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Inhalt / Download : Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 5=20.1977

Besprechungen 
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nicht. Die Aufklärung wird ihres Klassencharakters als bürgerliche Emanzipationsideologie und 
-literatur entkleidet und ihre Entstehung voluntaristisch begründet aus einem „Willen zur Auf 
klärung“ im Gefolge der Newtonschen Denkmethode, die der Autor so charakterisiert: „der 
wissenschaftlichen Methode zu vertrauen und das menschliche Fassungsvermögen bescheiden zu 
betrachten“ (S. 28). 
Wenn Gay im Erscheinungsjahr von Newtons „Naturalis philosophiae principia mathematica“ 
(1787) den „logischen“ Zeitpunkt des Beginns der Aufklärung sieht, während er ihre ideenge 
schichtliche Herausbildung auf die Renaissance, also auf die frühbürgerlich-humanistische Los 
lösung der Wissenschaft von der Theologie zurückgeführt, so liegt darin eine Polemik gegen den 
historisch-materialistischen Grundbegriff der ökonomischen Gesellschaftsformation und gegen 
die über die kapitalistische Gesellschaft hinausweisenden ideengeschichtlichen Werte und Ideale 
der Aufklärung. Denn für Gay und sein subjektiv-idealistisches Geschichtsverständnis dient solche 
Zäsur zur Stützung der imperialistischen Industriegesellschaftskonzeption, wonach in der Ent 
wicklung von Wissenschaft und Technik die Hauptkriterien des historischen und kulturellen Fort 
schritts liegen. In diesem Sinne erläutert auch Kleinstück in seiner Einführung die aktuelle Bedeu 
tung des Bandes von Gay: „Damals, im Zeitalter der Aufklärung begann unsere eigene Gegenwart“ 
(S. 6). Welche Gegenwart hier gemeint ist, erläutert der Verf. selbst. Er bezieht sich zwar einlei 
tend auf Kants programmatische Definition der Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus 
seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (S. 9), stutzt dann aber schließlich den hohen humani 
stischen Anspruch dieser „Freiheitserklärung“ (Gay) so zurecht, daß aus ihm sein Gegenteil 
erwächst, nämlich die Apologetik des Kapitalismus und Imperialismus: „Dieses Mündigwerden 
einer ganzen Gesellschaftsschicht befreite Energien, die den Weg für die ungeheure Expansion 
der westlichen Wirtschaft bis auf den heutigen Tag bereiteten“ (S. 1x8). 
So versteht es sich auch, daß der Verf. bei seinen Streif Zügen durch die Aufklärung wenig 
Aufmerksamkeit für jene progressiven Ideale und Strömungen zeigt, aus denen wesentliche Quellen 
des Marxismus entsprungen sind. Er stellt sich vielmehr hinter Bentham: „Eine Philosophie 
schien all die verschiedenen Richtungen der Aufklärung zu beinhalten, der Utilitarismus“ (S. 118). 
klier „gingen Erziehung und soziale Reform Hand in Hand, und Benthams unfertiger, naiver und 
philisterhafter Utilitarismus war gleichermaßen nützlich und profund“ (S. 123). Mit dem Bekennt 
nis zur Apologetik des Kapitals, die — nach Marx — den Kern der Nützlichkeitstheorie Benthams 
bildet (MEW 3, 3 97 ff.), rückt der Verf. die Versuche von revisionistischer und bürgerlich-liberaler 
Seite, zu einer Neubewertung der Aufklärung zu kommen, ins rechte Licht. Letztendlich geht es 
darum, die im antifeudalen Kampf geborenen Ideen und Bestrebungen des aufsteigenden Bürger 
tums aus ihrem historischen Kontext herauszureißen, die bürgerlichen Klassenschranken dieser 
Ideologie zu ignorieren und sie in der Weise zu aktualisieren, daß sie der eigenen apologetischen und 
reformistischen Zielstellung einer Stabilisierung der spätkapitalistischen Gesellschaft dienen. 
Die dem Band zahlreich mitgegebenen zeitgenössischen Abbildungen haben dem Text gegenüber 
nicht nur eine illustrierende, sondern mehr noch eine substituierende Funktion. Dies gilt etwa, wenn 
a uch sehr notdürftig, für die im Titel der deutschen Übersetzung angeführten Jakobiner. Im Text 
der Darstellung wird der Leser vergebens nach ihnen suchen. Nur in den Bildunterschriften findet 
e " die Namen von Robespierre und Danton jeweils einmal verzeichnet. 
Horst Adameck, Berlin 
blANs Kals, Die soziale Frage in der Romantik. Köln—Bonn, Hanstein, 1974. 328 S. 
Der Verf. stellt in seiner Untersuchung die Aufgabe, die Widerspiegelung und Wertung der 
So genannten sozialen Frage in den Schriften der deutschen Romantik darzustellen. Da beide Be 
griffe — soziale Frage und Romantik — in den bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften subjektivi- 
stischer Interpretationskunst unterworfen sind, sieht sich Kais zu Rückgriffen auf traditionelle 
Ausdeutungen veranlaßt. Für ihn stellt die soziale Frage im Anschluß an die Conze-Richtung „die 
^Aage nach der Einordnung des Vierten Standes in die ,neue £ Gesellschaft“ (S. 4) dar, zielt also 
au f die „Integrierung“ der sich herausbildenden Arbeiterklasse in die sich entwickelnde bürgerlich 
kapitalistische Gesellschaft, auf Verwischung des im Prozeß der bürgerlichen Umwälzung aufbre 
chenden antagonistischen Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit. Unter „Romantik“ versteht 
der Verf. „die Teilströmung deutscher Geistesgeschichte zwischen 1790 und 1850“ (S. 7), „eine 
u Volkskunde 1977
	        
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