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fullscreen: Globus, 85.1904

Brix Förster : Deutsch - Ostafrika 1902 / 03 . 
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täglich in Kete geschlachtet und das Fleisch auf dem Markte feilgeboten . Es wird meistens in sehr kleine Teile zerlegt und auf einer Matte , roh oder an der Sonne getrocknet , für die Kauflustigen ausgelegt . Auch werden kleinere Fleischstückchen , über dem Feuer geröstet , zum sofortigen Genüsse bereit gehalten . 
An der Küste finden Schneider ihren Verdienst . Obwohl die nichts weniger als schönen schwarzen Gigerln mit Zylinder , Gehrock und rotem Schlips auch in Afrika einen nicht gerade zur Bewunderung hinreißen können , so muß man doch die Geschicklichkeit der schwarzen einheimischen Schneidermeister anerkennen . Selbst Schuster beglücken den Neger an der Küste mit den Erzeugnissen ihres Handwerkes . Trotz der Mühe , die es dem Neger macht , seine großen Natursohlen in Stiefel einzuzwängen , wird das Stiefeltragen nun doch allmählich an der Küste Mode , und daher ist auch dem schwarzen Gigerl kein Tribut zu groß , wenn er nur „ standesgemäß auf treten“ kann . 
Zum Schluß möchte ich noch betonen , daß wir in Togo auch insofern Kulturaufgaben haben , als wir werk und Industrie der Eingeborenen heben sollen . Die segensreiche Einrichtung von Handwerkerschulen durch die Mission und die Förderung der einheimischen wollenkultur durch die Hinaussendung von ständigen durch das Kolonialwirtschaftliche Komitee genügen noch nicht . Da es weite unbebaute strecken gibt , so ist auch die Anlage von Plantagen erkennend zu begrüßen ; doch hat man darauf zu achten , daß nicht durch die Erteilung allzu großer Reservatrechte die Eingeborenen geschädigt und in der Ausbreitung ihrer Farmen zum Nachteil der Kolonie gehindert werden . Denn es wird auch für Afrika die Zeit kommen , da die Sklaverei aufhört und der Wert der Kolonie Togo in 
einem freien Bauernstände und einem gesunden werker - und Mittelstände beruht . Daher ist der kürzlich gefaßte Beschluß der Kolonial Verwaltung sehr wert , die Frage der großen Landkonzessionen lich zu regeln und dafür zu sorgen , daß diese für die Vorteile der in den Konzessionen liegenden gungen auch kulturelle Pflichten übernehmen . Es handelt sich hier darum , die in den Eingeborenen liegenden Anlagen und die im Boden ruhenden Schätze zu heben . Die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse wird wohl dem Handel und der Großindustrie erhebliche Vorteile bringen , aber die einheimische Kultur , soweit sie in der Landwirtschaft und im Gewerbe begründet liegt , wird sich nicht eher heben , als bis Wanderlehrer , Pioniere der Landwirtschaft und des Gewerbes , zum Nutzen der Eingeborenen das Land durchziehen , sie im Anbau von Kulturgewächsen unterweisen und sie über die kommnung ihrer Industriezweige belehren . Ihr quartier könnten diese Wanderlehrer auf den Stationen haben , wo sich auch gute Gelegenheit zu allerlei suchen bieten würde . Versuche mit der Einführung von widerstandsfähigem Zugvieh , wie Büffeln und Zebras , sollten der Tätigkeit der Pflugschar vorangehen . Das wichtigste moderne Handwerkszeug , Webstühle , rocken , Drehbank und Hobel , müßte eingeführt werden , und man könnte an der Küste auch Ausstellungen anstalten , bei denen die Prämien aus Maschinen und Handwerkszeug zu bestehen hätten . Es könnte dann auch die Kopfsteuer in Togo eingeführt werden , die den Neger den Wert des Geldes schätzen lehrt und ihn zur Sparsamkeit anhält . Wenn diese Kulturaufgaben gelöst werden , dann wird Togo bei der Intelligenz seiner geborenen und bei dem Vorhandensein natürlicher schätze eine Perle im Kranze unserer Kolonien werden . 
Deutsch - Ostafrika 1902 / 03 % 
Von Brix Förster . 
Der Ebbe im Handelsverkehr von 1901 2 ) ist diesmal eine sacht anschwellende Flut gefolgt . Namentlich scheint die Ausfuhr in einer sehr erfreulichen Zunahme begriffen , und zwar auf Grund der Prosperität der tagenwirtschaft und der gesteigerten Tätigkeit der geborenen Bevölkerung . So hat der Export von Kaffee und Faserstoffen eine ansehnliche Höhe erreicht und die Pflege der Kokospalmenkultur eine immer größer dende Verbreitung gefunden , wie die bedeutend stärkere Ausfuhr von Kopra beweist . Wenn von Kautschuk nicht weniger , sondern etwas mehr auf den Markt gebracht 
* ) Bearbeitet nach der „ Denkschrift“ über die lung der deutschen Schutzgebiete 1902 / 03 nebst Anlagen ( Auswärtiges Amt , Nr . 54 ) , nach dem Report on the East Africa Protectorate ( Africa , Nr . 6 , 1903 ) und den Diplomatie and Consular Reports , Trade of Zanzibar , 1902 . ( Foreign Office 1903 ) . 
* ) Vgl . Globus , Bd . 83 , Nr . 22 , S . 350 . 
worden , so ist das ein Zeichen , daß man mit Erfolg dem verderblichen , gewohnheitsmäßigen Raubbau endlich halt geboten hat . Elfenbein verharrt im Rückgang , wie in ganz Ostafrika ( speziell in Uganda ) ; denn in Sansibar , dem Zentrum des Elfenbeinhandels , verminderte sich 1902 der Export um etwa 180000 M . Nur in Britisch - Ostafrika ist eine Zunahme bemerkbar , verursacht durch die Ugandabahn , welche eine , wenn auch nicht trächtliche , Anziehungskraft auch auf die deutschen Landschaften östlich und südlich vom Viktoria Njansa ausübt . 
Doch vielversprechend für die Zukunft ist , daß unter den nachhaltigen Bodenprodukten Deutsch - Ostafrikas jetzt die Kopra allein schon einen Vorsprung im fuhrhandel vor dem Elfenbein gewonnen hat . 
Die Einfuhr erlitt einen weiteren Rückschlag im Vergleich gegen früher ; dieser findet nach der „ schrift“ ( S . 37 ) seine Erklärung „ teils im Stillstand 
Produktenausfuhr in 1000 M . Tab . I . 
Kalenderjahr 

bein 

schuk 
r_ , Kokos - 
Kopal 
nusse 
Kopra 

wachs 

treide 
Reis 
Sesam 
Zucker 
Kaffee 
Fasern und waren 
Felle 
1899 . 

1 311 
277 ! 15 , 5 
107 
64 
201 
0 , 6 
85 
79 
95 
92 
78 
1900 . 

1 058 
158 20 , 0 
189 
93 
373 
3 , 0 
179 
126 
274 
68 
103 
1901 . 
881 
1 048 
193 9 , 6 
557 
94 
78 
5 , 4 
279 
97 
257 
141 
130 
1902 . 
626 
1 210 
261 1 3 , 7 
766 
93 
212 
2 , 7 
246 
115 
483 
222 
239
	        
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