ein Graben mit Wall aufgeworfen. Sie wurden. von mächtigen, in Zapfen
beweglichen Holztoren durchbrochen. Innen hatte man in Abständen Leitern
aufgestellt, auf denen Wachtposten ihren Platz hatten und von denen aus
sie mit Steinschleudern, Pfeilen oder Flinten den Feind beschießen konnten.
Die meisten Dörfer sind sauber gehalten, und zwar hauptsächlich wegen
der Befürchtung, daß mit Abfällen böser Restezauber getrieben werden
könnte. Das öffentliche Leben des Dorfes spielt sich in den Versammlungs-