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Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 18.1908

Die Neuaufstellung der Königlichen Sammlung für deutsche Volkskunde . 259 
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Wie fast alle Gebiete der Volkskunde , seien sie gegenständlicher oder geistiger Art , ungesäumt in Angriff genommen oder eiligst geführt werden müssen , wie die Ernte eingebracht werden muss , damit wir im Winter nicht darben , so ist es hohe Zeit , die Zeugen tümlicher Bauweisen , einer in Jahrhunderten wie aus dem Boden wachsenen Volkskunst , festzuhalten in Wort und Bild , ehe das naive Gefüge vor dem Ansturm der Stadt - und Fabrikkultur völlig verschwindet . 
In der Reihe der vergleichenden Sammlungen eines Museums für Volkskunde werden die Darstellungen des volkstümlichen baues immer eine der ersten Stellen einnehmen . Unser Museum bietet eine mit wenigen Ausnahmen ziemlich vollständige Übersicht vou hausmodellen aus allen deutschen Gebieten . Leider fehlte es am Platz , um sie so geräumig aufzustellen , wie sie es nach ihrem inneren Werte und äusserer Schönheit verdienten . 
Immerhin sind sie nunmehr in einem Raum vereinigt und gestatten so eine eingehende Vergleichung , die durch beigefügte Grundrisse noch eindringlicher gestaltet werden könnte . Leider haben die meisten fertiger dieser Modelle hierauf zu wenig Rücksicht genommen , was bei etwaigen neuen Erwerbungen auf diesem Gebiete beachtet werden muss . 
Die Volkstracht , welche beim Durchschreiten der Sammlungen in mannigfaltigen Bildern an unserem Auge vorüberzog , hat gewisse besonders charakteristische Momente . Zu diesen gehört in erster Linie die tracht , besonders der Frauen . Sie ist geradezu als Leitform bei der Unterscheidung der Volkstrachten anzusehen , und eine Zusammenstellung - aller Typen mit ihren genauen Bestimmungen über Ort , Zeit und stimmung dürfte sehr lehrreich sein . Aber dazu gehörte mehr Raum als verfügbar , und so konnte leider auch dieser Plan nur in einer wünschten Beschränkung gewissermassen andeutungsweise hier ausgeführt werden . 
Nicht minder leiden unter der Ungunst der A erhältnisse die Sammlungen bäuerlicher Schmucksachen , aus deren hülle nur weniges aus den Hauptgebieten dieser Kunstübung , aus ïriesland , den Llbmarschen und Schleswig - Holstein , Westfalen , Bayern , Tirol und der Schweiz , zur Schau gestellt werden konnte . 
Zu dein kostbarsten , was die Sammlung an bäuerlichem Schmucke besitzt , gehören die vor kurzem durch eine reiche Schenkung von Herrn James Simon vermehrten ostfriesischen Filigran - und arbeiten , von denen in Fig 19—21 ein kleiner Teil dargestellt ist . Von ganz hervorragender Feinheit sind die goldenen Filigranmantelhaken und das Kettenschloss links in Fig . 19 , sehr eigenartig auch das Giirtelschloss unten , welches einen Miederverschluss nachahmt , indem eine feine Silberkette die seitlichen vorspringenden Knöpfe zusammenzieht . Die Gürteltaschen Fig . 20—21 sind mit reichen in Silber getriebenen Beschlägen versehen . 
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