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Inhalt / Download : Anthropos, 46.1951

Geschichte der prähistorischen Forschung 
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vielmehr erst der von dem Entwicklungsgedanken erfüllten Zeit Vorbehalten, 
die Prähistorie über die frühen Versuche dieser Art eines H. Schreiber und 
anderer wesentlich hinaus zu bringen. 
Die jetzt entstehende „paléontologie humaine“ umfaßt sowohl die leib 
lichen Überreste des Menschen, wie die Zeugnisse seines Gewerbefleißes. Diese 
Quellen bekunden nun in der Schau einiger Jahrzehnte eine den Körper wie 
den Geist erfassende Aufwärtsentwicklung ; aus ihrer Form folgert das relative 
Alter, welches unter glücklichen Fundverhältnissen die Geologie zu bestätigen 
vermag. Schon 1860 vergleicht Cochet die einander ablösenden Formenkreise 
der Keramik mit den Leitmuscheln der Geologen ; später wird diese Parallele 
besonders gerne auf die Fibel angewendet, d. h. ein zum Schmuckstück aus 
gestaltetes Gebrauchsgerät, das im Laufe seiner sich über mehrere Jahr 
tausende erstreckenden Verwendung mannigfache Wandlungen erlebt und 
damit für die Altersbestimmung ihrer Fundschicht besonders gut geeignet 
ist. Indem sich aber noch weitere Objekte im Sinne einer langsamen Ver 
änderung ordnen lassen, gewinnt der archäologische Stoff ungemein an Leben, 
und kommt es zu der Ausbildung derjenigen typologischen Methode, welche 
auf längere Zeit hinaus der frühgeschichtlichen Forschung ihr besonderes 
Gepräge gibt. Diese Typologie „ist die Anwendung des Darwinismus auf die 
Produkte der menschlichen Arbeit. Sie geht von der Voraussetzung aus, daß 
der menschliche Wille an gewisse Gesetze gebunden sei, ähnlich denen, die 
für die Entwicklung in der organischen Welt Geltung haben. Die Altertümer 
entwickeln sich, als ob sie lebende Organismen wären, die einzelnen Gegen 
stände sind Individuen, eine Typenserie stellt die Entwicklung einer Art 
dar, und eine Gruppe von Typenserien wiederum eine Entwicklung, die sich 
in verschiedene Arten verzweigt und eine Familie bildet“ (Äberg, 1929). 
Gleichwie das Skelett eines Sauriers das Ergebnis eines zu ihm hin 
führenden Werdeganges ist und der Anfang weiterer, bestimmten biologischen 
Gesetzen folgenden Gestaltung, so auch das Grabinventar. Die Schenkel- und 
Fußknochen der tertiären Pferde werden auf ihre Unterschiede hin analy 
siert ; man beobachtet hier eine neue Eigentümlichkeit der Form und dort 
ein Rudiment. Genau dasselbe ergibt sich jetzt aus den Fibeln. Im Lichte 
dieser Betrachtungsweise wird die frühgeschichtliche Entwicklung zu einem 
Nacheinander einzelner Typen und geschlossener Formenkreise. Man sucht 
einen Ablauf des archäologischen Bildes, und stellt sich ihn ausschließlich im 
Sinne des Dreiperiodensystems vor. Die Frage nach dem hinter den Funden 
stehenden Menschen tritt zurück ; sie wird ersetzt durch die Vorstellung eines 
geradezu gesetzmäßigen Werdens, nicht nur der Geräte und der Wirtschaft, 
sondern auch der gesellschaftlichen Zustände und des geistigen Lebens. Hier 
zeigt sich der Einfluß des materialistischen Denkens, zu dessen bekannten 
Vertretern außer Carl Vogt auch Ludwig Büchner gehört, welcher die oben 
genannte Arbeit Lyell’s ins Deutsche überträgt und im Sinne seines Stand 
punktes ausgestaltet.
	        
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