Auf der Suche nach den Resten der Crevnux'schen Expedition.
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Die Knaben werden von Kindesbeinen ans im Bogenschießen,
die Mädchen in häuslichen Arbeiten, Maismahlen,
Chichabranen, Weben n. s. w. unterrichtet. Die Beschäftigung
des Mannes besteht in Fischfang, Jagd, Maisbau,
im Holzschaffen und Kampf.
Die Chiriguanos haben wenig Barthaare, und ziehen
sie außerdem aus; statt dessen wächst ihr Haupthaar sehr
üppig, ohne jemals geschnitten zu werden. Die Tcmbcta,
der in der Unterlippe getragene Schmuck, gilt als Zeichen
der Mannbarkeit und Abzeichen des Stammes; sic wird dem
Knaben im sechsten oder siebenten Lebensjahre nach vorheriger
Durchstechung der Unterlippe mittels eines spitzen Zicgcnhorns
oder eines besonderen Instrumentes angelegt. Bor
der Verheirathung macht das Mädchen eine schwere Prüfung
durch: zunächst wird es während dreier Tage und
Nächte in einer Hängematte so hoch wie möglich in der
Hütte aufgehängt und erhält dabei nichts anderes, als ein
wenig gekochten Mais; dann muß sie sich mit dem Gesichte
gegen die Wand in einen Winkel setzen, darf mit Niemandem
reden und weder trinken, noch Fleisch essen, sich die
Zeit mit Spinnen und Weben vertreibend. Diese ein
Jahr lang dauernde Leidcnszeit ist für manches der jungen
Mädchen die Ursache zu Siechthum und sogar zum Tode.
Findet sich ein Bewerber, so schickt er einen Freund zu den
Eltern hin, der sich mehrere Nächte lang um Mitternacht
einige Stunden, ohne ein Wort zu reden, zum Vater in
die Hütte setzt und raucht, bis dieser ihn schließlich in
grober Weise fragt, was er eigentlich wolle. Nachdem erden
Gründ seiner Anwesenheit angegeben, wird von den
Eltern über die Qualifikation des Bewerbers berathen und
dann ohne irgend welche weitere Formalität die Ehe gefchlosscn.
Wenn auch Polygamie vorkommt, so hat doch
stets die erste Frau das Vorrecht vor den übrigen.
Eine Gottesidee besteht eigentlich nicht bei ihnen, denn
das Wort Tunipa bezeichnet zunächst eine Sache oder Person,
die ihnen fremd ist und ihre Neugierde erweckt, wird dann
aber auch als Begriff eines übernatürlichen Wesens gebraucht.
Dieses denken sie sich verkörpert in der Sonne,
Begrübuiß bei den Chiriguanos.
die sic ohne jeglichen Kultus und ohne Tempel in wichtigem
Augenblicken, z.B. vor dem Kampfe, anrufen. Ihr häufig
stcs Gebet zu ihr ist: „Du entstehst und vergehst Cag fü
Tag, um stets verjüngt wiederzukehren; gieb, daß es ane
bei mir so sei." Der Glaube an ein Dasein nach den
Tode ist insofern vorhanden, als sie sich ein irdisches Para
dies nahe ihrer Hcimath vorstellen, wo sie mehrere Jahrlang
eile Leben voll Freuden und Sinnengenuß führen, uv
dann in einen Fuchs oder Tiger verwandelt zu Werder
Ucbrigens werden nur tapfere Krieger und gelte Familien
väter der Freuden dieses Paradieses theilhaftig, Feigling
und solche, die im Kampfe gefallen sind, leben andersw
ohne diese Vorzüge weiter.
Ine Kriege ordnen sich die einzelnen Häuptlinge einer
Oberhäuptling unter. Ihre Bekleidung dabei besteht i
einer ärmellosen Jacke und einer Mütze aus Jaguarfell, di
Bewafsnllng in Bogen und Pfeilen, nur die des Ober
Häuptlings in einer Lanze; ani Handgelenk tragen sie ei
Armband von Leder. Vor dem Abmarsch gegen den Fein
führen die Weiber einen einfachen Tanz auf, dabei di
Männer durch Zurufe zur Tapferkeit anspornend, während
dessen diese unter einander mit unglaublichem Ungestüm ein
Gcfechtsmanövcr aufführen, Nach dem Abzüge der Kriegerwerden
ungeheure Mengen Chicha (Bier aus Mais) zurechtgemacht,
um die Rückkunft der Sieger damit zu feiern.
Diese bringen die abgeschnittenen Köpfe der besiegten
Feinde mit und werfen sie ihren Weibern zn, welche damit
gleichsam Ball spielen, sie fortwährend schmähend und verhöhnend,
weil sie ihren Stamm liicht besser zu vertheidigen
gewußt hätten. Gefangene bleiben BesitzthllNl dessen, der
sic mitgebracht hat und haben speciell dessen Frau zu bedienen.
Im Falle ihr Stamm im Kampfe unterliegt,
rufen die Weiber die Sonne nm Hilfe an und alle Jungfrauen
versammeln sich, um Staub oder Sand aus großen
Krügen in die Luft empor zn werfen, die Sonne dadurch
gleichsam bittend, ihre Feinde ebenso zu zerstreuen, wie der
Staub vom Winde zerstreut werde.
Dem sterbenden Indianer werden von seinen Angehörigen
alle möglichen Aufmerksamkeiten und Zärtlichkeiten erwiesen,
und nach seinem letzten Athemzuge beginnt lautes Jammern