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Full Text : Globus, 48.1885

Auf  der  Suche  nach  den  Resten  der  Crevnux'schen  Expedition.

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Die  Knaben  werden  von  Kindesbeinen  ans  im  Bogenschießen, ­
  die  Mädchen  in  häuslichen  Arbeiten,  Maismahlen,
Chichabranen,  Weben  n.  s.  w.  unterrichtet.  Die  Beschäftigung ­
  des  Mannes  besteht  in  Fischfang,  Jagd,  Maisbau,
im  Holzschaffen  und  Kampf.
Die  Chiriguanos  haben  wenig  Barthaare,  und  ziehen
sie  außerdem  aus;  statt  dessen  wächst  ihr  Haupthaar  sehr
üppig,  ohne  jemals  geschnitten  zu  werden.  Die  Tcmbcta,
der  in  der  Unterlippe  getragene  Schmuck,  gilt  als  Zeichen
der  Mannbarkeit  und  Abzeichen  des  Stammes;  sic  wird  dem
Knaben  im  sechsten  oder  siebenten  Lebensjahre  nach  vorheriger
Durchstechung  der  Unterlippe  mittels  eines  spitzen  Zicgcnhorns
  oder  eines  besonderen  Instrumentes  angelegt.  Bor
der  Verheirathung  macht  das  Mädchen  eine  schwere  Prüfung ­
  durch:  zunächst  wird  es  während  dreier  Tage  und
Nächte  in  einer  Hängematte  so  hoch  wie  möglich  in  der
Hütte  aufgehängt  und  erhält  dabei  nichts  anderes,  als  ein
wenig  gekochten  Mais;  dann  muß  sie  sich  mit  dem  Gesichte
gegen  die  Wand  in  einen  Winkel  setzen,  darf  mit  Niemandem ­

  reden  und  weder  trinken,  noch  Fleisch  essen,  sich  die
Zeit  mit  Spinnen  und  Weben  vertreibend.  Diese  ein
Jahr  lang  dauernde  Leidcnszeit  ist  für  manches  der  jungen
Mädchen  die  Ursache  zu  Siechthum  und  sogar  zum  Tode.
Findet  sich  ein  Bewerber,  so  schickt  er  einen  Freund  zu  den
Eltern  hin,  der  sich  mehrere  Nächte  lang  um  Mitternacht
einige  Stunden,  ohne  ein  Wort  zu  reden,  zum  Vater  in
die  Hütte  setzt  und  raucht,  bis  dieser  ihn  schließlich  in
grober  Weise  fragt,  was  er  eigentlich  wolle.  Nachdem  erden ­
  Gründ  seiner  Anwesenheit  angegeben,  wird  von  den
Eltern  über  die  Qualifikation  des  Bewerbers  berathen  und
dann  ohne  irgend  welche  weitere  Formalität  die  Ehe  gefchlosscn.
  Wenn  auch  Polygamie  vorkommt,  so  hat  doch
stets  die  erste  Frau  das  Vorrecht  vor  den  übrigen.
Eine  Gottesidee  besteht  eigentlich  nicht  bei  ihnen,  denn
das  Wort  Tunipa  bezeichnet  zunächst  eine  Sache  oder  Person,
die  ihnen  fremd  ist  und  ihre  Neugierde  erweckt,  wird  dann
aber  auch  als  Begriff  eines  übernatürlichen  Wesens  gebraucht. ­
  Dieses  denken  sie  sich  verkörpert  in  der  Sonne,

Begrübuiß  bei  den  Chiriguanos.

die  sic  ohne  jeglichen  Kultus  und  ohne  Tempel  in  wichtigem
Augenblicken,  z.B.  vor  dem  Kampfe,  anrufen.  Ihr  häufig
stcs  Gebet  zu  ihr  ist:  „Du  entstehst  und  vergehst  Cag  fü
Tag,  um  stets  verjüngt  wiederzukehren;  gieb,  daß  es  ane
bei  mir  so  sei."  Der  Glaube  an  ein  Dasein  nach  den
Tode  ist  insofern  vorhanden,  als  sie  sich  ein  irdisches  Para
dies  nahe  ihrer  Hcimath  vorstellen,  wo  sie  mehrere  Jahrlang
  eile  Leben  voll  Freuden  und  Sinnengenuß  führen,  uv
dann  in  einen  Fuchs  oder  Tiger  verwandelt  zu  Werder
Ucbrigens  werden  nur  tapfere  Krieger  und  gelte  Familien
väter  der  Freuden  dieses  Paradieses  theilhaftig,  Feigling
und  solche,  die  im  Kampfe  gefallen  sind,  leben  andersw
ohne  diese  Vorzüge  weiter.
Ine  Kriege  ordnen  sich  die  einzelnen  Häuptlinge  einer
Oberhäuptling  unter.  Ihre  Bekleidung  dabei  besteht  i
einer  ärmellosen  Jacke  und  einer  Mütze  aus  Jaguarfell,  di
Bewafsnllng  in  Bogen  und  Pfeilen,  nur  die  des  Ober
Häuptlings  in  einer  Lanze;  ani  Handgelenk  tragen  sie  ei
Armband  von  Leder.  Vor  dem  Abmarsch  gegen  den  Fein
führen  die  Weiber  einen  einfachen  Tanz  auf,  dabei  di

Männer  durch  Zurufe  zur  Tapferkeit  anspornend,  während
dessen  diese  unter  einander  mit  unglaublichem  Ungestüm  ein
Gcfechtsmanövcr  aufführen,  Nach  dem  Abzüge  der  Kriegerwerden
  ungeheure  Mengen  Chicha  (Bier  aus  Mais)  zurechtgemacht,
  um  die  Rückkunft  der  Sieger  damit  zu  feiern.
Diese  bringen  die  abgeschnittenen  Köpfe  der  besiegten
Feinde  mit  und  werfen  sie  ihren  Weibern  zn,  welche  damit
gleichsam  Ball  spielen,  sie  fortwährend  schmähend  und  verhöhnend, ­
  weil  sie  ihren  Stamm  liicht  besser  zu  vertheidigen
gewußt  hätten.  Gefangene  bleiben  BesitzthllNl  dessen,  der
sic  mitgebracht  hat  und  haben  speciell  dessen  Frau  zu  bedienen. ­
  Im  Falle  ihr  Stamm  im  Kampfe  unterliegt,
rufen  die  Weiber  die  Sonne  nm  Hilfe  an  und  alle  Jungfrauen ­
  versammeln  sich,  um  Staub  oder  Sand  aus  großen
Krügen  in  die  Luft  empor  zn  werfen,  die  Sonne  dadurch
gleichsam  bittend,  ihre  Feinde  ebenso  zu  zerstreuen,  wie  der
Staub  vom  Winde  zerstreut  werde.
Dem  sterbenden  Indianer  werden  von  seinen  Angehörigen
alle  möglichen  Aufmerksamkeiten  und  Zärtlichkeiten  erwiesen,
und  nach  seinem  letzten  Athemzuge  beginnt  lautes  Jammern
            
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