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Aus allen Erdteilen.
im Thuroczer Komitate; der Marktflecken Krickerhäu gehört
zur Neutraer Gespanschaft. Von den 21000 Bewohnern
der Sprachinsel sind über 17 500 Deutsche, gegen 3000 Slo-
vaken und nur 500 Magyaren — ein Zeichen, daß auch hier
die Magyarisierung bisher nur geringe Erfolge errungen hat.
Die meisten Orte der Kremnitzer Sprachinsel sind vom
13. Jahrhundert bis ans den heutigen Tag fast rein deutsch
geblieben, nur in Kremnitz (von den Magyaren Körmecz-
banya genannt), Neuhaj, Koneschhän und Honeschhäu hat sich
das eindringende slovakische Element zu einiger Bedeutung
emporgeschwungen. An der Süd- und Westgrenze der Sprach
insel sind leider die Dörfer Prochctzhäu (Prochot) und Mora-
ben, die der Germanist K. I. Schröer im Jahre 1857 noch
deutsch fand, im Laufe der letzten dreißig Jahre fast ganz
slovakisch geworden. Der Boden der Sprachinsel ist sehr
wenig ergiebig und außerdem schwer zu bebauen. Gerade
die Unfruchtbarkeit der Felder hat aber bisher die Slovaken
verhindert, in größeren Scharen in den Kern der Sprachinsel
einzudringen. Die Armut der Gemeinden hat zur Erhaltung
der deutschen Nationalität wesentlich beigetragen. Daß den
Deutschen in und um Kremnitz mit der Zeit das deutsche
Bewußtsein abhanden gekommen ist, darf nicht wunder neh
men. Haben die Bewohner doch nur geringen Verkehr mit
den Deutschen Österreichs gehabt, haben die magyarischen
Kirchen-, Schul- und Verwaltungsbehörden doch alles gethan,
um aufkeimendes deutsches Stammesgefühl zu ersticken! Haben
die Ortschaften doch nur zum Teil deutschen Unterricht und
Gottesdienst!
Nicht weit von Kremnitz liegt ein kleines deutsches Sprach-
eilaud, das nur aus den zwei Orten Hochwiesen (Velka Pola)
und Panlisch (Pila) besteht. Von den 4000 Seelen dieser
Sprachinsel sind über 3800 Deutsche, 140 Slovaken und
10 Magyaren. Auch hier hat die Unfruchtbarkeit des Grund
und Bodens das Eindringen fremden Volkstums fast ganz
verhindert. Ob der zum Teil magyarische Unterricht ruid
der znm Teil slovakisch gewordene Gottesdienst die deutsche
Sprache werden ersticken können, ist noch sehr zweifelhaft.
Jedenfalls dürften die Bewohner eher dem slavischen als
bcnt magyarischen Volkstum zufallen.
Bisher sind alle Gemeinden im nördlichen Ungarn, ja denen
die deutsche Sprache in Kirche und Schule mit Gewalt oder
List entzogen wurde, nicht magyarisch, sondern slovakisch oder
ruthenisch geworden. Es müßte also von Seiten der Magyaren
das Deutschtum nicht untergraben und gebrochen, sondern
vielmehr gestützt und gefördert werden; denn unter allen
Stammen Ungarns sind die Deutschen allein Freunde der
Magyaren gewesen. Was dem deutschen Volke in Ober
ungarn in Zukunft verloren geht, wird gerade wie in den
letzten zwei Jahrhunderten nur die Slaven, die Todfeinde der
Magyaren, verstärken! Dr. Gh.
— Maori u ud M o a als Zeitgenossen. Durch
eine Entdeckung, welche der Direktor des Museums zu Christ-
church ans Neuseeland machte, mitgeteilt dem Philosophical
Institute of Canterbury am 2. Oktober 1890, ist jetzt
über allen Zweifel festgestellt, daß der ansgestorbene Riesenvogel
Moa und die Vorfahren der heutigen Eingeborenen der
Doppelinsel noch als Zeitgenossen nebeneinander gelebt haben.
Ein genauer Kenner der Maori, Major Mair, hatte es
ausgesprochen, daß diese niemals Kenntnisse vom Moa gehabt
hätten und da neben Moaresten menschliche Artefakte ge-
fnttden waren, so hatte Julius von Haast eine Rasse der
Moajäger konstruiert, die vor den heutigen Maori Neusee
land bewohnt haben sollte.
Forbes hat aber jetzt bei Sumner eine unberührte Höhle
untersuchen können, in der unzweifelhafte Reste von Maori
und Knochen und Eier des Dinornis nebeneinander vor
kommen. Man fand auf dem Boden der Höhle Geräte aus
Holz und aus Grünstein, angekohltes Holz und einen Feucr-
reiber; die Grünsteingeräte waren sehr hübsch gearbeitet, die
ans Holz zeigten das charakteristische Maoriornament. Die
Moaknochen dabei waren teilweise zerbrochen, teilweise ange
kohlt und lagen rings um den Feuerplatz umher. In den
Küchenabfällen am Eingänge der Höhle entdeckte Forbes
Angelhaken und Speerspitzen aus Moaknochen. Auch Kno
chen von einem neuen Schwan, Cbenopis sumnerensis,
wurden gefunden. Von Wichtigkeit war der Nachweis zer
brochener Moaeierschalen in den Küchenabfüllen, die zur
Nahrung gedient hatten, wodurch am schlagendsten der Be
weis für das gleichzeitige Vorkommen des Moa mit den
Vorfahren der heutigen Maori erbracht wird. Die geschnitzte
Figur eines Hundes, die auch in der Höhle gefunden wurde —
wahrscheinlich ein Teil von einem Rudergriff — zeigt, daß der . |
Maorihund auch gleichzeitig mit dem Moa lebte. Über den
Zeitpunkt, wann hier in der Höhle von Sumner Maori und
Moa zusammen lebten, läßt sich nach den Funden nichts Be
stimmtes sagen.
— Aberglauben contra Aberglauben. Zwischen
Hindus und Mohammedanern ist wieder einmal vor dem Ge
richte in Kalkutta ein Fall zur Verhandlung gelangt, welcher
die religiösen grundsätzlichen Verschiedenheiten beider Gemein- ■
schäften schlagend vor Augen führt. Dem Hindu ist jedes
übernatürliche Wesen ein Gott, eine Inkarnation des Höchsten,
es muß daher verehrt werden, man muß ihm Opfer bringen.
Der Islam, der nur einen Gott kennt, hält dennoch an der
Existenz von Dschinnen, Geistern und Kobolden fest, die er
als Feinde verabscheut. Aus diesen Anschauungen erklärt
sich folgender Fall. Ein wüst liegendes, aber gutes Stück
Land war nach Ansicht der Hindus von einer Göttin ver
zaubert; um sie zu versöhnen, pflanzten sie ihr einen Baum,
in dem sie wohnen konnte, stellten ihr Bildnis ans und
opferten ihr Früchte und Blumen. Aber sie blieb unver
söhnt, und ein Mann, der das verzauberte Landstück bebauen
wollte, starb. Die benachbarten Mohammedaner lachten dar
über und suchten sich in Besitz des Ackers zu setzen. Dem
ersten, der dieses wagte, erschien aber die Göttin als grün- j
licher Dämon; ein anderer jedoch meinte, vor einem Bekenner
des Propheten müsse der Spuk weichen; er führte daher eine
Kuh, das heilige Tier der Hindus, zu dem Baume, schlachtete
sie da, hing Fleischstücke in die Zweige und beschmutzte das
Standbild der Göttin mit Blut, das endlich umgeworfen
wurde. Darüber heiliger Zorn bei den in ihren religiösen
Gefühlen verletzten Hindus, die sich an das Gericht wendeten,
das auch fünf Mohammedaner zu Gefängnisstrafe verurteilte.
Die Hindu sagen nun: die englischen Richter haben ein weises
Urteil gesprochen; die Mohammedaner aber behaupten, das
Gericht habe sich auf Seite des bösen Dämons geschlagen,
gegen dessen Niederträchtigkeit sie sich nur verteidigt hätten.
(Nach dem Caleutta Englishman.)
— Kuldscha am Jli (Chinesisch-Turkestan) war von
1871 bis 1881 von den Russen besetzt und wurde im
letzteren Jahre den Chinesen zurückgegeben. Diese haben cs
nach ihrer Art befestigt und der Stadt den Namen Nin-
Unau gegeben. (Petersburger Zeitung.)
— In der südafrikanischen Diamantenstadt Kimberley
(Griqnalaud) sind die Chinesen neuerdings in so großer
Zahl eingewandert, daß auch dort, wie in Kalifornien und
Australien, Arbeiter und Kaufleute unter deren Wettbewerb
zu leiden beginnen. Am Ende des Jahres 1890 bestanden
bereits 75 größere und kleinere chinesische Kaufläden daselbst.
In mehreren öffentlichen Versammlungen erklärten die meisten
Ansiedler, die Chinesen seien eine Plage für das Land, die
daraus vertrieben werden müsse.
Herausgeber: Dr. R. And ree i» Heidelberg, Leopoldstraße 27.
Druck von Friedrich View eg und Sohn in Brannschweig.