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Volltext: Globus, 44.1883

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Edouard Andrs's Reisen im nordwestlichen Südamerika 1875 bis 1876 . 
sollte . Diese Cancheros , deren beschwerlicher und gefahrvoller Berns mit dem oft beschriebenen abenteuerlichen Leben der Qui - neros oder Sammler von Chinarinden die größte Aehnlichkeit hat , waren ohne Ausnahme verwegenblickende Gesellen mitmehr oder minder scharf ausgegeprägter Verbrecherphysiognomie . Augenscheinlich hatte der Unternehmer , der sie zur Gummiernte in den Urwald aussandte , mehr auf die körperliche Tauglichkeit , als auf eine besonders fleckenlose Vergangenheit der Leute sehen , und so befand sich dann auch wohl unter der dem scheine nach hauptsächlich ans Europäern und kees zusammengewürfelten Truppe gar mancher , der gern eine Zeit lang in die Wildniß verschwand , um daheim Gras wachsen zu lassen über irgend eine lichtscheue That , oder der sich auf diese Weise dem schon nach ihm streckten Arme der tigkeit entzog . In welchem Ansehen diese wilden , vor Nichts znrückschreckenden Gesellen bei dem Volke von Ecuador stehen , das sah Andre an dem Benehmen der Einwohner der enda sowohl , wie an dem seiner Indier , die in lichst weiter Entfernung von jenen ihr Lager auf - fchlugen und sich ihnen nicht auf Schußweite zu nähern wagten . 
In der Frühe des nächsten Morgens ging es auf schmalem Pfade ter zur Höhe des Corazon ( 4816 m ) hinauf , der , nur an einer Seite durch einen schmalen Hügelrücken mit der Masse des Jliniza bunden , auf allen anderen Seiten isolirt aus der Ebene ansteigt . Eine sondere Berühmtheit in der Geschichte der Erdforschung hat der Corazon dadurch halten , daß auf ihm im Jahre 1783 durch die französischen Akademiker La Condamine und Bouguer die ersten barometrischen Höhenmessungen vorgenom - men worden sind . Neben dem Pfade , der zu dem 3969 m hohen Paramo emporführt , fand Andre , eine üppige , wenn auch durch den beständig wehenden heftigen Wind zu drig rankendem Wüchse gezwungene Vegetation . Neben zahlreichen bekannten , aber hier in besonderer Fülle und neuer Gemeinschaft auftretenden Pflanzen der hohen Anden , dem weißen Löwenzahn ( Aellyropllorns ) , den rothen Acaenen ( Acaena sericea und A . lappacea ) , dem einen dichten Teppich bildenden zierlichen weißen Andenvergiß - meinnicht , neben der rankenden Lorlloris rnultillora und vielen anderen zeigten sich auch verschiedene neue Arten , 
darunter ein schönes Hypericum und eine prächtige veilchen - farbene Gentiane . Auch die seltsame Psitckaoantlins restris , die einzige bekannte am Boden wachsende Mistel konnte hier dem Herbarium des Reisenden hinzugefügt werden . Auf der eisig kalten Paßhöhe standen als einzige Bäume , die der niedrigen Temperatur und dem unablässig wehenden starken Winde zu widerstehen vermochten , einige schöne Exemplare des merkwürdigen Polylepis mit den grünen Blüthen und der in langen schmalen Streifen gerissenen Rinde . Bei dem auf der Höhe des Paramo belegenen Pa - guangalli halten die Reisenden den höchsten Punkt ihrer Route erreicht ; von hier aus ging es , einige partielle Anstiege abgerechnet , beständig ab bis zu dem ( 497 m ) hoch gelegenen Guana - silla unweit El dor . Ein in den Trachyt des Berges oder in den fest zusammcngeballten Sand gesprengter licher Weg führte jetzt mitten einer immer reicher und großartiger den Vegetation über Pungu , wo sich die ersten Baumfarnc zeigten , bis nach Canzacato ( 2000 ui ü . d . M . ) , wo das Eldorado des kers , das reichste tropische Gebiet , begann . Schon von Miligalli an war man durch den sten , von dem Wohlgcruch der großen weißen Datura erfüllten Wald gekommen , der mit seinen unzähligen Blüthen der rothen und blauen Salvien und mit den langen Gehängen einer prachtvollen nen Passionsblume einen fast märchenhaften druck machte . In San Florencio , am Ufer des Rio Pilaton , wurde das Nachtlager aufgcschlagen ; wie die Mehrzahl der auf André's kleiner Karte des Pilaton - und Toachigcbietes angegebenen Orte ist auch San Florencio nur eine elende , mit Palmblättern gedeckte Hütte , die von einem Indier und feinem Weibe bewohnt wird . Das Einzige , was die senden in diesen einsamen Niederlassungen erhalten ten , waren hin und wieder einige Eier , und das densein derselben wurde regelmäßig so lange abgeleugnet , bis Andre sein Gewehr ans eines der sorgsam im Corral gehegten Hühner anlegte . Dies Mittel war stets von gleich guter Wirkung ; mit lautem Zetergeschrei erflehte die Casera Schonung für ihre Hennen und versprach , sehen zu wollen , ob sich nicht doch irgendwo noch einige 
Jndianeriu aus Quito . ( Nach einer Photographie . )
	        
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