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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

Wandlung der Einstellung zu Fremdvölkern

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Die Reisewerke der Entdeckungsfahrer betrachten die farbigen Menschen
als Ausgeburt der Hölle, die zu vertilgen als verdienstliches Werk galt. Man
hörte daheim mit Vorliebe von den Menschenfressereien, den heidnischen
Greueln und Martern, den absonderlichen Gebräuchen und ungewöhnlichen
Einrichtungen. Abnormitäten und Kuriositäten standen im Mittelpunkt des
Interesses,
Derartige Auffassungen waren den damaligen Kolonialmächten Spanien
and Portugal bequem, die ihren Hunger nach Gold, Silber und Gewürzen
stillten und die Bewohner der neuentdeckten amerikanischen Küstenstriche
in die Bergwerke steckten. oder in den Plantagen arbeiten ließen. In einem
halben Jahrhundert wurden so 15—20 Millionen Menschen von den Spaniern
in Amerika dem Tode entgegengeführt. Z. B. besaß Haiti im Jahre 1508
noch 60000 Einwohner, 1548 nur mehr 500. Innerhalb von 40 Jahren wurde
die Bevölkerung also fast vernichtet.
Da man aber auf die eingeborene Arbeitskraft angewiesen war, damals
So gut wie heute, entstand eine wirtschaftliche Schwierigkeit. Das Hinopfern
der Menschen blieb auch nicht ohne seelischen Rückschlag. Dieser wird
durch die Persönlichkeit des späteren Bischof Las Casas gekennzeichnet,
durch dessen Bemühungen schon seit Beginn des 16. Jahrhunderts Neger
als Arbeitssklaven nach den westindischen Inseln eingeführt wurden, und
dessen Tätigkeit auch die Bulle des Papstes Paul III. vom 2. Juni 1537 zu
danken ist, welche verkündigt, daß auch Indianer eine Seele haben und
Geschöpfe Gottes seien, und daher fordert, daß die spanische Krone für deren
Seelenheil zu sorgen habe.
Damit ergab sich eine völlig veränderte Einstellung diesen Völkern gegenüber.
 Man will jetzt den „Teufelsanbetern“ die Segnungen des Christentums
bringen, wenn nötig mit Gewalt. Aber dadurch, daß diese Völker Objekte
einer geistigen Beeinflussung wurden, ergab sich die Notwendigkeit, sich
mit ihren kulturellen Verhältnissen zu befassen. Obwohl man viele für „unzähmbar““
 hielt, und obwohl damals die Bezeichnung „Wilde“ aufkam, ja,
obgleich man vielen den Besitz der menschlichen Sprache bestritt, brach
sich doch durch wachsendes Kennenlernen eine veränderte Auffassung Bahn.
Trotz vieler sensationslüsterner Entstellungen tauchen damals schon die
ersten. verläßlichen und unvoreingenommenen ethnographischen Berichte
auf, wie z. B. die des Jesuitenpaters Lafitau über die Irokesen, auf Grund
der Studien seines Ordensbruders Garnier, der 60 Jahre unter den Indianern
zelebt und auch ihre Sprachen erlernt hatte. Er ist auch der Erste, der Vergleiche
 zwischen diesen Völkern und solchen der Antike zieht, namentlich in
Bezug auf Mutterrecht, von dem Herodot berichtet, und auch bezüglich der
Kuvade, dem sog. Männerkindbett.
Übrigens wurden schon im 17. Jahrhundert Zusammenfassungen, ethnologische
 Überblicke, versucht, wie z. B. in der Anthroposcopia des M. Andreas
 Ottho [1647], in der von der Schädelbeschaffenheit, der „Complexio*‘,
der Haar- und Augenfarbe, der Form von Mund und Zähnen, von den Handlinien,
 der Ernährungs- und Lebensweise usw. Rückschlüsse auf geistige
Eigenschaften und Charakterzüge gewonnen werden. Allerdings denkt das
            
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