Niloto-hamitische Bahuma-Hirten und Bantu-Feldbauern 255
Letztere gehörten ebenfalls der Aristokratie an, waren jedoch verarmt,
besaßen vielleicht einige wenige Kühe, hatten aber von einem reichen Herdenbesitzer
Vich übernommen, um dadurch die Bedürfnisse ihrer Familie, von
Weib und Kindern, an Milch zu befriedigen. Man rechnete zwei Kühe als
ausreichend für einen Mann, einschließlich Frau und Kind wenigstens drei
Kühe. Die Herden wurden in Pacht gewöhnlich zu je 100 Stück vergeben.
Diese wurden mit einem Bullen in einem Kral untergebracht, den 6 bis
12 Männer und Jungen besorgten. Die Wartung der Rinder unterlag ausschließlich
dem männlichen Geschlecht, ein Fingerzeig dafür, daß das Halten
von. Rindvieh als „Erfindung‘“ der Männer galt.
Die sonstigen Lebensbedürfnisse erwarben die Hirten auf dem Wege
des Handels. Speere, Messer, Milchtöpfe, Wassergefäße und andere Gegenstände
wurden im Tausch gegen Fleisch, Butter oder Häute, also Kuhprodukte
erworben oder auch durch Verkauf von Schafen oder Ziegen aus
Herden, welche die hörige Feldbauernbevölkerung hütete. Ebenso wurde
Salz, das für die Gesundheit der Kühe als nötig befunden war, durch Tausch
erworben. ;
Die Arbeit der Frauen gliederte sich in die Viehhaltung ein; sie bestand
in der Reinigung der Milchtöpfe und der Butterbereitung, die durch
Hin- und Herschütteln des Butterfasses vorgenommen wurde. Die Reinigung
geschieht durch Räuchern, manchmal aber nur durch Waschen mit
dem Urin einer Kuh. Jedes Gefäß hat seinen besonderen Platz und Zweck.
Die Kinder beaufsichtigten hauptsächlich die Kälber. Man nahm an, daß
jede Beschäftigung, welche eine Frau ermüdet oder nicht den Ansatz von
Fett bei ihr fördert, in magischer Weise auch das Wohl der Kühe beeinträchtigt.
Erst in neuerer Zeit wenden sich die Frauen von ärmeren Hirten
auch dem Anbau von Hirse, wilden Bananen, Mais und Kartoffeln zu, obgleich
ihnen alle Arbeit außer der Besorgung von Milch, Milchtöpfen und
Milchprodukten verboten war. Die Veränderung vollzieht sich also
unter dem Einfluß einer Notlage, aber auch nach einer Erschütterung
der Ritualvorschriften durch Rassen- und Kulturmischung, nicht
zuletzt aber auch dank einer rationalistischen Emanzipation von der alten
Geistesverfassung durch europäischen Einfluß.
Die Männer pflegten die Milch frisch zu trinken, die Frauen und Kinder
gedickt oder die Buttermilch. Die Männer aßen häufig abends ein Stück
Rindfleisch, von dem sie den Frauen Reste übrig ließen, und tranken danach
Bier, erst am nächsten Morgen wieder Milch.
Die Heiratsordnung beruhte auf der Sippenexogamie. Heirat in die
Sippe der Eltern oder Großeltern war verboten, erst in die der Urgroßeltern
erlaubt. Obgleich in den oberen Klassen der Hirtenkaste Monogamie
vorherrschte, war es bei einem der letzten Könige üblich geworden, mehr
als ein Weib zu nehmen. Früher war die Annahme einer zweiten Frau nur
dann erlaubt, wenn die erste steril war. Oft wurde auch die erste vorher
entfernt, bevor man die zweite nahm. Ähnliche Grundsätze galten auch für
die Feldbauerbevölkerung. Trotz der erwähnten Einehe galt es doch für
einen Mann als zulässig, mit den Frauen aller derjenigen Männer Be-