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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 54./56.1958/60

Buchbesprechungen 
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Im Zusammenhang mit dem Aufruf an Ärzte, Lehrer und Geistliche, den 
Aberglauben zu bekämpfen, kritisiert der Verfasser das Verhalten der Volks 
kunde. „Eine Volkskunde im elfenbeinernen Turm schließt den Hexenwahn in 
ihr Phantom eines idyllischen Volkslebens, eines ,unantastbaren alten Volks 
glaubens 1 ein und trägt ihn kritiklos weiter, anstatt ihn zwar zu erforschen, 
aber auch seine gräßlichen Kehrseiten zu schildern und öffentlich bekanntzu 
machen“ (S. 166). Es ist völlig richtig, daß die Volkskunde den Volksglauben 
und seine Auswirkung auf die Gemeinschaft, in der er lebt, ohne Romantisie- 
rung so darzustellen hat, wie er ist; es ist aber ebenso klar, daß Wertungen 
und praktische Maßnahmen nicht ihre Aufgabe sein dürfen. Sie begäbe sich 
damit des Charakters einer objektiv forschenden Wissenschaft. Eine ganz andere 
Frage ist es, ob die heutige Gesetzgebung so beschaffen ist, daß sie den gemein 
schädlichen Auswirkungen wirksam begegnet. Hier scheinen in der Tat Lücken 
zu bestehen, die Tatbeständen wie Betrug, Verfemung und fahrlässiger Tötung 
nicht gerecht werden. 
Bonn Gerda Grober-Glück 
Lothar Rudolph, Stufen des Symbolverstehens auf Grund einer volkskund 
lichen Untersuchung in Berlin über drei Symbolformen (Christophorus, Hahn, 
Johanniterkreuz). (Kirchengeschichtliche Studien, hg. v. Diözesangeschichtsver- 
ein Berlin, 1. Heft). Morus-Verlag Berlin, 1959. 80 S. 
Lothar Rudolph hat diese Arbeit als Mitarbeiter der volkskundlichen For 
schungsstelle in Berlin (unter Dr. Barbara Pischel) geschrieben; sie trägt den 
Stempel dieser Herkunft in ihrem kecken Zugriff gegenüber Fragen des groß 
städtischen Volkslebens. Gleich zu Beginn betont der Verfasser, er wolle „nicht 
einen theoretischen Beitrag zur Begriffsbestimmung des Symbols“ liefern; und 
in der Tat liegt der Wert seiner Arbeit in erster Linie in der Sammlung und 
der ersten Aufbereitung volkskultureller Gegebenheiten unserer Zeit. Zugrunde 
liegen Beobachtungen und Befragungen, die zwischen 1955 und 1957 in Ber 
lin durchgeführt wurden; sie zeigen, daß die im Mittelpunkt der Betrachtung 
stehende Christophorusfigur heute auch und gerade in der Großstadt eine Rolle 
spielt. 
Die zusammengetragenen Fakten eröffnen zahlreiche Seitenblicke auf ver 
schiedenartige volkskundliche Probleme, zumal sich der Verfasser bemüht hat, 
die beobachteten Symbolgegenstände in ihrer Funktion zu sehen, sie also auf 
die Symbolträger zu beziehen. Es zeigt sich, wie stark auch heute noch die 
hohe Kunst von volkstümlichen Kultwellen getragen wird (Vielzahl von Chri- 
stophorusdarstellungen seit 1945), wie andererseits die Industrie und die 
Reklameunternehmen sich derartige Bewegungen zunutze machen und sie 
gleichzeitig noch aufschaukeln (Christophoruswerbeplaketten und dgl.). Be 
stimmte Redensarten hängen mit Christophorus zusammen („bei 80 steigt er 
aus . . .“). Bei der Angabe der Herkunft der Christophorusplaketten fällt auf, 
wie oft hier bairisch-österreichische Orte genannt sind; der Verfasser verzichtet 
darauf, den Wegen der Verbreitung nachzugehen, bietet aber doch durch sein 
Material eine wertvolle Hilfe für eine derartige Untersuchung.
	        
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