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C. M. Pleyte: Die Mentawei-Inseln und ihre Bewohner.
zwei, ein Mann und eine Frau, ergriffen die Flucht und
sind die Urheber der Mentaweier geworden.
Neben diesen Sagen, wovon mehrere Varianten be
stehen, sprechen auch malaiische Chroniken von den
Mentaweiern, und da es zweifellos ist, dals auch die
Bewohner dieser Inseln einmal von Sumatra hierher
übergesiedelt sind, so verdienen diese doch mehr Berück
sichtigung, wiewohl auch aus ihnen nicht festzustellen
ist, woher sie schlielslich gekommen sind.
Am wahrscheinlichsten klingt noch die Geschichte
von Yambang Djaya, Radja von Sungai-Ngiang (welche
Landschaft vielleicht in den Hochländern von Djambi
zu suchen ist), der mit seinen Unterthanen infolge des
Krieges mit Menangkabau seinen alten Sitz verliels und
an die Westküste von Su
matra gelangte, von wo er
oder seine Nachkommen nach
den Mentawei-Inseln über
siedelten. Andere erzählen,
dafs ein Mann und eine Frau
von Ketaun (in der Abtei
lung Moko-moko), die eine
ihnen aufgelegte Buise nicht
bezahlen konnten, auf einem
Bambusflols ins Meer ge
triebenwurden. Nachdem sie
sieben Tage ohne Essen und
Trinken umhergeschwommen
waren, erreichten sie endlich
die Pagai-Inseln, wo sie
sich niederlieisen und die
ersten Menschen waren.
Namen. Der Name Men-
tawei, über dessen Ableitung
mehrere Ansichten ausge
sprochen wurden, ist nichts
anderes als das von Malaien
verstümmelte einheimische
Wort für Mann, matäu. In
den ältesten Reiseberichten
finden wir denn auch öfter
Matawi, was die einheimische
Aussprache deutlicher wieder-
giebt. Die Insulaner nennen
sich selbst Tschakalägät.
Auch Siberut ist eine
Entstellung der einheimi
schen Bezeichnung für die
nördlichste Insel, die aber
auf Rechnung von uns Hol
ländern gestellt werden mufs.
Als die Engländer zum
erstenmal die Insel besuch
ten, hörten sie dieselbe Si-
birut nennen, welcher Name
ganz richtig, ihrer Recht
schreibung gemäls, als Si
berut buchstabiert wurde.
Holländer, diesen Namen
kopierend, vergalsen aber,
dals das e von Siberut nicht
stumm ist, sondern als i aus
gesprochen werden mufs, und
sprachen deshalb von Si
berut. Ein ähnlicher F all
liegt mit dem Namen von
Pulu Pinang vor. Die Eng
länder schreiben nach ihrer
Art richtig Penang, was
zur Folge hat, dals man
in Indien häufig von Pe
nang statt Pinang sprechen
hört.
Was Pagai anbetrifft, so ist die Ableitung weniger
sicher. Wir halten es aber ebenfalls für ein verstümmeltes
einheimisches Wort, und zwar für pakäi, Freund, wo
mit die Bewohner der Mentawei-Inseln die von Nassau
bezeichnet haben können, als man sie nach deren Namen
fragte, oder womit sie sich selbst bezeichnet haben, mit
Abb. 4. Frauen aus dem Dorfe Katorai auf der Insel Sibirut.