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Volltext: Der gebildete Bürger

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und Hügel ausströmt, und die . an jedem Tage die östliche wie 
die westliche Halbkugel belebt. 
So ist auch das allgemeine Licht der Vernunft, des Gewissens 
und der Liebe von weit höherem Werthe als alle die selteneren 
Gaben und Eigenschaften, welche Einzelnen Wenigen Ruhm und 
Auszeichnung verleihen. . , . 
. Wir müssen uns daran gewöhnen, über alle die Besonder« 
heiten und Auszeichnungen, unter welchem Titel sie auch erscheinen 
mögen, hinweg und nach dem Allgemeinen Menschlichen zu sehen, 
dessen höhere oder niedere Ausbildung allein die Würde des 
Menschen bestimmt. Dieses allein gibt uns die Richtschnur zur 
richtigen Schätzung Anderer und unserer selbst.. 
Wir müssen strenge darauf achten, das, was Allen gemeinsam 
ist, die allgemeine Menschennatur, nie zu unterschätzen; denn 
kein Gedanke.kann die Größe dieses Allgemeinen ermessen, es ist 
das Bild Gottes, das Bild der Unendlichkeit, denn seine Entfal- 
tung und Ausbreitung ist unbegrenzt, unendlich. Wer die gött- 
liche.Kraft der Seele besitzt, ist ein großes Wesen, welches auch 
seine Stellung in der menschlichen Gesellschaft fein möge: In 
Lumpen gekleidet, , im Gefängnisse schmachtend, an sklavische Arbeit 
gekettet, ist er dennoch groß; lasset ihm alle Wohnungen ver- 
schlossen sein, Gott öffnet ihm seine himmlischen Räume. Freilich 
ist er nicht aus den Straßen bemerkt und bewundert, aber Ein 
klarer Gedanke, Eine reine Nsigung, Ein edles Gefühl und Eine 
entschlossene Handlung tugendhasten Willens schließen eine Würde 
anderer und höherer Art in sich, als all' die Aufsehen erregende 
Häuserpracht und Größe zu geben vermag. 
. . Die wahre Größe des Menschen hat nichts mit seiner äußern 
Lebensstellung gemein, denn sie besteht eben nur in der Größe 
des allgemein Menschlichen in ihm, in dessen Anwendung und 
Ausbildung; die wahre Größe liegt daher nicht in dem Umfange 
piner äußern Wirksamkeit, oder in der Bedeutung der sichtbaren
	        
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