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Inhalt / Download : Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 11=26.1983

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Besprechungen 
jedes Bild der vorgestellten Epoche auch in der BRD unglaubwürdig erscheinen würde. Aber durch 
Begriffe wie „Maschinenzeitalter“ und „Industriekultur“ verstellten die Autoren sich selbst und dem 
Leser den Blick auf das Wesen und die historische Determiniertheit der kapitalistischen Gesell 
schaftsordnung. Und ihre Hoffnung auf jene Kräfte des Volkes, die schon damals „dafür gekämpft 
und gelebt haben, daß heute das deutsche Volk politisch mündig und moralisch verantwortlich 
sein Leben und seine Ordnung selbst gestalten kann“ (S. 7), impliziert zumindest demokratische und 
geschichtsperspektivische Illusionen. Sowenig man den meisten Autoren des Bandes das Bemühen 
um ein demokratisches Geschichtsbild abstreiten kann, so sehr drängt sich andererseits die bürger 
lich begrenzte Geschichtsideologie auf: Die politische und gesellschaftliche Ordnung der BRD wird 
als Gewähr und der Kapitalismus als historischer Rahmen für einen zwar konfliktreichen, aber 
durch Reformen möglichen und anzustrebenden Modernisierungsprozeß der „Industriekultur“ aus 
gegeben. 
Diese politisch-ideologischen Grundkomponenten des Geschichtsbildes prägen und verzerren denn 
auch vielfach die historiographische Faktenvermittlung, -bewertung und -einordnung, Der Aufstieg 
der Bourgeoisie zur herrschenden Klasse nach einer gescheiterten Revolution und in Richtung auf 
den Klassenkompromiß mit der Feudalklasse, die vor allem hierdurch geformten bourgeoisen Denk 
muster, Lebensstile, Herrschaftspraktiken und öffentlichen Äußerungen einer ebenso antidemokrati 
schen und nationalistischen wie repräsentationshohlen und romantisch kostümierten Parvenükultur 
werden zwar mit kritischer Distanz sichtbar gemacht und im ganzen richtig in die herrschende Kul 
turentwicklung des Kaiserreichs eingeordnet. Allerdings werden auch vereinzelte sozialreformerische 
Aktivitäten von Nürnberger Großunternehmen beifällig hervorgehoben und überbewertet. Dagegen 
bleibt die Arbeiterbewegung und die proletarische Kultur das Stiefkind der Darstellung. Daß Nürn 
berg seit dem Vereinstag der deutschen Arbeitervereine, der 1868 hier tagte und sich der I. Inter 
nationale anschloß, zu einem Vorort und später zu einem Zentrum der sozialdemokratischen Partei 
und Gewerkschaftsbewegung wurde, wird zwar nicht verschwiegen. Aber die revolutionären und 
sozialistischen Strömungen in der Arbeiterbewegung und ihre Nürnberger Repräsentanten und 
Kräfte werden ausgeklammert, der historische Bezug der Nürnberger Arbeiterbewegung und solcher 
reformistischen Wortführer wie Karl Grillenberger zur Entwicklung der Gesamtbewegung wird nicht 
hergestellt. Die Schilderung und Bewertung der proletarischen Kulturbewegung verbleibt innerhalb 
der stereotypen Formeln der sogenannten Arbeiterkulturforschung, d. h. vor allem bei der Auffas 
sung von der bloßen Imitation bürgerlicher Kulturformen, und geht an der Aufdeckung der Anta 
gonismen und Alternativen zur herrschenden Kultur vorbei. Durch den gesamten Band zieht sich 
die mehr oder weniger offen ausgesprochene Tendenz, einen geradlinigen historischen Prozeß in 
Richtung auf die vermeintliche „Integration“ der Arbeiterklasse in die „Industriekultur“ und die 
Entwicklung der Arbeiterbewegung zur sozialreformerischen „Volkspartei“ vorzuzeichnen. Wer jedoch 
heute in der BRD nach historischen Alternativen und demokratischen Lösungen der unversöhnlichen 
Gegensätze imperialistischer Herrschaft und Kultur ernsthaft sucht, sollte vor allem das kämpferische 
politische wie kulturelle Erbe der Arbeiterklasse wahrheitsgetreu und umfassend herausarbeiten. 
Gerade das aber bleibt die vorliegende Publikation uns schuldig. 
PETER SCHUPPAN, Berlin 
PETER N. STEARNS, Arbeiterleben. Industriearbeit und Alltag in Ruropa 1890-1914. Mit einem 
Vorwort von Helga Grebing. Frankfurt a. M./New York, Campus-Verlag, 1980. 391 S. 
Peter N. Stearns legt eine vergleichende Untersuchung zum Wandel der Arbeits- und Lebens 
bedingungen des Proletariats in England, Frankreich, Belgien und Deutschland in der Zeit von 
1880 bis zum ersten Weltkrieg vor. Damit hebt sich seine Studie zumindest in zweierlei Hinsicht 
von ähnlichen Arbeiten ab. Zum einen sind bisher kaum Forschungen zu diesem Thema bekannt, die 
über den Rahmen einzelner Fabriken, Berufsgruppen, Gewerkschaften, Regionen oder einer natio 
nalen Arbeiterklasse hinausgehen und den internationalen Vergleich anstreben. Auch von marxisti 
scher Seite sind neben den Schriften von Marx, Engels, Bebel, Luxemburg und Lenin, aber auch 
z. B. von Otto Rühle, die sich auf die internationale sozialwissenschaftliche Literatur und Statistik
	        
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