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man als halb- oder ganztierische Wesen ansieht und
demgemäss behandelt. x )
Viertens scheint die tropische Hitze viel zur Ent
wickelung des Tropenkollers beizutragen, durch'Er
zeugung eines hohen Grades von Nervosität und Auf
regung, womit sich häufig geschlechtliche Ausschweifungen
verbinden.
So erklären sich exquisit sadistische Handlungen
wie z. B. das beliebte Auspeitschen von Negerweibern
und ähnliche Akte, ausgeführt von Männern, die in der
Heimat deren nicht fähig waren, so dass wir in der
That berechtigt sind, den Tropenkoller als eine besondere
Ursache des Sadismus anzusehen.
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Wenn, wie wir in der Einleitung dargelegt haben,
der Mann das aktive Prinzip im Geschlechtsleben des
Menschen vertritt, die Frau das passive, der Sadismus
als eine Steigerung jener natürlichen Aktivität erscheint,
so dürfen wir a priori annohmen, dass sadistische
Handlungen häufiger bei Männern Vorkommen als bei
Frauen und dass sadistische Frauen meist solche sind, die
eine politische und soziale Stellung einnehmen, wie sie
sonst nur Männern zukommt.
Andrerseits kann Sadismus beim Weibe auch un
abhängig vom Machtgenusse durch die übrigen erwähnten
Ursachen hervorgerufen werden, insbesondere nach von
Krafft-Ebing 2 ) durch die „allgemeine Übererregung
q Diesen Gesichtspunkt hat kürzlich Prof. Felix v. Llisch an
kritisch beleuchtet. Vgl. Politisch-anthropologische Revue 1902
No. 1 S. 71.
2 ) v. Kr aff t - Ebing, „Psychopathia sexualis“, 10. Aufl. S. 78.