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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

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. Geschichtete Hirten-Feldbauer-Gemeinwesen

die Lebendigkeit und Tradition des Staffelungsgedankens, der aus dem Erwerb
von Gefolgschaft ungefähr in der Weise herrührt, wie wir ihn bei den Hottentotten
 entstehen sahen. Für die Beobachtung des erwähnten Ablaufes ist
außerdem entscheidend, in welchem Stadium des Prozesses wir in der Lage
sind, unseren Querschnitt zu legen, der historisch weit genug zurück verfolgt
 werden kann, um die Veränderungsreihen festzustellen.
In dieser Beziehung sind die Forschungen von Rosc. [23/a/b] bei den
Bakitara und Banyankole von Uganda, Ostafrika, besonders aufschlußreich.'
Wir sehen hier zunächst, selbst bis heute noch, Feldbauer neben Hirtenvölkern
 ziemlich getrennt und unvermischt nebeneinander leben. Erst
allmählich verstärken und komplizieren sich die Beziehungen zwischen
beiden Völkern, die von ganz verschiedener Herkunft und Lebenstradition
sind, außerdem auch andere Landesteile bewohnen, da für die Bebauung
des Bodens und das Weiden der Herden ein verschiedener Charakter der
Gegend wünschenswert ist. Während ursprünglich die einen den anderen
auf dem Wege der Gleichheit einander begegneten, hat sich im Laufe der
Zeit, anscheinend als Ergebnis von Mischungen und im Anschluß an die
innere Staffelung unter den Hirten, ein Schichtungssystem herausgebildet,
das eine weitgehende Organisation des wirtschaftlichen. Lebens ergreift.
1. Wenden wir uns zunächst den Hirten zu. Sie sind auf Rinderzucht
spezialisiert und leben überwiegend von der Milch der Kühe und von Butter.
Die Steppenlandschaften dienen ihnen und ihren Herden als Wohngebiet,
den Feldbauern der niedrige Busch, und den Jägern der Urwald. Auch in
rassenanthropologischer Beziehung zeigen sich, wie z. B. Czekanowski von
Ruanda berichtet, in die Augen springende Unterschiede zwischen. den nilotohamitischen
 Hirtenstämmen der Batutsi und ihren ihnen untertänigen Feldbauern,
 so daß die lokalen Unterschiede unter den einzelnen Provinzen dem
gegenüber verschwinden. Auch dort sind diese privilegierten Minoritäten,
die sich durch ihre körperliche Konstitution und ethnische Tradition von den
anderen abheben, vor verhältnismäßig nicht allzu langer Zeit, vor einigen
Jahrhunderten, in das Land eingewandert. In loser Abhängigkeit von ihnen
stehen. auch die Jägerstämme der Batwa, wie dies z. B. durch die Untersuchungen
 an den Kivu-Pygmäen beleuchtet wurde (s. Schum. [01]).
Die Staffelung der Hirtenbevölkerung unterscheidet sich von der der
oben erwähnten berberischen Tuareg hauptsächlich dadurch, daß sich hier
aus der Aristokratie ein allerdings sakrales Fürstentum herausgebildet
hat. Unter den Berberstämmen fehlt dieses. Es ist, wie wir noch sehen werden,
dagegen im Sudan unter anderen hamitischen Rinderhirten ebenfalls entstanden.
 Dagegen trägt es dort einen anderen Charakter, wo sich die gestaffelte
 Berberaristokratie über die negroiden Feldbauer schichtete. Während
 außerdem hier der Rinderbesitz den Maßstab der sozialen Geltung und
des wirtschaftlichen Reichtums bildet, ist es bei den Berbern der Besitz an
Kamelen. Da die Tuareg Mohammedaner sind und das Kamel bei ihnen
erst etwa zu Beginn des Mittelalters Verbreitung fand, ist das Kamel trotzdem
 kein sakrales Tier, sondern das Schaf, die Ernährungsgrundlage dieser
Hirten aus ältester Zeit. Die hier in Rede stehenden ostafrikanischen Völker
            
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