Buchbesprechungen
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agenturen“ und damit die „Formen modernen Aberglaubens als stützendes Um
feld“ des Hexenglaubens einbeziehen würde. Daß hier eine in Sagensammlun
gen, Brauch- und Glaubensdarstellungen bloß beschreibende Volkskunde ge
nauso zu dessen Bestätigung beigetragen hat wie die Pädagogik mit der Hexe
als vermeintlicher Erziehungsfigur, läßt sich einfach nicht verleugnen; aber wohl
noch tragischer wirkt die dogmatische Fixierung des Teufels- und Dämonen
glaubens in den christlichen Konfessionen. Zuletzt geht Inge Schödt - beinahe
schon zu ausführlich - kritisch auf den modernen Okkultismus ein (ein Kapitel,
das durch die Darlegung der soziokulturellen Bedingungen bis zu den ökonomi
schen Interessen dennoch allen jenen empfohlen sei, die an ein gewissermaßen
funktionsäquivalentes Fortleben von „Traditionen“, „metaphysischen Bedürf
nissen“ oder „seelischen Grundwerten“ glauben).
Spätestens ab diesem Kapitel muß aber doch ein gewisses Unbehagen an der
Publikation geäußert werden, sosehr ich sie in Methode und Gründlichkeit vie
len Dissertanten wie auch manchem Wissenschaftler empfehlen würde; abge
sehen davon, daß einem diese Arbeit wieder einmal schmerzlich bewußt macht,
wie viel noch aus den Nachbarwissenschaften aufzuarbeiten bleibt, ist die wert
volle Untersuchung über weite Strecken von einer Wissenschaftlichkeit, daß sie
für viele kaum mehr zu lesen, sondern nur mehr zu studieren sein dürfte. Wahr
scheinlich stimmt es, was eine andere Autorin dieser Schriftenreihe unlängst ge
sprächsweise andeutete: Selbst die besten Dissertanten stehen unter dem gewis
sen Zwang, zu zeigen, was sie alles bedacht und erarbeitet haben. Darauf hinzu
weisen, scheint mir um so wichtiger, weil gerade Inge Schock - konsequent wie
bisher wenige - Wege zur Praxis andeutet, über die man freilich noch lange
sprechen müßte: Ihr ohnedies etwas gedämpfter Optimismus, durch Kommuni
kationstraining, Abbau von Autoritätsdruck und Angst, Verbalisierung emotio
naler Konflikte usw. die internen und externen Bedingungsfaktoren des gegen
wärtigen Hexenglaubens zu modifizieren oder gar zu eliminieren, sei ihr hoch
angerechnet; aber ein erster realer Schritt zur Praxis wäre auf den von der Ver
fasserin selbst erwogenen Wegen eine leichter verständliche Neufassung für eine
breitere Öffentlichkeit. Dieser Vorschlag will - das sei betont, um Mißverständ
nissen vorzubeugen - den Wert der Arbeit und der Absicht Inge Schocks unter
streichen.
Wien Helmut Paul Fielhauer
Ulrike Zischka, Zur sakralen und profanen Anwendung des Knotenmotivs als
magisches Mittel, Symbol oder Dekor. Eine vergleichend-volkskundliche Unter
suchung. München: tuduv-Verlagsgesellschaft (in Komm.), 1977. II, 128 S.,
166 Abb. auf Taf. (tuduv-Studien. Reihe Kulturwissenschaften 7).
Sich auf ein Gebiet zu begeben, das mit seinen ,mythisch-magischen' Ausdrucks
mitteln ein beliebtes Feld ,nationalgesinnter' Wissenschaft vor 1945 war, ist ein
Wagnis, das Ulrike Zischka eingehen konnte, da für sie die sich vor allem auf
den südosteuropäischen Kulturbereich stützende ikonologisch interpretierende
Arbeit von Leopold Kretzenbacher richtungweisend war. Trotzdem meine ich,
daß in dieser Münchener Dissertation zu viel von dem Geist älterer Veröffent
lichungen ( Blankenburg , Frazer, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,