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Full Text : Globus, 26.1874

368 Aus allen

so erfüllt eine 1 bis 2 Meter tiefe tosende Wassermasse diese Schluchten und , in der Ebene angelangt , vermag sie nicht rasch genug abzufließen , und überschwemmt weithin das Ackerland .

Nun schlägt der französische Generalstabsoffizier Guy de Contenfon vor , jene Wassermassen in künstlichen Teichen zustauen und nur allmälig abfließen zu lassen . Die Boden - gestaltung in den oberen Theilen der Flußthäler ( Pei - Ho , San - ku - ho , Tschu - long - ho , Hu - to - ho ) ist derart , daß sich leicht an vier , fünf besonders eingeengten Stellen jedes Flußthales da , wo sie die stufenweise über einander emporsteigenden Gebirgs - ketten quer durchbrechen , Dämme errichten lassen , um die wässer zu sammeln ; der Grund und Boden hat keinen Werth und billige Arbeitskräfte würden der chinesischen Regierung in Masse zu Gebote stehen . Ja , vielleicht würden einzelne jener Flüsse eine Strecke weit schiffbar werden . Trotz alledem aber fragt es sich doch sehr , ob schon jetzt bei den leitenden Kreisen Chinas die Unternehmungslust so groß ist , ein so sruchtbringen - des Werk in Angriff zu nehmen .

Corsica .

In den Jahren 1864 bis 1867 ist die Jnfel Corsica von Neuem durch Offiziere des französischen Generalstabes trian - gulirt worden , da die alte auf den Arbeiten Tranchott's be - ruhende Karte des Landes vom Jahre 1824 als unzureichend erkannt worden war . Bis heute sind erst einige Blätter der neuen Aufnahme erschienen ; doch soll der Rest in kurzer Zeit nachsolgen . Es stellte sich dabei heraus , daß die meisten alten Höhenbestimmungen zu corrigiren sind , daß z . B . nicht der Monte Rotondo , wie man bisher annahm , sondern der Monte Cinto der höchste Gipfel der Jnfel ist , und der Monte d'Oro die bisher von ihm eingenommene zweite Stelle mit der fechsten zu vertauschen hat . Folgende sind in Meter die hoch - sten Erhebungen Corsicas : Monte Cinto 2707 , 0 , M . Rotondo 2624 , 8 , M . Paglia Orba 2525 , 5 , M . Cardo 2454 , 4 , M . Padro 2392 , 5 und M . d'Oro 2390 , 8 .

Australien und Neuseeland .

Die Kolonien in Australien erfreuen sich gedeihlicher stände , ihre Fortschritte sind zugleich rasch und sicher . In Vic - t oria ist das Budget der Ausgaben für das laufende jahr ( das am I . Juli beginnt ) veranschlagt auf 4 , 478 , 080 Pf . St . , 30 , 018 Pf . St . mehr als die wirkliche Ausgabe im Vorjahre betrug . Die Einnahmen sind veranschlagt auf 4 , 259 , 135 oder 194 , 211 Pf . St . mehr als die im Vorjahr eingegangenen ; von diesen sind 170 , 368 Pf . St . als Ueberschuß aus das neue Jahr übertragen worden . Es wurden für das Unterrichtswesen in jenem Jahre reichlich 500 , 000 Pf . St . verausgabt und im laufenden Jahre foll noch weit mehr auf dasselbe verwandt werden . Der Unterricht ist gratis und die Kolonie erbaut alle Schulhäuser . Hauptquelle der Einnahme sind die Einfuhrzölle mit 1 , 765 , 000 Pf . St . ; von öffentlichen Wer - ken , Wasserleitungen und Eisenbahnen 1 , 009 , 625 ; Landverkäufe 878 , 000 . Die direkte Besteuerung betrug nur 60 , 000 Pf . St . und bestand aus Abgaben von Erbschaften . Victoria hat feit drei Jahren ein strenges Schutzzollsystem ; so trägt z . B . ein Paar Mannsstiefel oder Schuh 2 Schilling Eingangszoll ; die Gallone Schaumwein 6 Schilling : c . Die Eolonialfchuld stellt sich auf 12 , 520 , 432 Pf . St . ; sie ist aber zum den Theile von produktiver Art . Die Eisenbahnen haben

Erdtheilen .

eine Länge von 515 Mikes . Die Veredelung der Schase nimmt ihren Fortgang ; zu Ansang Septembers wurde für einen aus Tasmania herübergebrachten Stähr , „ den berühmten Sir Thomas " , die Summe von 680 Guineen bezahlt ! Ein Herr Wilson hatderMelbournerAcclimatisationsgesellschaft1100Pf . St . geschenkt , damit sie wieder einen Versuch mache , den Lachs in die Ströme von Victoria zu verpflanzen . Der vor etwa neun Iah - ren angestellte war mißlungen . Man will nun Lachseier aus Kalifornien und aus Schottland kommen lassen .

Auf Neuseeland ist dieFinanzlage äußerst günstig . Die Einnahmen haben im abgelaufenen Finanzjahre jene des Vorjahres um 300 , 814 Pf . St . überstiegen und sind mit jedem Jahre angewachfen . Während sie 1870 / 71 erst 936 , 188 Pf . St . betrugen , stellten sie sich 1873 / 74 auf 1 , 410 , 216 . Dazu kommen noch die Erträgnisse des Verkaufs von Ländereien , die sich von 208 , 091 auf 1 , 003 , 797 Pf . St . gesteigert haben . Die Regierung ist ernstlich darauf bedacht , der Waldverwüstung zu steuern , die vorhandenen Waldungen zu schützen und an vielen Stellen Baumpflanzungen anzulegen . Sie will auch eine „ Handels - compagnie für die Südsee " nach Kräften fördern . Sie hat fer - ner die Genehmigung zum Bau von 1010 Miles Eisenbahnen gegeben , für welche 5 , 575 , 400 Pf . St . bewilligt worden sind . Davon wurden bis jetzt verausgabt 3 , 660 , 881 Pf . St . Dem Betrieb eröffnet sind 90 Miles , fertig gebaut und demnächst zu eröffnen 58 Miles . Auf einer Strecke von 103 Miles wurden im August die Schienen gelegt ; 421 Miles waren im Bau be - griffen und es ist mit Bestimmtheit anzunehmen , daß gegen Mitte des Jahres 1875 vollauf 672 Miles Schienenwege dem Betriebe eröffnet fein werden . Auch der für ein solches Land hochwichtige Bau von Landstraßen schreitet rasch fort . Am 30 . Juli 1874 hatten dieselben eine Länge von 1088 Miles , und dazu kamen noch 526 Miles Chausseen . Diese 1700 Miles Straßen ziehen zumeist durch Gegenden , in denen vor wenigen Jahren kaum ein Europäer wohnte ; durch sie werden Millionen Morgen fruchtbarer Boden und prächtige Waldungen zugäng - lich gemacht .

4 - * *

— Daß Kometen etwas Absonderliches bedeuten , ist be - kanntlich ein weit verbreiteter Wahn . Wenn sie ihre Himmels - bahn durchrasen , kann es ja nimmermehr fehlen , und da auf unserm Erdball , dieser besten aller Welten , die Menschen unab - lässig in Zank und Hader liegen , so fehlt es nicht , daß sie in irgend einem beliebigen Lande sich todtschießen oder einander die Hälse abschneiden . Im verflossenen Sommer war nun aller - dings Krieg — auf Formofa , wo wilde Eingeborene von Ja - panern gezüchtigt wurden . Daraus hätte nun ein Krieg zwi - schen China und Japan entstehen können . Nun wird aber das Erscheinen eines Kometen von den Chinesen so gedeutet , daß er nothwendig Krieg verkündige ; ihre nächsten Nachbarn , die Japaner , sind dagegen der Ansicht , er prophezeie Frieden , und was die beiden ostasiatischen Reiche anbetrifft , so haben die letzteren Recht behalten . Die Chinesen besorgten übrigens keine lange Dauer der Feindseligkeiten , weil — der diesjährige Ko - met einen nur kurzen Schweif zeigte ; je länger der Schweif , um so länger der Krieg .

— In Tokio ( Aeddo ) erscheint unter dem Titel Nipon Ts che ein japanischer Kladderadatsch oder Punch niit lichen Illustrationen , in welchen insbesondere das steife BeHaben der Engländer zur Geltung kommt . Die Japaner sind Meister im Zeichnen von Carricaturen .

Inhalt : An der ligurischen Riviera di Ponente . III . ( Mit drei Abbildungen . ) ( Schluß . ) — In Lakhnau , der stadt von Audh in Indien . ( Mit zwei Abbildungen . ) — Ein Runenstein in Tyrol . ( Mit einer Abbildung . ) — Zustände der Neger im Süden der Vereinigten Staaten . — Karl v . Neumann's Expedition nach dem Lande der Tschuktschen . I'V . — Paul Schumacher über Kjökkenmöddings und alte Gräber in Calisornien . — Aus allen Erdtheilen : Aus den Nilregionen . — Die Überschwemmungen in China . — Corsica . — Australien und Neuseeland . — Verschiedenes . — ( Schluß der Redaction 30 . November 1874 . )

Herausgegeben von Karl Andree in Dresden . — Für die Redaction verantwortlich : H . Vieweg in Braunschweig . Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunschweig .

Hierzu eine Beilage : Literarischer Anzeiger Nr . 9 .
            
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