Aufbau des vorliegenden Werkes
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Kreises von Stämmen und Völkern ein Blick geworfen werden. Da die Darstellung
auf Grund des ethnologisch erreichbaren Materials fußt,
kommt hier nur der Vollmensch in Frage, nicht irgendwelche vormenschlichen
Wesen oder Gesellschaften. Die Grenzen nach unten sind also gegeben.
Viel schwieriger ist die Abgrenzung nach oben. Da das Entwicklungskriterium
im Erwerb der technischen Fertigkeiten und des Wissensschatzes
gesucht wird, muß das primitive Leben auch an dem Besitz von Fertigkeiten
und Kenntnissen und deren Auswirkungen im sozialen Leben seine Orientierung
finden. Natürlich ist eine scharfe Grenzführung unmöglich. Immerhin
wird man im allgemeinen den Ackerbau, die zusammengesetzte maschinelle
Vorrichtung, das Rad und den Wagen, das Schmelzen von Metallen,
den Gebrauch einer Lautschrift, eine geschichtete, autoritär-gestaffelte
Gesellschaft, das Vorhandensein eines in kasuistischer Form niedergelegten
Rechtes usw. als die ungefähren Grenzsteine ansehen können, die das primitive
Leben gegenüber dem archaischen, wie wir es aus den Staaten des
alten Orient kennen, scheiden, Es wird indessen notwendig sein, an vielen
Stellen besonders im zweiten und dritten Abschnitt auf die archaischen und
selbst auf auch mittelalterliche Einrichtungen und Gestaltungen gelegentlich
einen Blick zu werfen.
Stellenweise, namentlich im 1. Kapitel des I. Abschnitts, war es notwendig,
etwas ausführlicher zu werden. Gerade das Wildbeuterleben bedurfte einer
eingehenden Würdigung, zumal in ihm zahlreiche Ansätze und Ausgangspunkte
vorhanden sind, die für das Verständnis vieler höherer Formen
wichtig sind. Die Bedeutung des I. Abschnitts liegt darin, daß die Einrichtungen
in ihren funktionellen Zusammenhang gestellt werden, ihre
Einordnung in das Gefüge einer Kultur aufgezeigt werden soll.
Nur so können wir auch der Gefahr entgehen, welche die Konstruktion
von „Idealtypen‘“ birgt und worauf noch ausführlicher im Schlußteil eingegangen
werden soll. Solche Idealtypen ermangeln der Möglichkeit, den
Funktionsablauf sowohl des Kulturgefüges wie auch der einzelnen In-Stitutionen
zu beobachten und den Situationsveränderungen Rechnung zu
tragen. Wohl ist den Idealtypen der Vorzug nicht abzusprechen, ein Phähomen
scharf vor die Augen hinzustellen, doch bergen sie den ungeheuren
Nachteil, das Veränderliche, das allen sozialen Erscheinungen anhaftet,
zu vernachlässigen. Der Ablauf erleidet eine Verzerrung dadurch, daß alles
Geschehen nur unter dem Gesichtspunkt eines Hinstrebens zum Idealtyp
öder einer Wegwendung von ihm aufgefaßt wird und auf diese Weise die
Gestaltungsreihen im Sinne einer .„„Aufwärtsbewegung“ oder „Abwärtsbewegung“
eine Umdeutung erleiden, die einzig und allein durch die willkürliche
Wahl und Umgrenzung des Idealtyps gegeben ist. Einer Bemühung
um eine objektive Erfassung der Vorgänge spricht ein derartiges Verfahren
Hohn, Der Idealtyp selbst versteift sich unter der Hand zu einem „‚Ideal‘*,
Wird zur „richtigen“, vollkommenen“, „orthodoxen“, „höchsten‘“ Ausge-Staltung
dieser oder jener Einrichtung oder Kulturform. Tatsächlich handelt
°S sich aber sehr häufig nur um Extremformen, die wir nur deshalb besonders
beachten, weil sie gelegentlich mit äußerster Schärfe und letzter