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Oskar Schwär
Nach seinen eigenen Aussagen bei den Verhören 4 ) wurde Karraseck 1765 in
Smichow bei Prag als Sohn eines Tischlers geboren, erlernte beim Vater dessen
Handwerk, begab sich aber dann besseren Verdienstes wegen zu einem Metzger in die
Lehre. Nachdem er sechs Jahre in mährischen Orten als Fleischhauer tätig gewesen
war, beschuldigte man ihn eines Diebstahls, den er aber nicht begangen haben
wollte. Bei der Verhaftung setzte er sich zur Wehr, was ihm vier Jahre Strafarbeit ein
brachte. Die Verurteilung zu dieser Strafe erfolgte erst, als er vier Jahre im Leit-
meritzer Gefängnis gesessen hatte. In Freiheit gesetzt, trat er in Melnik in den Dienst
eines Paschers. Wegen Verdachts, ein Fahnenflüchtiger zu sein, wurde er dem K. K.
Militär übergeben und in die Garnison Theresienstadt gebracht. Er desertierte und
gelangte über die sächsische Grenze. In Steinigtwolmsdorf betrieb er die Tischlerei
und einen Hausierhandel und geriet bald in den von Palme 5 ) angeführten Kreis von
Mitgliedern einer in Böhmen versprengten Bande. Er heiratete. Die Frau verstarb
kurz nach der Geburt eines Töchterchens. 1794 wurde er in Neueibau als verdächtige
Person eingezogen, nach achtzehntägigem Arrest entlassen. Als er sich ins Böhmische
wagte, erkannte ihn eine Frau als Deserteur und zeigte ihn an. Nach verbüßter Strafe
und elfwöchigem Dienst desertierte er zum zweiten Male. „Innig gerührt ward er bei
der Ankunft in Steinigtwolmsdorf von der zärtlichen Sorgfalt, mit welcher Maria
Magdalene Greibichen, des Neuwalder Schenkwirts Tochter, sich während der Zeit
des Kindes angenommen. Aus Dankbarkeit verband er sich ehelich mit ihr. Bei ihrer
herannahenden Schwangerschaft begab sie sich, um bessere Abwartung zu genießen,
nach Neuleutersdorf zu ihren Eltern, wo er sie nur heimlich besuchen durfte“ 6 ).
Neuleutersdorf lag mit Niederleutersdorf, Josefsdorf und Neuwalde in einer böh
mischen Enklave. 1797 machte sich Karraseck in Wiesa bei Seidenberg als Tischler
ansässig. Wieder geriet er in denVerdacht der Dieberei. 1798 wurde er bei einem Ein
bruch in Niederreichenbach ergriffen und zur Untersuchung gebracht. Er habe aus
Not gehandelt, es sei sein erster Einbruch, und das Mißlingen sei ihm heb, er sehe es
als eine Warnung der Vorsehung an, sagte er. Aber die Haussuchung ergab, daß er
schon mehrere Einbrüche begangen haben mußte. Das Rumburger Amt berichtete,
daß er
„in Schlockenau i. Böhm, vor einigen Jahren mit mehreren Diebsgesellen eingezogen,
überführt und nach Leitmeritz geschafft worden, daß er unter dem Namen des Prager
Johann in jener Gegend als ein gefährlicher Dieb bekannt sey und zu der Fol. 180 Vol. 8 ge
nannten Bande berüchtigter Räuber gehöre; weshalb er von den Kiesewetterschen Gerichten
am 5. July 1799 dahin ausgeliefert, und von dort, weil er alle Beschuldigungen, selbst den
Reichenbacher Diebstahl wieder leugnet, als Deserteur zum Regimenté geschafft und mit
Regimentsstrafe belegt worden ist. Aber schon im Monat Dezember desselben Jahres ist er
zum dritten Male desertiert, hat sich wieder in der Lausitz eingefunden und, nachdem er das
ihm noch gehörige Haus zu Wiesa verkauft, sich auf den bey seiner Arretierung bey ihm
Vorgefundenen und von ihm anerkannten verfälschten Losbrief und falschen Schein, mit
4 ) SLHA6059.
5 ) „Die Ruine Tollenstein als Raubnest oder Kardineck und Grünhans, die Vorgänger
des Johannes Karaseck“ von G. Berthold (Löbau 1853) erzählt von der nordböhmischen
Bande, die zersprengt und später von Palme angeführt wurde.
6 ) Auszug aus dem Leben des berüchtigten Räubers Karraseck in der Oberlausitz. Dres
den 1803. Sächs. Landesbücherei 8. Hist. Germ. 433, 15 d.