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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 54./56.1958/60

19 Volkskunde, 56. Jahrgang 2, 1960 
289 
Buchbesprechungen 
Herbert Auhofer, Aberglaube und Hexenwahn heute. Aus der Unterwelt 
unserer Zivilisation. Herder Freiburg-Basel-Wien 1960. 186 S. 
Der Herder-Verlag bringt mit diesem Buch ein Werk heraus, das von der 
Basis christlich-katholischen Glaubens aus Aufklärung, Anklage und Aufruf 
zugleich ist. Der Verfasser beruft sich ausdrücklich auf das Erfahrungsmaterial 
Johann Kruses/Hamburg, zu dessen Anerkennung er beitragen will. Außer 
dem schöpft er umsichtig und mit Blick für das Wirkungsvolle, das auch in der 
Verwendung schlagzeilenartiger Überschriften zum Ausdruck kommt, Sekun 
därliteratur aus, u. a. besonders das Handwörterbuch des deutschen Aberglau 
bens. Ausgehend vom „Aberglauben in unserem Alltag", unter dem er z. B. 
Astrologie, Zahlen und Amulettglaube versteht, bringt er im weiteren Ver 
lauf der Darstellung einen geschichtlichen Rückblick auf antike Magie und mit 
telalterlichen Hexenglauben, stellt darauf Bruno Gröning als Beispiel magischen 
Heilens heraus, schildert im Anschluß daran Weiße und Schwarze Magie, um 
dann mit den Kapiteln über Hexen, Hexenbanner und Zauberbücher den Gip 
fel der Anklage zu erreichen, für deren praktisch-juristische Folgerungen er in 
einem besonderen Kapitel, „Hilflose Justiz und säumiger Staat“, eintritt. Den 
Abschluß bilden religiös-philosophische Betrachtungen, in denen dargetan wird, 
daß Magie nicht nur mit der Vernunft nicht zu vereinen ist, sondern als wider 
göttliches, satanisches Werk gelten muß. 
Zu den der Darstellung zugrundeliegenden Thesen und Theorien im folgen 
den einige Anmerkungen! Wenn man, wie der Verfasser in Einklang auch mit 
heutigen Ethnologen tut, die Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit des 
Mythisch-Kultischen gegenüber dem Magischen betont, scheint es mir doch 
überspitzt, vom Aberglauben als einem „Zerfallsprodukt“ und einer „Trübung 
der ursprünglichen religiösen Haltung des Menschen“ zu sprechen oder die 
Entwicklung vom „harmlosen Brauch“ zu magischer Auffassung verlaufen zu 
sehen (S. 25 f.). 1 Die Weltangst, das Gefühl des Ausgeliefertseins, gehört doch 
wohl zu den Urerlebnissen der Menschheit; es würde menschlichem Wesen 
wenig entsprechen, wenn ihnen nicht schon bald mit magischer Bewirkung zu 
begegnen versucht worden wäre. 2 — Für Wesen und Geschichte der Magie (S. 
25 f.) spielen dynamisch-impersonale Vorstellungen eine größere Rolle als 
solche des Animismus und Geisterglaubens. — Daß Magie und Parapsychologie 
nur „scheinbare Gemeinsamkeiten“ haben (S. 14), ist nicht die allgemeine Mei 
nung der — vom Verfasser übrigens anerkannten — Wissenschaft vom Okkul 
ten. — Bei aller Anerkennung des vom Verfasser überzeugend herausgearbei 
teten Unterschieds zwischen Hochreligion und „Aberglaube“ muß gesehen wer 
den, daß die Volksfrömmigkeit — besonders die katholischer Prägung — in 
der Praxis von Profan-Magischem durchtränkt ist. 
1 Gustav Mensching, Die Religion. Stuttgart (Curt E. Schwab) 1959, S. 136—139 unter 
scheidet religiöse Magie und profane (reine) Magie. Bestimmend ist das Vorhanden 
sein oder Fehlen der religiösen Basis, d. h. der Verwobenheit in die numinose Ein 
heit. Die religiöse Magie eignet den Frühreligionen, insbesondere den Religionen der 
Naturvölker. Bei der reinen Magie ist religiöse Flaltung seitens des Subjektes nicht 
erforderlich. Sie manipuliert mit in Zaubermitteln angenommenen Kräften, die per 
se wirken. 
2 G. Mensching a.a.O., S. 138 spricht von der „rein magischen Urtendenz des primiti 
ven Menschen.“
	        
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