Niloto-hamitische Bahuma-Hirten und Bantu-Feldbauern 259
schiedenen Sippen der Hörigenkaste angehören. Die von ihnen hergestellten
Barren wurden von den Rohschmieden übernommen, die dem Kisen
verschiedene Formen gaben, aus denen die dritte Handwerkerschaft, die
Feinschmiede, die für den Gebrauch bestimmten Stücke herstellten. Die
zanze Arbeit war reichlich durchsetzt von den verschiedensten Zeremonien,
die man für eine erfolgreiche Herstellung der Gegenstände für erforderlich
hielt. Die Fertigwaren wurden in der Regel auf Bestellung angefertigt.
Kitara war ein wichtiges Zentrum des Salzhandels. Das Salz wurde
in Katwe am Eduard-See und in Kibero am Albert-See gewonnen. Die hauptsächlichste
Arbeit dafür wurde von den Frauen geleistet, die den Sand
umwühlten, wuschen und das Wasser verdunsten ließen. Die Männer schleppten
dazu Feuerholz heran und bauten die Hütten, andere fischten oder
jagten Nilpferde, deren Fleisch besonders geschätzt war.
Aus alledem ist die vielseitige Tätigkeit zu ersehen, die teils unmittelbar
von den Feldbauern verrichtet wurde, teils von ihnen angegliederten fremden
Sippen und Stämmen spezialisierter Handwerker. Die Grundlage der politischen
Organisation dieser Schicht lag in den Sippen, die auch für ihre Genossen
Blutrache übten. Das Ausmaß an Rache der geschädigten Sippe
hing z. B. in Ruanda von seiner Kopfstärke ab. Die einzelnen Sippen unterschieden
sich insbesondere durch totemistische Speiseverbote voneinander,
ein Umstand, der auf alteingelebte Gesellung dieser Sippen untereinander
deutet... Wo in Ruanda der Batutsi-Staat noch nicht genügend Fuß gefaßt
hat, wie z. B. in Bugoye und vor allem in Mulera, steht die Sippe im Vordergrund.
In Nduga dagegen haben die Sippen eine geringe politische Bedeutung.
Die letztere ist proportional dem Grade der räumlichen Konzentration der
Klangenossen. Verbinden sich mehrere Sippen untereinander, so können sie
sine sehr bedeutende Rolle spielen.
Man ersieht hieraus, daß die Grundlage der politischen Organisation
dieser Schicht in den einander gleichgeordneten, miteinander auf dem Boden
der Gleichheit vergesellten Sippen liegt, die unter Umständen einen großen
Machtfaktor darstellen. Der Einfluß der Oberschicht von Hirten besteht
darin, die Gleichordnung innerhalb der Feldbauer-Handwerkerschicht aufzulösen,
insbesondere die Sippenverfassung durch familiale Bevorzugungen
zu zerstören. Wenn man von Mulera über Bugoye nach Nduga
geht, so kann man nacheinander die einzelnen Phasen von Staatsbildung
beobachten (Czekn. [17] 246). Man sieht hier, wie die unabhängigen undifferenzierten
Sippen zunächst in das Bereich der mannigfachen Abhängigkeitsverältnisse
hineingezogen und dann absorbiert werden.
Dabei spielt noch die Heranziehung der Wildbeuterstämme, der Batwa,
eine wichtige Rolle. In neuerer Zeit war der Erwerb von Reichtum an Elfenbein
von großer Bedeutung für den Machtzuwachs geschickter Häuptlinge
der Feldbauer. So entstanden aus diesen mächtige Sippenhäuptlinge, die
den Hirten Schwierigkeiten bereiten konnten, die aber andererseits wieder
vom Hirtenstaate gebraucht und durch Vergünstigungen in ihre Organisation.
einbezogen wurden, so daß in Ruanda auf diese Weise eine neue Nobilität
aus dem Kreise der Bahutu in die Batutsi-Hirten eindringt, ganz ähn-17%