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fullscreen: Zeitschrift für Ethnologie, 27.1895

Die Formen der Hand und des Fusses. od 
F inger zu gewinnen, da dieselbe je nach der Lage der Hand wechselt. 
Wird die Hand von der Mittelstellung aus allmählich abwärts gebeugt, so 
scheint der Ringfinger zu wachsen, seine relative Länge nimmt zu, während 
das umgekehrte Verhältniss bei Radialflexion eintritt, dann wird der Zeige- 
finger relativ linger. Man suchte desshalb nach einer Methode der Finger- 
Messung, Ecker räth, Handumrisse anzufertigen, jedoch können auch 
Solche, wenn die Lage der Hand beim Abzeichnen keine richtige war, 
falsche Resultate ergeben und ausserdem ist dies Verfahren sehr zeit- 
raubend und bei einer grösseren Beobachtungsreihe nicht durchzuführen. 
Nach Stieda haben seine Schüler die absolute Fingerlänge vom be- 
‚treffenden Capitulum metatarsi bis zur Fingerspitze gemessen. Die Er- 
gebnisse dieser Messungen können aber nicht, wie wir später sehen werden, 
auf die relative Länge übertragen werden. 
Endlich geht Braune so weit, dass er, um Fehlern aus dem Wege 
Zu gehen, nur an Skeletten misst. Abgesehen aber davon, dass wir von 
“Ussereuropäischen Vólkerschaften nur wenige Skelette besitzen, haftet 
diesem Verfahren der Fehler an, welcher demjenigen von Stieda zum Vor- 
Wurf ‚gemacht ist: die absoluten und die relativen Längen decken sich 
nehmlich nicht immer. Um schnell und sicher urtheilen zu kónnen, legte ich 
den Vorderarm mit der Hand auf irgend eine horizontale Fläche und stellte 
die Hand so ein, dass dieselbe die gerade Fortsetzung des Vorderarmes 
"bildete. Auf diese Weise lässt sich leicht erkennen, welcher von den 
Zwei in Rede stehenden Fingern der längere ist; ausserdem kann noch in 
Sehwierigen Fallen der Nagel des Mittelfingers als Richtschnur benutzt 
Werden, indem die Basis desselben entweder in gleicher Hohe, oder etwas 
tiefer oder wieder etwas hôher. als die Fingerspitzen der beiden benach- 
barten Finger, liegt. Ich stellte auf diese Weise Untersuchungen bei 
Baschkiren, Meschtscherjaken, Griechen und Griechinnen, Juden und 
Jüdinnen an. Die folgende Tabelle (T) giebt über die relative Fingerlänge 
dieser Völker Auskunft. 
Was wir zunächst aus dieser Tabelle schliessen können, ist, dass die 
Verhältnisse an beiden Händen nicht immer die gleichen sind, und zwar 
Sind bei den Männern in etwa 10—15 pCt. und bei den Frauen in etwa 
25 pOt. der Fille die relativen Fingerlängen rechts und links verschieden. 
. Zweitens zeigen sämmtliche Völker in überwiegender Zahl einen 
längeren Ringfinger; der Zeigefinger ist verhältnissmässig selten der längere 
"nd noch seltener sind beide Finger gleich. | 
Drittens fällt auf, dass die Frauen häufiger einen längeren Zeige- 
finger haben, als die Männer. Während bei den Männern die Häufigkeit 
des Vorkommens von IL>IV zwischen etwa 3 und 30 pCt., diejenige 
Von I< IV zwischen etwa 70 und 90 pCt. schwankt, weisen die Frauen 
"m Allgemeinen höhere Zahlen im ersten und niedrigere im zweiten Falle 
auf. Dies berechtigt aber kaum, irgend welche weitergehenden Schlüsse 
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