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Höfler :
gerettet haben und hier eine 'schützende Gleichheit' mit den übrigen heimischen vorchristlichen Volksbräuchen erfuhren . Wir übergehen hier die von den Aryalbrüdern besonders gepflegten Grabrosen , die bei den altitalischen Rosalien verteilt wurden . Die in der Würzburger Diöcese häufig zu findenden Rosensemmeln sind vermutlich noch ein Uberlebsel des römisch - christlichen Rosenritus oder Rosentodesfestes , das in Rom ins Pantheon verlegt und dann am 13 . Mai gefeiert wurde , der ehemals als Sommeranfang galt . Am 25 . April aber flehten die alten Römer den Mars , ihren Frühlingsgott , an den sogen . Robigalien gegen den Saatbrand der Feldfrüchte ( rubigo ) an . An diesem Neujahr stage im Monate des Mars ( mensis Martis ) war der panis martialis ( ein ergotinfreies , frisches , von den Arvalbrüdern hergestelltes Neujahrsbrot , das unter das Volk verteilt wurde ) ein uraltes Opferbrot , dessen Brauch die römische Kirche da und dort auch im Yolke Deutschlands erhalten oder verbreitet hat , wobei ihr die einheimische Sitte der Esch - oder Flurgänge in dieser Frühlingszeit entgegenkam . Das St . Markusbrot ist sicher eine Neuauflage des römischen panis martialis , d . h . des Frühjahrs - oder Märzbrotes , das gegen korn - oder sogen . Brotseuchen verwendet wurde , d . h . gegen den sogen . Kornbrand ( Seeale cornutum ) , der den menschlichen Körper chronisch vergiftet und bei irgend einer neu einsetzenden akuten Infektionskrankheit ( Seuche ) die schlummernde Neigung zum sogen , kalten Brand ( St . feuer ) hervortreten lässt . Dieser Ignis martialis ( 1363 ) oder feu St . Marcel ( 1572 ) , mal St . Martin ; mal St . Martial ist identisch mit dem St . feuer , gegen welches der Ordo St . Antonii ( 11 . Jahrh . ) ebenso freies Brot verteilte , wie früher der Ordo der Fratres arvales im Monate März ( mensis Martis ) gegen Seuchenplagen ein von ihm ausgelesenes und zu Brot verarbeitetes Korn als ein mit Epheu bekränztes Brot ( panis martius , Marzipan ) verteilt hatte ( s . Janus 3 , 265 ) .
Absichtlich ist dieses Märzbrot oder Marxbrot hier etwas eingehender berührt worden , um damit darzulegen , wie bei manchen heute noch üblichen Gebildbroten altrömischer Yolksbrauch mit hereinspielt . Die Dürrbeinchen des Wallfahrtsortes Leiter , die am St . Markustage dort mit Hirsebrei zehrt werden , sind also in Bezug auf diese Zeit ( 25 . April ) ein römischer Brauch , wie die thüringischen Marxbrötchen und die daraus gemachten Markusschnitten . Das betreffende Tagesfestbrot nahm je nach der Lokalität verschiedene Formen an ; das Festbrot selbst aber war aus dem Seelenkulte beim Beginn eines neuen Jahres hervorgegangen , der die verschiedensten Opferformen erzeugte und damit auch die diese substituierenden brote verschiedenartig entstehen liess .
Wird der die beiden oberen bezw . unteren Knäufe oder Spitzen ( Zipfel ) trennende mediane Schnitt noch so fortgesetzt , dass die letzteren zipfel - förmig abstehen und dann gleichsam zwei gebogene Wülste aneinander - stossen , so entstehen Gebildbrote , wie sie namentlich in Süddeutschland