GLOBUS .
ILLUSTRIERTE ZEITSCHRIFT FÜR LÄNDER - UND VÖLKERKUNDE .
VEREINIGT MIT DEN ZEITSCHRIFTEN : „ DAS AUSLAND“ UND „ AUS ALLEN WELTTEILEN“ .
HERAUSGEGEBEN VON H . SINGER UNTER BESONDERER MITWIRKUNG VON Prof . Dr . RICHARD AND REE ,
VERLAG von FRIEDR . VIEWEG & SOHN .
Bd . XCI . Nr . 1 . BRAUNSCHWEIG . 3 . Januar 1907 .
Nachdruck nur nach Übereinkunft mit der Verlagshandlung gestattet .
Bamum .
Von Hauptmann
Als ich im Jahre 1892 als Stationschef auf der gierungsstation Baliburg , dem damals vorgeschobensten Posten im Hochlande von Nordkamerun , saß , erzählte mir unser getreuer Freund und Blutsbruder Garega , der alte , kluge Balihäuptling , des öfteren von einem mächtigen Herrscher im Osten und seiner großen Hauptstadt Bamum . Diese sei mit Gräben und Mauern umwallt und besitze eine solche Ausdehnung , daß , wenn vor den Toren auf der einen Seite ein Kampf entbrenne , die Leute im gegengesetzten Stadteil davon gar nichts hörten und ruhig ihren Geschäften nachgingen . Der König dieses Landes besäße viel Pferde , und ein großer , breiter Strom gleichen mens fließe es ; in ihm und den ihn den großen Sümpfen gäbe es viel pferde . Die Bali - Bagam ( ein östlich von Bali zender teil gleichen Stammes ) ständen in hungen zu Bamum ; die
Entfernung dorthin betrüge einen halben Mond ( also 14 Tage ) .
Diese Mitteilungen , deren Richtigkeit im allgemeinen ich bei der außerordentlichen Land - und Leutekenntnis und den ausgedehnten politischen und kommerziellen Verbindungen der Bali nicht im mindesten bezweifelte , und die sich , ausgenommen die Entfernung , auch sächlich bis in alle Einzelheiten als zutreffend erwiesen haben , erweckten naturgemäß damals in mir den lebhaften Wunsch , dieses merkwürdige Graslandreich zu besuchen und so in den großen weißen Fleck eine Bresche zu legen , der noch zwischen der Zintgraffschen und Morgenschen Route , den einzigen damals von Europäern beschrittenen Wegen im südlichen Adamaua , lag . Die im Jahre zuvor , 1891 , von Morgen entdeckte Sultansstadt Banyo ließ mich allerdings vermuten , daß das „ Bamum1' der Bali leicht identisch mit eben diesem Banyo sein könnte . Der
a . D . Hutter .
„ große breite Strom“ wäre dann als der Mbam sprechen gewesen ; die „ Sümpfe“ ließen aufs neue an die Möglichkeit des Vorhandenseins des Libasees denken , der ja noch bis zu Zintgraffs Zug nach Yola 1889 sich mit großer Hartnäckigkeit auf den Karten eben dieser in Frage kommenden Gebiete erhielt .
Denn man darf nicht vergessen , daß gerade Kamerun noch zur Zeit seiner Erwerbung als deutsche Kolonie 1885 nahezu vollkommen unerforscht war , daß sondere das Gebiet zwischen Küste , Benue , oberem Shari und Ubangi — die etwa 100 km südlich des Benue fende Route Flegels ausgenommen — als sog . Libagebiet
zu den drei bis jetzt noch total kannten derstrecken Afrikas hörte , auf die lich die tive Kenntnis des ältesten Erdteils ziert war .
Doch der zurück zu Bamum ; aber ich hielt es für nicht interessant ,
kurz darauf aufmerksam zu machen , welche Hypothesen noch vor 15 Jahren an ein Gebiet geknüpft werden konnten , das heute schon als vorläufiges Endziel einer Bahn ins Auge gefaßt ist , und damit zu zeigen , was für eine achtunggebietende Forschungs - und arbeit in einer kleinen Spanne Zeit geleistet worden ist .
Meinem ihm gegenüber geäußerten AVunsche , Bamum zu besuchen , setzte Garega sichtliches Widerstreben und gleichen passiven Widerstand entgegen , wie er es Zint - graff gegenüber bei seinem beabsichtigten Vordringen nach Norden getan und wodurch er ihn ja auch fast ein halbes Jahr davon zurückgehalten hat . Er sagte mir auch unumwunden den Grund seines Widerstrebens : „ Wenn du diesen großen Häuptling und seine Stadt gesehen hast , so bleibst du bei ihm , und ich und Bali sind dann lächerlich gemacht im ganzen Lande . “ Ich war noch viel mehr als seinerzeit Zintgraff auf die
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Abb . l . Blick . auf einen Teil <ler Stadt Bamum .
Gesamtanlage der neuen Residenz . Die Häuser auf der Höhe gehören noch dazu .
Globus XCI . Nr . 1 .