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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

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Einleitung

Sitten, Einrichtungen, Gebräuche, Mythen, Sagen und dgl. noch anderswo
vorkommen. Auch Einteilungen auf Grund derartiger Ähnlichkeiten
bilden weiterhin eine notwendige und unabweisbare Grundlage der Forschung.
 Nur müssen wir bei diesen Einteilungen Vorsicht walten lassen und
nicht unsere Wünsche hineintragen, nicht mit vorgefaßten Meinungen dabei
zu Werke gehen.
Die Völkerkunde muß sich gerade so wie jedes andere Forschungsgebiet
in Welt _und Wissen einordnen. Daraus ergeben sich mehrere Fragepunkte,
 1. wonach die Welt und Zeit fragt und 2. wonach die Wissensch aft
die Völkerkunde fragt.
Schließlich ergeben sich aber aus den völkerkundlichen Studien der kulturvergleichenden
 Betrachtung eigene Probleme. Eine 3. Frage besteht also
darin, was für Gesichtspunkte durch die Völkerkunde selbst zu Tage gefördert
 werden, welches Licht sie auf unser Leben wirft und welche Forderungen
 sie an unsere Zeit stellt, von welcher neuen Seite her sie die Welt
und die Wissenschaft zu befruchten vermag. _
Diese drei Punkte sollen hier kurz zur Erörterung gestellt werden.
Gerade der erste Punkt ist vielleicht von besonderer Bedeutung. Wenn
wir auch heute keine eigenen Schutzgebiete besitzen, so ist die Frage unserer
kolonial-wirtschaftlichen Beziehungen trotzdem nicht tot. Unsere Stellung
zu den fremden Völkern und Kulturen hat sich durch den Gang der Ereignisse
 zwar anders gestaltet, sie ist aber heute sowohl direkt wie indirekt
eher wichtiger geworden. als vor. dem Kriege.
Von zwei Seiten her nähern sich der Völkerkunde die Probleme des Kontakts
 der zeitgenössischen Kulturen. Unsere Kaufleute, Pflanzer und Missionare
 in den Tropen und Subtropen haben unabhängig davon, welchem staatlichen
 Verbande die betreffenden Gegenden zugeordnet sind, stets mit
Vertretern fremder, sogenannter „primitiver‘“ Kulturen zu tun. Nicht bloß
für Verwaltungsmaßregeln, sondern auch für den geschäftlichen und persönlichen
 Umgang ist eine Kenntnis des Verhaltens und Denkens sowie der
sußeren und inneren Form des Zusammenlebens dieser anderen Menschen,
mit denen sie in Berührung kommen, nötig. Vielfach, ja in der Regel, sind
sie auf diese anderen Menschen als ihre Arbeitskräfte angewiesen, Der
Pflanzer wird um so besser mit seinen Arbeitern auskommen und auch um
so mehr aus seinem Betrieb herausschlagen, je glücklicher er sich in die
Leute einfühlt, mit denen er zu tun hat. Man mag einwenden, daß das eine
Angelegenheit persönlichen Geschicks, eine besondere Begabung und Kunst
ist. Keine Frage, daß das zutrifft. Aber um so wichtiger sind dazu sowohl
positive Kenntnisse über den betreffenden Stamm, als auch eine allgemeine
Stellungnahme zur Gesamtheit primitiven Denkens und Lebens. Es wären
nicht so viele Angriffe auf Weiße vorgekommen und weniger Blut wäre
sowohl bei den Europäern als auch auf Seite der sogenannten Wilden vergossen
 worden, wenn man auf die seelischen Voraussetzungen ihrer Einrichtungen
 mehr Rücksicht genommen hätte. In der Tat hat es ja nicht
an Ansätzen gefehlt, nach dieser Richtung hin die Lücken zu ergänzen,
Kolonialschulen z. B. tragen der gekennzeichneten Notwendigkeit Rechnung.
            
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