Buchbesprechungen
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einem Interview mit dem Sammler mündet. Die essayistischen Betrachtungen (der Arti
kel erstreckt sich incl. Interview von Seite 7-33) erscheinen mir in einem nur 48 Seiten
umfassenden Begleitheft doch etwas fehl am Platze, zumal der Museumsbesucher sich
mehr auf die Ausstellungsthematik einstellt, als daß er über das Sammelwesen aufgeklärt
werden will. Das anschließende Interview schweift leider schon ab Frage drei völlig ab
von der Thematik Krampuspostkarte, bietet aber auch hier wieder interessante Auf
schlüsse zur Sammelmotivation des Sammlers Ernst Brodträger.
Ein zweiter Artikel, „Gruß vom Krampus. Ein Ausflug in die Geschichte der Post
karte“ von Kathrin Pallestrang, bietet dem Leser dann den Einstieg in die eigentliche
Ausstellungsthematik. Die Autorin skizziert kurz den Werdegang der Postkarte und
gibt Einblicke in das Forschungsfeld „Krampus“. Über kleine Lapsi sei hinwegzusehen,
wenn z. B. statt dem 20. Jahrhundert aus Versehen das 19. Jahrhundert angegeben wird,
als man um 1905 die Postkartenrückseite nun für Adresse und kurze Mitteilungen in
zwei Felder aufteilte; auch daß Bildkarten „von Anbeginn an farbig gestaltet waren“, ist
so nicht korrekt.
Das Ausstellungsbegleitheft bietet leider keinen Überblickskatalog aller ausgestell
ten Postkarten, gibt weder Auskunft über Hersteller, Künstler noch Bildmotivik oder
Inhalte der handschriftlichen Texte, was recht schade ist, aber wohl auf finanzielle Ursa
chen zurückzuführen ist, keinen umfangreicheren Katalog produzieren zu können. So
verschwand die Krampuskartensammlung nach ihrer Präsentation wieder in ihrer Ano
nymität, der sie zumindest für wenige Wochen entrissen werden konnte, bleibt aber in
Zukunft für weiterführende Forschungen nahezu ausgeblendet. Dem Katalog ist zugute
zu halten, daß er eine nette Gestaltung erfuhr und sehr gute, wenngleich nur 16 brillante
Reproduktionen der Postkarten (von ausgestellten 480!) abbildet. Ich wünsche der
Sammlung einen fundierten Katalog, damit sie auch anderen Forschern leichter zugäng
lich wird.
Meran Roland Halbritter
Helmut Fischer: Erzählen - Schreiben - Deuten. Beiträge zur Erzählforschung. Mün
ster u. a.: Waxmann 2001, 300 S. (Bonner kleine Reihe zur Alltagskultur, 6).
Helmut Fischer stellt einleitend seine hier vorliegenden Beiträge in den Bereich der
Erzählforschung. Es ist eine Disziplin, die in sich bereits interdisziplinär ist und ein
umfassendes Themenspektrum bedient. Als ihre Eckpunkte nennt Helmut Fischer das
Erzählen, Erzählungen und Erzähler in Vergangenheit und Gegenwart, in deren Zen
trum der Mensch „jeder Zeit als ein produktives und rezeptives literarisches Wesen“
(S. 9) steht. Dieser breiten Zielvorgabe wird der vorliegende Band vollauf gerecht. Die
sechs Abschnitte behandeln Themenbereiche wie die Landschaftsgebundenheit des Er
zählten und der Erzählenden, das schriftliche Erzählen, Sagengestalten, das Weltbild
und Erzählen, die Wirklichkeit in den Volkserzählungen und das Verhältnis von Bild
und Text. Ihnen sind jeweils umfassende Literaturnachweise zugeordnet. Die Grund
lage der materialreichen und methodisch klaren Beiträge ruht auf Arbeiten, die an ent
legener Stelle erschienen sind und hier zu einem Buch zusammengefaßt wurden.
Als stoffliche Basis dienen meist Sagen aus schriftlichen und mündlichen Quellen.
Dabei akzentuierte Helmut Fischer landschaftliche und kulturräumliche Aspekte der
Erzählforschung. Kulturelle Unterschiede in den Regionen und der Blick auf Sammler