1. Zur Geschichte volkskundlicher Kleidungsforschung = For-
schungsansätze und _Problemsichten vorliegender Arbeit |
Volkskundliche Kleidungsforsc hung war von ihren Anfängen im
19, Jahrhundert, ja bis in die 60er und 70er Jahre‘des 20.
Jahrhunderts hinein vorwiegend Trachtenforschung /INTERNATIO-
NALE VOLKSKUNDLICHE BIBLIOGRAPHIE/, "da Volks- bzw. Bauern-
Sracht = als besonders signifikanter”Gegenstand der bäuer-
lich-ländlichen Kultur angesehen wurde. ,.'"/BÖTH 1988, S. 153/.
Dabei ordnete sich diese Sachgebietsforsc Bung vor allem bis
1945 in den für die damalige Volkskunde fast ausnahmslos gel-
benden Forschungsgegenstand, eine Bauernvolkskunde ein /NEDO,
1969, 8, 11/BÖLH 1988, 8. 153/. Sn
Kleidermodische bzw. kostümgeschichtliche Aspekte standen im
Mittelpunkt der kunstgeschichtlichen‘ objektorientierten Ar-
beit, welche Aussagen über bürgerliche Kleidung städtischer
"Oberschichten" zuließ, Die inhaltliche Aufgabenteilung und
las daraus resültierende Oppositionsdenken zu Tracht und Mode
vesultierten aus dem jeweiligen Fachverständnis /EBENDA/.
Auch die Gründung des ersten volkskundlichen Museums in "
Deutschland durch Rudolf Virchow im Jahre 1889 als "Museum
für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse "des Hausßewerbes"
in Berlin wurde zu einem Spiegelbild- demaktiger- volkskundlicher
Forschungsorientierung, Virchows konzeptionelle Vorstellungen,
lie einschlossen, die Geschichte der menschlic hen Arbeit Man
hand von Geräten und Erzeugnissen zu rekonstruieren", set2ten
Sich bei der praktischen Sammlungs- und Forschungstätigkeit
Jedoch nicht durch /VIROHOW, S, 436/, Großbäuerliche sowie
Fest- und Feiertagstrachten stellten als besonders attraktive
Ind wirkungsvolle Objekte einen Schwerpunkt der Sammlungs- und
Forschungstätigkeit dar. Auch die Forderungen Karl Weinholds
äls einem Mitbegründer des Vereins für Volkskunde beim Museum
and der Zeitschrift des Vereins waren "gegen die gefühlsbe=
Stimmte oder geschmäcklerische, oberflächliche Vorliebe für
Destimmte Ausschnitte der Volkswelt,.,.. im Festbrauch, in der
Tracht und in der Volkskunst, gegen die romantische Schwärme-