108
Siegbert Hummel
Eine Hayagriva-Initiation erhielt der König Khri-srong-lde-btsan durch Padma-
sambhava. In der Mongolei wird Hayagriva als Feuerbuddha (mong.: Gal-un burxan)
am 23. des 12. Monats verehrt (vgl. W. Heissig: Lubsangcondans Darstellung des
ostmongolischen Brauchtums. In: Zentralasiat. Studien, 2. Wiesbaden 1968, 231).
Zur Geschichte des Ritualdolches Phur-bu und seiner Varianten sowie zu den ver
schiedenen sich in dieser magischen Waffe verkörpernden Gottheiten, darunter der als
Vajrakila bekannte Vajrakumära, vgl. ausführlich S. Hummel: Vajrakila. In; Wiss.
Zeitschr. d. Univ. Halle XXII, 3/1973, 21—27). Id.: Noch einmal Vajrakila. Ebenda
XXIII, 5/1974, 126 f., mit Eit.-Hinweisen). Ergänzend zu den verschiedenen Dolch
gottheiten noch Yamäntaka, der in der ’Brug-pa-Schule mit Dolchleib, 3 Köpfen und
6 Armen als Khro-chu vorkommt (vgl. St. Beyer: The Cult of Tara. Berkeley 1973,
44 mit Fig. 6). Yamäntaka gehört korrekt zur Tathägata-Familie, wird aber auch, z. B.
in Nishpannayogävali, 20 und 21, zur Vajrafamilie gerechnet (vgl. Tribus 16, 89,
Nr. 23 877). Das schon genannte rNying-ma’i-chos-’byung zeigt eine seltene Form mit
3 Köpfen und 6 Händen (S. 695). Die Kette mit 50 Köpfen, die Yamäntaka trägt,
wird wie die der hinduistischen Käli als Sanskritalphabet gedeutet (vgl. Li An-che:
A Lamasery in Outline, 1. c., 52; vgl. auch S. Hummel (Rezension A. Avalon): Die
Girlande der Buchstaben. In: Zeitschrift für Missions- u. Religionswiss., 1968).
Yamäntaka inkarnierte sich auch in Tsong-kha-pa. Seine Shakti heißt rDo-rje-ro-
langs-ma (vgl. Lobsang Dorje and Shirley M’Black: A Mandala of hJigs-Bycd. In:
Oriental Art XVIII/3).
Ahh. 12 Phur-bu, Bronze, SA 31 227.
SA 31 039
Sammlung Bretschneider.
Großer Phur-bu zum Aufstellen, Getriebenes Messingblech. 176 cm hoch. Chinesische
Arbeit für einen Lamatempel. Vielleicht 19. Jh. Ein ähnliches Stück beschrieben in