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fullscreen: Zeitschrift für Ethnologie, 65/66.1933/34

  
  
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Literarische Besprechungen. 279 
urd kónnte die Opfer und Bitten selkst nicht zum Himmel bringen. Er trägt aber 
am oberen Erde einen Vcgelkcpf cder eine Vogelgestalt, die zum Himmel fliegen 
kann. Dieser Pflock hat am Erdboden Entenfüße. Das ungarische Märchen spricht 
heute von einem ,,auf Entenfüfen sich drehenden Schlo8‘“. Dieses Schloß war im 
Urglauben der Ungarn das Himmelsschloß Gottes, das sich über dem Weltbaum 
mit den Entenfüßen dreht. Ein Überbleibsel des Weltbaumes steht noch heute 
in jedem Bauernhof. Er dient praktischen Zwecken: auf seinen Querhölzern 
werden die ausgewaschenen Tópfe mit der Mündung nach abwärts zum Trocknen 
aufgehängt. Vor 100 Jahren standen noch in der ungarischen Steppe hohe Pappel- 
holzpfähle mit Querhölzern. Vom Gipfel dieser ,jWachtbüume'' (órfa) übersah der 
Hiré seine Herde. Oben am Wachtbaum ist aus alter Gepflogenheit ein Bündel 
Stroh gebunden worden, das in dieser Zeit keinen Sinn mehr hatte. Das Bündel 
Stroh ist das Überbleibsel des Vogelkopfes des Weltbaumes gewesen. 
Der Schamane der ungarischen Urreligion mußte aber auch mit den Dämonen 
der Unterwelt unterhandeln. Um seine Seele dort hinunter zu schicken löst er sie 
von seinem Körper durch Pflanzengifte unter Trommelgewirbel und Schellen- 
geklingel. So fällt er hin. Man hört dann aus seinem Munde das Schnattern der 
Gans, die seine Seele in die Unterwelt trägt, die winselnde gebrochen singende, 
flehende dünne Stimme des Schamans und den harten tiefen ''on der Antwort des 
Dämons. Auch der ungarische Márchenheld z. B. ,,der Sohn des weillen Pferdes'' 
(Fehérlófia) begibt sich in diese Unterwelt, wo er mit Ungestümen und Drachen 
kämpft, die dort in Schlössern wohnen. 
Das sind die Elemente der ungarischen Urreligion, die die ethnologische 
Forschung feststellt. J. Kollarits, Davos. 
Cook, P. A. W. Social organisation and ceremonial institutions of the 
Bomvana. Juta & Co. Cape-Town. 
Hier wird in einer kleinen, aber sehr inhaltsreichen Monographie viel Neues 
zur südostafrikanischen Ethnographie beigebracht. Sie ergänzt in vielem die 
neue, sehr wertvolle Arbeit von Henderson Soga über die Ama-Xosa. Soga rechnet 
die Bomvana zu den Aba-Mbo (Pondo). Sie wohnen an der ‚Ostgrenze des Xosa- 
landes. Cook gibt ein kleines geschichtliches Kapitel seinem Buche bei, aus dem 
hervorgeht, daf aber ursprünglich Pondo und Bomvana getrennt waren. 
Cook schildert ganz im englischen Stil am besten die Riten um Geburt, 
Initiation, Heirat und Bestattung sowie die sichtbare Religion (d. h. die Kulte). 
Wichtig sind die Bemerkungen über den Zwillingeglauben; ausführlich sind auch 
die Verwandtschaftsbezeichnungen diskutiert. 
Das kleine Werk ist sehr gründlich und brauchbar. 
Hermann Baumann 
Rudolf Narath: Die Union von Südafrika und ihre Bevölkerung. Leip- 
zig und Berlin 1930. Teubner. 
Der Vorzug dieser bevólkerungsstatistischen Dissertation (unter Hettner!) 
beruht in der geographischen Fundierung. Meistens geht die Bevölkerungsstatistik 
an den Landschaften vorbei und klammert sich an die Bequemlichkeit der poli- 
tischen und administrativen Einteilungen. , Nach einer umfangreichen Übersicht 
über die Gecgraphie der Union folgt eine Schilderung der natürlichen Landschaften. 
Ohne Ermüdung dringt man in die bevólkerungsstatistisehen Probleme ein, die 
nirgendwo brennender sind als in der Union. 
Zwei Karten, eine über die Verteilung der Rassen in der Union und eine andere, 
welche die Bevólkerurgdichte zeigt, zeigen gedrängt den großen Fleiß. 
Hermann Baumann. 
Hissink, Karin, Dr. phil.: Masken als Fassadenschmuck. Untersucht 
an alten Bauten der Halbinsel Yukatan. Sammlung Heitz. Akademische 
Abhandlungen zur Kulturgeschichte. 1l. Reihe, Bd. 2. Verlag Heitz 
& Co., Straßburg 1934. 
Die Masken an Fassaden von Gebäuden im Mayagebiet sind schon mehrfach 
der Gegenstand archäologischer Erörterungen gewesen. Das häufige Vorkommen 
von langen, aus der Fassade herausragenden, nach unten rüsselartig gebogenen 
Nasen an diesen Masken hat Veranlassung gegeben zu allerlei zoologischen Ver- 
mutungen über ihre Vorbilder. Man hat Elefantenkópfe in ihnen sehen und an- 
nehmen wollen, daB in nicht allzuweit zurückliegenden Zeiten der Elefant den 
zentralamerikanischen Kulturvölkern noch bekannt gewesen sei, man hat für diese 
Annahme auch auf die elefantenähnliche Darstellung auf einem Steinbildwerk in 
S. Agostin, Kolumbien, Sammlung Preuß, hingewiesen. Man hat ferner an den 
  
  
  
  
 
	        
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