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Volltext: Globus, 1.1862

214 Globus , Chronik der Reise 
mit einem Kirchengesang . Dann weihete der Metropolitan alles Wasser int russischen Reiche , nahm das Kreuz und tauchte dasselbe in das klare Wasser der Newa . Nun don - nern hundert Geschütze , die Soldaten knieen nieder , und nachher drängt sich das Volk zu der offenen Wasserstelle , um die Hände zu benetzen . 
und Geographische Zeitung . 
Der Kaiser ist zu Pferde gestiegen , und reitet mit sei - nein Generalstabe den Reihen der Soldaten entlang . Jedes Regiment empfängt ihn mit Hurrah , und marfchirt dann an ihm vorüber . Er hält vor der Alexandersäule ; hinter ihm sind Tscherkessen uud andere Asiaten aufgestellt . 
Diese Wasserweihe macht einen großartigen Eindruck . 
Hermann Allmers über die Marschen der Weser und Elbe . 
Ii . 
Die Siele . — Fluth - n»d Stauthttren . — Schott und Sielhammer . — Sieltiefe . — Die standhaften Friesen mid ihre Leidensgeschichte . Die Bracken . — Pflanzenwuchs . — Klima . — Regen , — Seenebel . — Die salze Lust . — Krankheiten . — Luftspiegelungen . — 
Die Bodenverhältnisse . — Darg . 
Wir entlehnen unserem trefflichen Gewährsmanne noch einige Schilderungen , um das Gemälde dieser interessanten Gegend zu vervollständigen . 
Wir haben das wichtige Deichwesen geschildert . Zn demselben spielen die Siele , das heißt die Schleusen , eine wichtige Rolle . Durch sie sichert sich der Marschbewohner die Vortheile einer Verbindung mit dem Meere ; sie bahnen dem überflüssigen Wasser einen Ausgang . Die Wassermenge , welche die kleinen Binnenflüsse und die Bäche der höher gelegenen Geest und endlich Regen und Schnee den Mar - schen zuführt , würde sich hinter den Deichen sammeln , an - schwellen und in kurzer Zeit das ganze niedere Marschland überschwemmen , es in eine öde Sumpfgegend umwandeln . Man mußte daher bedacht sein , derselben einen bequemen Ausgang zu verschaffen , durch deu sie ungehindert in's Meer fließen konnte . Wären nicht Ebbe und Fluth vorhanden und wäre der Meeresspiegel immer von gleicher Höhe , so hatte es zn diesem Zwecke nur eines einfachen , hinreichend weiten Kanals dnrch den Deich bedurft . So aber war man genöthigt , zugleich der andringenden Fluth , welche das Land ebenfalls überschwemmt haben würde , den Eingang zu ver - sperren . Auf diese Weise entstanden die Siele . 
Ein langer , der hindurchzulassenden Wassermenge an - gemessen geräumiger Kanal , oder besser gesagt Stollen , zieht sich quer unter dem Deichkörper sowohl , als unter seinen Bärmen hin . Er ist entweder mit Balken uud starken Boh - len bekleidet und daun viereckig oder aus Sandsteinquadern bestehend und in diesem Falle mit einem Tonnengewölbe bedeckt . Borne , das heißt nach der äußern Mündung zu , erhöht und erweitert sich der Stollen , hier fast immer aus Holz bestehend , und heißt Borsiel . In diesem Vorsiel befinden sich zwei mächtige , aus starke» Bohlen gezimmerte und reichlich mit Eisen beschlagene Thorflügel , die sich nur nach außen hin öffnen . Das Binnenwasser stoßt sie daher leicht auf uud fließt ungehindert hindurch ; sobald aber die Fluth kommt , dringt dieselbe mit gewaltigem Drucke gegeu die offenstehenden THüven , diese geben dein Drucke des Was - sers nach und schließen sich fest zu . Auf diese Weise hat sich die Fluth selbst den Eingang versperrt , so daß , wenn die Thüren gut schließen , auch kein Tropfen hindurch kann ; weßhalb auch diese Thorflügel den Namen Fluth thüren führen . 
Da Beschädigung oder Zerstörung einer solchen Thüre von großen verderblichen Folgen sein kann , so hat man in beii meisten Schleusen vor jenen noch ein anderes Paar Thü - ren angebracht , welche die äußeren Flnththüren oder Noth - thüren heißen . Für gewöhnlich sind diese aber au deu Wänden festgehakt , wodurch sie aufgesperrt erhalten werden und werden nnr dann freigelassen , wenn die inneren Fluth - thüren beschädigt sind oder ausgebessert werden . 
Damit aber gerade so viel Wasser durch deu Siel gehe , als der Marschbewohner für nöthig erachtet , so ist an den größeren und wichtigeren Schleusen endlich ein drittes Paar Thüren , die Ebbe - oder Stauthüren , angebracht . Diese haben ihren Platz vor der innern Mündung des Stollens und öffnen sich in einer den Flnththüren entgegengesetzten Richtung . Auch diese Thüren sind , wenn man ihrer nicht bedarf , durch Haken aufgesperrt , verschließen jedoch , wenn sie beweglich gemacht werden , nur die untere Hälfte des Stol - lens , da sie eigentlich nur Halbthüreu sind . 
Herrscht starke Dürre , so daß auch die Geest den Mar - schen wenig Wasser zuführt uud das Vieh auf den Weiden zu dursten beginnt , dann läßt man die Ebbethüren los , um das mit jeder Ebbe mehr und mehr wegfließende jetzt so nöthige Wasser zurückzuhalten . Dieses drängt dann die Ebbethüren zn , staut davor bis zur Höhe derselben auf und das über - flüssige Wasser strömt darüber weg , während der andere Theil zurückbleibt uud die lechzenden Wiesen und Weiden erfrischen kann . 
Anstatt der Ebbethüren besitze» auch manche Schleusen nur ein einziges Ziehthor vor ihrer innern Mündung , das Schott genannt , welches gleiche Bestimmung hat , aber durch Ketten uud eine Art vou Ankerwinden , oder dnrch eine Daum - kraft aufgezogen uud niedergelassen werden kann . lich wird dieses Schott im Winter bei starkem Froste herunter gelassen , um zu verhüten , daß die Flnththüren nicht festfrie - ren , wodurch unfehlbar eine Überschwemmung verursacht werden würde . 
Schließlich wird die äußere Mündung noch durch ein Balkengerüst , der Sielhammer genannt , bekrönt , das ihr theils als Zierrath , theils als schützendes Geländer dient ; während sich über der innern Münduug häufig ein steiner - nes Denkmal von verschiedener Form erhebt , den Namen des Erbauers dieser Schleuse , die Zeit uud Kosten ihrer Anlegung und die Namen des danialigen Deichgrafen , wie der Deichgeschworueu tragend . 
Da sich fast immer zwischen Deich , Meer und Strom ein größeres oder kleineres Vorland befindet , fo führt eine Fortsetzung des Kanals das aus der Schleuse hervorströ - Utende Wasser vollends in den Fluß , dient häufig zugleich als Hafen für kleinere Schiffe und Kähne und wird Siel - 
tief genannt . 
Das Hindurchlassen der Binnengewässer ist aber nicht der einzige Zweck der Schleusen . Der nächste ist , zugleich die Schifffahrt zwischen deu Binnenkanälen uud dem Flusse herzustellen . Zwar werden hierzu nnr die größeren Schleu - seu genommen und auch durch diese können natürlich ebenfalls nur schmale Schiffe , sogenannte Böcke , passiren , die entweder gar - keinen Mast haben oder denselben niederlassen können , ^ie warten , bis sich die Schleuse geöffnet hat und der hohe ,
	        
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