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Bücherbesprechungen
prüfen. Die eigenartigen Laute, die die Schafhirten ihren Tieren Zurufen, sind auch
hier auffallend genug, ebenso die Tatsache, daß die Männer und Burschen beim
Hüten der Herden mit Hilfe einer einfachen Lehmspindel Wolle spinnen. Nicht
wenige Männer verarbeiten auch die Wolle durch Weben und Teppichknüpfen. Viel
leicht ließen sich noch mehr Parallelen zwischen dem deutschen Schäfer und dem
asiatischen Schafhirten finden.
Die beiden letzten Vorträge von W. Ruhen (Berlin): „Das indische Dorf in
Sklavenhaltergesellschaft und Feudalismus“ und J. Heidrich (Berlin): „Zur Entwick
lung der indischen Dorfgemeinschaft“ behandeln unter bestimmten entwicklungs
theoretischen Aspekten den indischen Raum.
Im ganzen liegt mit diesem Band ein Buch vor, das jedem an agrarethnographischen
Fragen Interessierten zur Anschaffung und jedem Ethnologen zur Lektüre empfohlen
werden kann. S. Westphal-Hellbusch
Schlesier, Erhard: Die melanesischen Geheimkulte. Untersuchung über ein Grenzgebiet
der ethnologischen Religions- und Gesellschaftsforschung und zur Siedlungs
geschichte Melanesiens. Musterschmidt-Verlag. Göttingen 1958. 390 Seiten, 1 Karte.
Geheftet DM 46,—.
Ein besonders schwieriges, zugleich aber sehr bedeutendes Thema der Südsee-
Ethnologie wird hier auf breiter Basis behandelt,. Es geht um die Deutung 'der ge
heimen Kulte in Melanesien, die dort, wie ja auch andernorts, eine zentrale Stellung
im Eingeborenenleben haben. Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich vor allem
mit der Frage des inneren Zusammenhanges dieser Kulte und ihrer Einordnung in
die ozeanische Geschichte.
Geographisch handelt es sich dabei um Neuguinea und Inselmelanesien mit Aus
nahme von Viti. Schlesier hat nun aber nicht die Gehelmkulte Melanesiens Insgesamt
zum Gegenstand seiner Untersuchung gemacht, sondern unter den differenzierten
Erscheinungen den nach seiner Ansicht „wichtigsten und das geheimkultische Leben
Im eigentlichen Sinne repräsentierenden Geheimkult-Komplex“ ausgewählt, dabei z. B.
den Iniet- und den Suque-Geheimbund und die geheimen Totenfeste von Neuirland
ausgeschlossen. Wenn man auch das Fehlen dieser Kultformen bedauern mag, weil
somit kein vollständiges „Handbuch“ der melanesischen Geheimkulte vorliegt, so ist
diese Beschränkung insofern klug, als damit die Untersuchung der Entstehung und
Geschichte des von Schlesier als typisch erkannten Gehelmkult-Komplexes an die
Stelle einer mehr deskriptiven allgemeinen Betrachtung treten kann.
Für dieses Werk sind die vielfältigen das Gebiet betreffenden Veröffentlichungen
zwischen 1875 und 1956 weitgehend und auf kritische Weise ausgewertet worden.
Schlesier hat den recht sympathischen Standpunkt, daß er sich nicht einer Methode
allein verschreibt. Die Entstehung und Geschichte der Geheimkulte kann natürlich
nur aus dem in den vergangenen Jahrzehnten ermittelten Kulturbild rekonstruiert
werden. In seinem Bemühen, sich von einseitiger Betrachtungsweise zu lösen, be
handelt Schlesier die Geheimkulte „als ein Grenzgebiet der ethnologischen Religions
und Gesellschaftsforschung“ in dem Sinne, daß „nach dem methodischen Prinzip der
wechselseitigen Erhellung die sofortige und gleichzeitige Durchleuchtung jeder spe
ziellen Erscheinung nach ihren sozialen wie religiösen Grundlagen“ zu erstreben
sei (S. 22/23).
Die umfassende und in historische Tiefen gehende Untersuchung wird zunächst
dadurch erschwert, daß (wie der Verfasser auch selbst zugibt) die religiösen Grund
lagen der melanesischen Geheimkulte oft sehr verschwommen sind. Zudem ist das
Quellenmaterial durchaus nicht gleichwertig, und es ist nicht immer sicher, daß durch
aus zuverlässig erscheinende Autoren das Esoterische jeweils klar erfassen konnten.
Schmerzlich sind ferner die Quellenlücken. Aber mit diesen Tatsachen muß man sich
abfinden. Für eine neuangelegte intensive Feldforschung ist es infolge des Verfalls